CollarCare

Ein Hunde-Versteher-Halsband Made in Germany

Das ist für jeden Tierhalter der Startup-Traum schlechthin: Eine App, mit der sie ihren Hund verstehen können. Klar behaupten Herrchen und Frauchen stets, dass ihr Liebling sowieso irgendwie sprechen kann.

Ab und zu bleiben aber doch Fragen offen oder der Vierbeiner hat einfach keine Lust, sich auf irgendeine Art zu äußern. Dann greift das Konzept von CollarCare, und Hundehalter bekommen Einblicke in den Gesundheitszustand, den Aufenthaltsort oder eventuell bestehende Stresssituationen ihres besten Freundes. Dazu braucht es natürlich auch ein Messgerät, was sich im Name der Firma widerspiegelt: Das eigentliche Gadget zur App ist ein Halsband, zu Englisch „collar“. Es misst die Herzfrequenz und enthält einen GPS-Sender. Die Daten schickt es an das Smartphone und Hundehalter können die Ergebnisse deuten. Ist der Hund zu schwer im Vergleich zu anderen seiner Rasse? Stimmt sein Gesamtzustand? Gibt man in die App einen gewünschten Abstand ein, meldet sie sich sofort, sobald der Vierbeiner den gewünschten Radius verlässt. Ob er dann auf Zuruf zurückkommt, lässt sich natürlich nicht steuern. Aber ein hilfreiches Spielzeug für das Hundetraining ist es trotzdem. Leider kann das Halsband derzeit noch nicht kaufen, aber das Modell ist fertig und die Serienherstellung in Arbeit.

Doch CollarCare kann noch mehr: Gefahrensituation auf der Straße? Der Hund läuft nicht mehr weiter? Die App hat Tipps online parat, wie man in solchen Situationen reagieren sollte. Außerdem wissen Smartphonebesitzer so ganz genau, wie viele Kilometer sie schon Gassi gelaufen sind, wie weit sie noch laufen sollten oder ob es Zeit ist, den Hund im Biergarten unter dem Tisch eine Verschnaufpause zu gönnen. Die App gibt ebenfalls Auskunft darüber, wo sie das in vierbeiniger Begleitung auch tun dürfen. Da diese App für den Hund gedacht ist, misst sie anhand des Halsbandes seine Kilometer und nicht die des Menschen. Meist rennen die Vierbeiner das Doppelte, weil sie selten nur von A nach B traben und eventuell noch Stöckchen aus dem Unterholz kramen. Natürlich kann man seine Route auch teilen und sich mit anderen austauschen. Datenparanoiker können das auch einfach lassen.

Kombiniertes Gassigehen analog und virtuell

Und geben wir es zu: Trotz aller Liebe zum Hund können Gassirunden auch mal öde werden. Als Ansporn gibt es auf der App Spazierspiele beziehungsweise Abenteuer, die das Team lösen kann oder Auszeichnungen, die es zu gewinnen gibt. Sogar echte analoge Preise warten auf die Teilnehmer. Außerdem kann man mit der App ein Trainingsprogramm für den Vierbeiner erstellen, inklusive Wochenübersicht etc.

Das Ganze erinnert ein wenig an die Nintendospiele der neunziger Jahre, oder? Das ist kein Zufall. So ist die App ein hervorragender Anreiz, den menschlichen Nachwuchs vom virtuellen Hundetraining in das reale zu locken. Bei PokemonGo hat das prima funktioniert.

Natürlich kann man sich auch mit anderen Hundebesitzern vernetzen und vergleichen. Ein Zusatzansporn, wenn man weiß, dass man nicht grade allein mit hochgezogenem Kragen durch den Regen trottet und sich sogar auf ein menschliches Schwätzchen treffen kann.

Wer hat sich das ausgedacht?

Es ist schrecklich. Hört man Bielefeld ist der erste Gedanke: Das gibt es doch gar nicht. Tatsächlich stammen die Gründer von CollarCare aus besagtem Ort und damit ist der Existenzbeweis endgültig erbracht.  Die App-Erfinder heißen Lukas Tenge, Ursula Moos, Martin Fenkl und Mike Langendorf. Ein Wirtschaftsinformatiker, eine Modedesignerin, ein Marketingexperte und ein Betriebswirt haben sich hierfür zusammengetan. Inzwischen ist noch ein weiterer Mitarbeiter hinzugekommen, und mittels der App wurden bereits 10.000 Gassirunden registriert. Außerdem haben die vier Gründer mehrere Tierärzte ins Boot geholt, damit die Profis ihnen sagen können, welcher Hundezustand gut ist und welcher nicht. Dann haben sie den Algorithmus geschrieben, und fertig war das Startup.

Wie sind die Bielefelder denn eigentlich auf diese Idee gekommen? Die Antwort ist lachhaft simpel: Mitgründerin Ursula Moos hat einen Hund. Und wie lange gibt es die App schon? Das Startup gegründet haben sie erst im Oktober 2018. Zuvor hatten sie bereits das Gründerstipendium
Nordrhein-Westfalens erhalten. Es läuft also beim CollarCare-Startup.

Für Interessierte gut zu wissen: Die App kann man einfach kostenfrei herunterladen. Das Halsband kostet natürlich etwas. Denn so ein GPS-Sender ist kein Schnäppchen. Ansonsten finanziert sich CollarCare über Werbung. Im Vergleich zu Tierarztrechnungen, Hundesteuer, Futter usw. ist es für Hundebesitzer aber eine bezahlbare Sache.

Die App kann man ganz simpel im Google Playstore herunterladen. CollarCare meint, der Download dauere grade mal 30 Sekunden: Genügend Zeit also, um das Halsband anzulegen und die Schuhe anzuziehen.

Noch ist es Zukunftsmusik: Die Datenübermittlung an den Tierarzt zur Auswertung und Früherkennung von Auffälligkeiten. Doch CollarCare arbeitet daran.

Foto: Péter Göblyös auf Pixabay

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden. Hier können Sie einen neuen Kommentar verfassen.

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.