Automobil in zeitloser Dimension

Der deutsche Automobilmarkt wird von großen Traditionsmarken beherrscht. Innovative Entwicklungen stammen aber immer öfter auch von kleinen Startups, die mit großen Visionen die Entwicklung vorantreiben. Bei der Everytimer Automobile GmbH ist diese Vision das Streben nach Zeitlosigkeit. So entstand ein Design, dass sich von typischen Neuwagen deutlich absetzt.

Innovation als Antrieb

Besonders in der von Skandalen geprägten Autobranche sind neue Ansätze heute mehr denn je gefragt. Zudem sorgt Innovation für Wachstum und besonders in der aktuell schwächelnden Wirtschaft sind derartige Anreize daher besonders wertvoll. Das deutsche Patent- und Markenamt verzeichnete im vergangenen Jahr 2018 Anmeldungen aus der automobilen Branche. Platz eins und zwei belegen die Zulieferer Bosch und Schaeffler. Unter den Top Ten befinden sich auch Daimler, BMW, VW und Audi. Am häufigsten kommen die Patente aus dem Bereich der Computertechnik. Das autonome Fahren ist mittlerweile auch in den großen Forschungsabteilungen zum zentralen Thema geworden. 

Im Gegensatz dazu steht das innovative und zugleich retrospektivische Konzept der Everytimer GmbH. Kernpunkt ist die Außenhülle, inspiriert von einem Sportwagen der sechziger Jahre. Neben dem Aussehen soll auch das Fahrgefühl eines Oldtimers wiederaufleben. Dabei ist das Fahrzeug gleichzeitig mit der neuesten Technik und höchstem Komfort ausgestattet. Zusammen mit seinem Sohn entwickelte Firmenchef Harald Käs die Idee zum Projekt. Als Basis diente ein BMW 1er Cabrio der Baureihe E 88. Nach dem aufwändigen Restaurierungsprozess ist ein vollkommen neuer Fahrzeugtyp entstanden: Der Everytimer ETA 02 begeistert sowohl eingefleischte Technik-Fans als auch überzeugte Oldtimer-Fahrer. 

Die Liebe zum historischen Auto

Der Bedarf ist groß, denn viele Deutsche haben Freude an altmodischen Karosserien. Auf der diesjährigen „Bremen Classic Motorshow“ erlebten 40.000 Besucher zum Thema Hollywood mobile Filmgrößen, wie den Dodge Monaco aus „Blues Brothers“ oder den Käfer von Terence Hill und Bud Spencer. Aus elf verschiedenen Nationen präsentierten sich 650 Aussteller. Insbesondere Oldtimer-Clubs nehmen hier traditionell viel Raum ein. Während die Besucherzahl der Messe jährlich ansteigt, ist das Interesse an Neuwagen im Allgemeinen innerhalb der letzten Jahre deutlich gesunken.

Die Schwäche zu alten Autos ist oft verbunden mit einer großen Gemeinschaft von Schraubern, die sich liebevoll um ihre Schätze kümmern. Ein Großteil der Ersatzteile wird nicht mehr produziert und ist daher nur bei spezialisierten Händlern verfügbar. Häufig übersteigen die Investitionen den Wert des Oldtimers. Dennoch ist die Bereitschaft groß, alte Modelle wieder in Schuss zu bringen. Ziel ist es dabei, das Fahrgefühl von damals in der heutigen Zeit zu erleben. 2018 waren in Deutschland knapp eine halbe Million historische Fahrzeuge zugelassen, die Tendenz ist steigend. Besonders Klassiker aus der Mitte der sechziger bis Ende der siebziger Jahre sind beliebt.  

Fusion aus Nostalgie und Moderne

Der Everytimer weckt auch ohne aufwändige Reparaturen nostalgische Erinnerungen, denn unter der glänzenden Haube steckt modernste Technik. Der gelernte Elektrotechniker Harald Käs restauriert seit 1981 leidenschaftlich alte Autos. Sohn Michael legte bereits mit 19 Jahren bei BMW die Meisterprüfung zum Kfz-Mechatroniker ab. 2014 gründeten sie gemeinsam die Everytimer Automobile GmbH und stellten im März letzten Jahres ihr erstes Modell vor: das ETA 02 Cabrio. In Handarbeit realisierte das dynamische Vater-Sohn-Duo Sicherheit, Zuverlässigkeit und Komfort in einer zeitlosen Hülle.

Vorbild für das Design ist die offene Version des BMW 02. Das Cabrio wurde vom ehemaligen Automobilhersteller Baur in Stuttgart entworfen und von 1968 bis 1971 produziert. Nun erlebt es eine Renaissance in Form des ETA 02. Kreisrunde Lampen und Rückleuchten sind der BMW-Legende vergangener Tage detailgetreu nachempfunden. Auch Kühlergrill, Blinker und weitere Anbauteile kommen durch Sonderanfertigungen dem Original sehr nahe. Die Technik hingegen stammt vom deutlich jüngeren BMW 1er Cabrio. 

Vorteile von Neuwagen im Oldtimergewand

Die erste Generation der 1er-Reihe rollte von 2008 bis 2013 von den Bändern der Manufaktur in Regensburg. Die Struktur des Cabrios sowie die Sicherheitstechnik sind unverändert. Auf diese Weise wurde viel Entwicklungsarbeit gespart, zudem ist die Übernahme von Reparaturen in jeder BMW-Werkstatt gewährleistet. Nur für größere Karosseriearbeiten muss das Fahrzeug zum Hersteller. Auch die Versicherungskosten bleiben moderat. Als eingetragener Umbau wird der Everytimer in die Klasse des Ursprungmodells eingestuft. Fahrleistung und Verbrauch sind mit 143 PS und 7,1 Liter auf hundert Kilometer ebenfalls gleichbleibend. 

Modifizierungen haben Harald und Michael Käs unter anderem an der Karosserie vorgenommen. Sie besteht aus widerstandsfähigem Carbon. Eigens hergestellte Träger für die Frontmaske sind mit neu entwickelten Bi-Xenon-Lichteinheiten ausgestattet. Die Innenraumgestaltung erfolgt unter anderem in Pepita-Optik, dem Trend-Dekor aus den sechziger Jahren. Das in das Armaturenbrett integrierte Kombiinstrument im Retro-Design unterstützt den klassischen Gesamteindruck. Mit seinen Sonderausstattungen wie dem schlüssellosen Fahren, Klimaautomatik, Navigationssystem, Sitzheizung, elektrischem Verdeck oder Parkdistanzkontrolle vereint der Everytimer alle Vorteile eines Neuwagens in sich. 

Ein Auto für alle Zeiten

Sonderwünsche werden umfassend berücksichtigt. Im persönlichen Everytimer können beispielsweise die Sitzbezüge mit einem eigenen Monogramm oder Logo versehen werden. Alle Motoren, mit denen das 1er Cabrio im Produktionszeitraum ausgeliefert wurde, stehen zur Auswahl. Arbeitet in dem Fahrzeug ein 135i mit Performance-Kit, sind bis zu 326 PS Motorleistung möglich. Auch wer bereits Besitzer eines BMW 1er Cabrios ist, kann diesen in die Hände des bayrischen Startups geben. Der Umbau fängt in der günstigsten Version bei 60.000 Euro an, ein Fahrzeug mit Vollausstattung ist für rund 107.000 Euro zu haben. 

Mit dem Standort in Welden bei Augsburg liegt das junge Unternehmen im bundesweiten Trend, denn aus dem Süden Deutschlands kommen mit Abstand die meisten Patentanmeldungen. Bei der Produktion folgen Harald und Michael Käs jedoch nicht der Mehrheit. Denn in der Automobilindustrie werden lediglich 37 Prozent der Neuwagen im Inland gefertigt. Vater und Sohn haben sich bewusst für eine vollständige Herstellung „Made in Germany“ entschieden. Pro Jahr sollen hier circa dreißig Autos veredelt werden. Laut Käs sind weitere Modelle geplant, die dem Prinzip, weder Young- noch Oldtimer sein zu wollen, folgen. Denn der Everytimer ist gekommen, um zu bleiben.

Bilder: Everytimer ETA

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