Natürlich sauber – lebender Filter klärt Abwasser

Wasserpflanzen und Mikroorganismen spielen eine große Rolle bei der umweltfreundlichen Innovation der Aqua Light GmbH aus Bramsche. Sie schuf einen lebenden Filter für Abwasserreinigung, der grundsätzlich auch saubere Luft erzeugen kann. Eine spannende Neuheit, der eine wichtige Auszeichnung winkt.

Zum Wohle der Umwelt präsentiert die Aqua Light GmbH ihre Innovation „Made in Germany“. Im Bereich Abwasserfilter entwickelte sie mit ihrem Symbiofilter ein zukunftsweisendes Produkt. Mit ins Boot nahm die Firma den Physiker Professor Hilmar Franke und die Universität Osnabrück. Ihr Filter klärt Abwasser auf natürliche Art, indem er Wasserpflanzen und Mikroorganismen nutzt. Das „lebende“ Produkt steht als Innovation auf der Nominiertenliste für den deutschen Nachhaltigkeitspreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, den die Preisträger am 8. Dezember 2017 in Düsseldorf erhalten.

Einsatz für die Umwelt

Sowohl der Geschäftsführer von Aqua Light Klaus-Jürgen Feige als auch sein Bruder Helgo Feige, Projektmanager und für den Symbiofilter verantwortlich, interessieren sich für Umweltthemen. In ihrer Kernkompetenz sind sie für Aquaristikzubehör tätig und vertreiben ihre Produkte international. Durch ihr Business und ihre Interessen kamen sie auf die Idee, einen umweltfreundlichen Filter für Abwasser zu erfinden. „Die Reinigung von Wasser spielt natürlich auch in der Aquaristik eine große Rolle: Da lag der Schritt zu größeren Anwendungen nahe“, so Helgo Feige. Professor Franke ergänzt mit seinem fundierten Wissen der angewandten Physik die pfiffige Idee aus dem Hause Aqua Light.

Wasserpflanze Lemna arbeitet

Im Symbiofilter ist die Wasserpflanze Lemna aktiv, auch als Wasserlinse oder Entengrütze bezeichnet. Da sie über einen Eiweißanteil von bis zu 40 Prozent verfügt, wächst sie täglich bis zu 100 Prozent und bedeckt Wasseroberflächen rasch. Dabei setzt sie in ihrem Stoffwechsel Nähr- oder Schadstoffe aus dem Wasser um. Seien es Nitrat, Phosphate oder Schwermetalle – dies alles ist Nahrung für Lemna. Zudem ist es möglich, die Wirkung dieser Wasserpflanze durch die im Symbiofilter befindlichen Mikroorganismen, mit denen Lemna in einer Symbiose lebt, zu erhöhen.

Im Hinblick auf den neuartigen Filter erklärt Feige: „Diese Schadstoffentfernung ist in herkömmlichen Kläranlagen heute noch nicht möglich.“ Für sein Unternehmen bot es sich an, das Produkt in einer Kläranlage zu testen; diese fand sich inzwischen mit den Bramscher Klärwerken. Dort kommt nun der erste Prototyp des Symbiofilters zum Einsatz, der überdies ausbaufähig ist.

Kaskadensystem transparenter Becken 

So funktioniert der Symbiofilter: Das Abwasser fließt langsam durch ein Kaskadensystem transparenter Becken im Filter. Dieses System erlaubt die Kultivierung von Wasserlinsen und Mikroorganismen. Sämtliche Becken sind mit einer Anfangskultur der Pflanzen ausgestattet, die sich rasch vermehren und dabei Schadstoffe aus dem Wasser ziehen. Immer wieder werden die Wasserlinsen inklusive der Schadstoffe abgeschöpft; ein einfacher Vorgang, weil sie auf der Oberfläche treiben. Die angesammelten Algen werden herausgenommen und je nach Inhaltsstoffen werden die Pflanzen entsorgt oder als Dünger weiterverwendet. „Bisher sind die Ergebnisse der Erprobung sehr gut“, so Feige. Aqua Light und Professor Franke arbeiten weiter an dem Prototyp.

Auch die Luft kann profitieren

Damit nicht genug – der Symbiofilter säubert nicht nur Wasser, sondern auch Luft, z. B. die Abluft des Klärwerks. In einem Plexiglaszylinder, als „Wäscher“ bezeichnet, wird Wasser versprüht. So wird die Abluft aus dem Klärwerk gereinigt. Der Wäscher nutzt ausschließlich Wasser mit Mikroalgen und Mikroorganismen aus dem Symbiofilter und verringert die Gerüche deutlich, ohne dass Abwasser entsteht. Es werde Nährstoffe bei diesem Prozess aufgenommen, die danach im Symbiofilter per Stoffwechsel verarbeitet werden.

Weiter geht’s für das Entwicklungsteam, denn Feige stellt sich noch mehr Anwendungen seines Produkts vor: „Auch für die hohe Feinstaubbelastung in den Städten könnte der Symbiofilter eine aktive Lösung bieten.“ So kann das Produkt potenziell die Feinstaubbelastung in viel befahrenen Innenstadtbereichen senken. Der Umweltschutz ist um eine Innovation reicher, die zum sinnvollen Einsatz bereitsteht.

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