Lufthansa – Überflieger im doppelten Sinne

Es hat seinen Grund, warum ängstliche Flugpassagiere gerne ein paar Euro mehr ausgeben, um sich Sitze an Bord der deutschen Fluglinie Lufthansa zu reservieren. Man fühlt sich dort einfach sicherer. Zuverlässig, gepflegt und in der Obhut bestens ausgebildeter Piloten.

Die Lufthansa steht für Eigenschaften, die als typisch deutsch gelten, und dies sind beruhigende Komponenten elf Kilometer über dem Boden. Sicherheit Made in Germany. Wie wurde die Lufthansa Group, was sie heute ist?


Zum Kriegsende ein Phoenix aus der Asche

Im Grunde ist die heutige Lufthansa ein Klon. Denn das Ursprungsunternehmen wurde 1926 gegründet. Allerdings lösten die Alliierten es 1951 auf. Zwei Jahre verstrichen. Es war der 6. Januar 1953, als sich die „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“ (Luftag) mit Sitz in Köln gründete. Das war allerdings nur ein Arbeitsname, wobei die Pläne schon feststanden: Am 6. August 1954 kaufte die Firma den Namen, das Markenzeichen mit dem berühmten Kranich und die Farbkombination (Blau und Gelb) von der ersten Lufthansa, die sich zu jener Zeit in Liquidation befand. Aus Luftag entstand die Deutsche Lufthansa Aktiengesellschaft. Der Beginn einer erfolgreichen Made-in-Germany-Firmengeschichte. 1960 verlegte sie den Langstreckenverkehr an den Flughafen in Frankfurt am Main, nach wie vor die Steuerzentrale der Lufthansaflieger. Firmenstandort ist allerdings immer noch die Domstadt Köln.


Take-off eines Weltkonzerns

 Der Start verlief glatt: Von der Gründung der neuen Gesellschaft bis zum Abheben der ersten beiden Linienflüge vergingen knapp über zwei Jahre. Und das will etwas heißen. Dazwischen suchte das Unternehmen geeignete Flugzeuge, organisierte die heute berühmte technische Wartung der Lufthansa, und bildete Piloten, Ingenieure und Flugbegleiter aus. Die Infrastruktur nach dem Krieg war ja nicht wie heute vollständig. Am 1. April 1955 war es so weit: Es starteten zwei Flugzeuge der Marke Convair von Hamburg und München zum planmäßigen Linienflugverkehr der Lufthansa. Und ein stetiger Aufstieg begann.


Ein langer Steigflug mit leichten Turbulenzen

Selbstverständlich gehört etwas Glück dazu, einen Großkonzern aufzubauen. Aber ein Hauptmerkmal vieler erfolgreicher Firmen ist, sich neuen Gegebenheiten anzupassen und in Stresssituationen nicht in Schockstarre zu verharren. Das Naturell der Lufthansa ist so oder so recht mobil. Genauso geschickt reagierte die Aktiengesellschaft auf Probleme und neue Erfindungen.

Erst baute die Firma das europäische Streckennetz aus. Kurz darauf begann die Lufthansa Amerika, Asien und Fernost anzufliegen. Das erste Düsenflugzeug, eine Boing B707, ergänzte ab 1960 die Fliegerstaffel. Und die Lufthansa baute gleichzeitig das Frachtgeschäft aus.

Die ersten hart zu meisternden Hürden brachten die Jahre 1973 und 1979. Viele werden sich erinnern: Die Ölkrise bescherte Deutschland und Europa den autofreien Sonntag. Sicher romantisch, aber für eine Flugfirma katastrophal. Die Preise für Kerosin schossen heftiger nach oben als ein Überschallflieger. Das neue Verständnis im Umgang mit Ressourcen trieb jedoch die Entwicklung spritsparender und leiser Triebwerke voran. Und die Lufthansa hielt sich an diese neuen Modelle.

Emanzipation im Luftfahrtkonzern

Auch die Lufthansa verstand, dass Frauen nicht nur in hübschen Kostümen Passagiere versorgen, sondern auch ihre großen Maschinen um den Erdball manövrieren können. Die ersten weiblichen Piloten der neuen Lufthansa nahmen 1986 im Cockpit Platz. Für die alte Lufthansa vor dem Krieg flog allerdings bereits 1928 die Pionierin der Pilotinnen Marga von Etzdorf.

 

Technische wie strukturelle Innovationen

 Auch sonst hält die Firma stetig Schritt mit Neuerungen. Großraumflugzeuge – natürlich immer mit der neusten Technik – kamen und kommen nach wie vor hinzu. Der Boeing B747 für die Langstrecke 1970 folgten die dreistrahlige Douglas DC 10 und ab 1976 das erste zweistrahlige Großraumflugzeug, der Airbus A300 für den Mittelstreckenverkehr. Das Flugzeug entwickelte sich zum Massenverkehrsmittel. Die Lufthansa reagierte rasch mit der Neugestaltung ihres Streckennetzes. Schnellere Verbindungen und weniger Zwischenlandungen veränderten das Fliegen vom Luxusabenteuer zum Alltagsverkehr.

In den Neunzigerjahren wandelte sich die Firma erneut. Der Aviation Konzern wurde gegründet, da 1995 die Lufthansa Technik AG, die Lufthansa Cargo AG und die Lufthansa Systems GmbH zu eigenständigen Unternehmen wurden. Die komplette Privatisierung des Konzerns folgte 1997. So wollte der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit steigern, und das Aufteilen in mehrere Sparten erleichterte die Handlungsflexibilität. Aktuell soll die Unternehmensgruppe nochmals in drei Säulen unterteilt werden – Premium-Hub-Airlines, die Eurowings-Gruppe und Aviation Services. Immer im Wandel, um Schritt zu halten – das gar nicht so geheime Rezept erfolgreicher Firmen. 

 

Zahlen und Statistiken zur Lufthansa Group

Heute ist die Lufthansa Group ein weltweit operierender Luftfahrtkonzern mit insgesamt 540 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften. Zurzeit liegt der Jahresumsatz bei 35,6 Milliarden Euro. Die Flieger der Group haben im vergangenen Jahr 1.130.008 Flüge absolviert und damit weit über 130 Millionen Passagiere von A nach B transportiert. Für eine bessere Vorstellungskraft: In einem Jahr hat Lufthansa ungefähr alle Bewohner des Firmenstandorts Köln 130 Mal durch die Welt geflogen. Und rund 130.000 Menschen arbeiten für die Gruppe. Beschäftigung für eine ganze Kleinstadt.

 

Sicherheit und Zuverlässigkeit Made in Germany

Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft hat Passagiere befragt – demzufolge sind ein anständiger Service und Bequemlichkeit bei der Buchung kein besonders wichtiges Kriterium mehr. Nur 39 Prozent gaben an, darauf zu achten. Betrachtet man den weltweiten Flugmarkt, ist zu erkennen: Wer ordentlich draufzahlt, erhält deutlich mehr Service. Die meisten sitzen eher schmerzhaft beengt und bleiben ohne Cash hungrig und durstig. Trotzdem scheint dies Passagieren nicht mehr so wichtig zu sein. 

Selbst der Ticketpreis ist von Platz eins gerückt. Waren es einst noch 90 Prozent, sind es heute nur noch 83, für die der Preis zählt. Am wichtigsten seien angenehme Flugzeiten und Non-Stop-Verbindungen mit 85 Prozent...wenn der Flug selbst schon unbequem ist. Allerdings liegt der gute Ruf der Airline laut Umfrage auf der Prioritätenliste bei 70 Prozent der Passagiere weit oben. Da mischt die Lufthansa definitiv mit. Das letzte Mal gab es vor 25 Jahren einen Unfall mit Todesfolge. 

Die Flieger des Typen Boeing 737 und Boeing 747 heben allerdings das Durchschnittsalter der Flotte, weshalb es über dem europäischen Durchschnitt liegt. Deutschland als Lufthansa-Heimatland steht beim Erfüllen der Standards in Bezug auf Kontrolle und Regulierung von Sicherheitskriterien mit der Note „gut“ da. Auf dem aktuellen weltweiten Jacdec-Index rangiert die Lufthansa auf Platz 22. Das kann sich sehen lassen, und Passagiere können sich entspannt zurücklehnen, um auf die Wolken hinunterzuschauen.

 

Lufthansa des Ostens

 Im Jahr 1955 gründete die DDR ebenfalls eine Lufthansa. Die Deutsche Lufthansa GmbH wurde allerdings in die eigens dafür gegründete Interflug übernommen, als klar war, dass sie den Rechtsstreit um den Namen gegen die westdeutsche Lufthansa vor Gericht in Belgrad verlieren würde. Die westdeutsche AG hatte den Namen vor der ostdeutschen GmbH eintragen lassen.

Mit dem Kauf einer Boing 767 verpflichtete sich die Interflug, die Flieger von der Lufthansa im Westen warten zu lassen. Ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung kam das Aus: Die Interflug wurde liquidiert. Damals wollte die Lufthansa die Interflug übernehmen, doch das Kartellamt grätschte dazwischen: Zu mächtig sei die Luftfahrtgesellschaft mittlerweile. Eine Fusion in der Größenordnung sei nicht zu befürworten. So verschwand die DDR-Fluglinie, die ebenfalls als Lufthansa begonnen hatte.

 

Entführungsdramen Ost und West

 Sowohl die westdeutsche Lufthansa AG als auch die ostdeutsche Lufthansa GmbH haben jeweils die Entführung einer ihrer Flieger erleben müssen. Die westdeutsche „Landshut“  wurde 1977 von vier palästinensischen Touristen gekapert. Sie wollten die Freilassung deutscher RAF-Terroristen erpressen, dabei wurde der Pilot ermordet. Die GSG 9 befreite die Geiseln. Ein deutscher Thriller zeigt die Geschichte, seine Erstaustrahlung war 2008 in der ARD.

Bei der Entführung einer Maschine der bis dahin in Interflug umbenannten Fluglinie der DDR versuchten Christel und Eckhard Wehage aus Ostdeutschland zu fliehen. Die Piloten schlossen sich jedoch im Cockpit ein, und die beiden begingen Selbstmord. Piloten und Flugpersonal der Interflug wurden penibel kontrolliert, um eine Republikflucht per Flieger zu verhindern.

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