Der maßgeschneiderte Schuh von Adidas

Laufen, Drucken, fertig

Bei Schuhen haben Deutsche einen Spleen: Gebrauchte Kinderschuhe gibt man nicht weiter, denn das Fußbett wurde bereits eingelaufen. Einem anderen Fuß könne es also nur schaden, und, so geht das Gerücht, fremde Schuhe zu tragen, verursacht Rückenprobleme. Außerhalb Deutschlands sieht man das nicht so eng. Die Erfindung von Adidas sorgt dafür, dass Schuhwerk eine noch persönlichere Angelegenheit wird als bisher.

Ein Schuster kann Schuhe zwar passgenau nähen, aber Adidas hebt die individuelle Fußbekleidung auf eine neue Stufe: maßgeschneiderte Zwischensohlen dank „Futurecraft 4D“. Schließlich tragen unsere Füße das gesamte Körpergewicht durchs ganze Leben. Damit das stets perfekt klappt, können sich Schuhkäufer jetzt im Laden auf ein Laufband stellen, gehen einige Minuten, und die Daten stehen bereit für das persönliche Sohlenprofil. Dieses dämpft und unterstützt dort, wo der Fuß es braucht. Damit Kunden nicht lange auf ihre Bestellung warten, baut der Fachmann die Sohle direkt im Laden per 3-D-Drucker und setzt sie dann ein. Fertig ist der individuellste aller Sportschuhe. Stehlen ist sinnlos – ein Fußprofil ist so einzigartig wie der Fingerabdruck.

Trendsetter Adidas im Fashion Network der Schuhwelt

Passgenaue Schuhe aus dem 3-D-Drucker gibt es zwar schon. Doch die Modelle aus Holland, Spanien und den USA sind eher im Design und bei der Fußform angegossene Stücke. Der deutsche Sportschuhhersteller hat praktischere Gründe, die neue Technik zu nutzen. Um Gelenkproblemen vorzubeugen, misst er den Laufstil und eventuelle Schrägstellungen aus. Die Zwischensohle wird entsprechend angepasst und ausgedruckt: fürs Joggen wie auf Wolken. Auch Nike und Konsorten arbeiten an solchen Modellen. Aber Adidas war schneller mit dem „Futurecraft 4D“. Bisher muss der Kunde allerdings nach Ansbach in Bayern oder nach Atlanta in den USA reisen, um sich solche Sohlen drucken zu lassen. Doch Adidas arbeitet daran, auch bei Fachhändlern diese Technik zu installieren, wie dieses Jahr bei drei Anbietern in New York. 

Natürlich sind die Schuhe bisher keine Schnäppchen, wie bei vielen neuen Erfindungen. Bisher heißt es beim Kauf um die 240 Euro für ein solches Individualmodell hinblättern. Auf der anderen Seite ist das gar nicht so teuer, vergleicht man anderes Schuhwerk mit dieser Innovation.

Wie funktioniert die neue Adidas-Technik?

Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach misst den Laufstil des Schuhträgers bisher auf erwähntem Laufband aus. Außerdem können technikaffine Kunden auf ihrem Smartphone in Hoffnung auf die Zukunft eine entsprechende Laufapp installieren. Adidas hat natürlich schon eine eigene entwickelt. Sie sammelt den Tag über Daten, und der Schuhproduzent kann künftig zusätzlich auf dieser Basis eine perfekte Zwischensohle erstellen.

Dann werden mittels einer digitalen Lichtsynthese aus Licht und Sauerstoff mehr als 20.000 feine Gitterstreben aus Kunstharz in der Sohle so geformt, dass sie den Läufer später durch individuelle Energierückgabe, Dämpfung und Stabilität optimal unterstützt. Schwer verständlich? Genau wissen, wie es funktioniert, soll der Verbraucher vermutlich nicht. Die Firma Carbon hat die Drucktechnik neu entwickelt, die eine Sohle innerhalb von 20 Minuten herstellt. Zu einem Erklärungsversuch geht es hier. Dank des schnelleren Druckverfahrens ist Adidas der erste Hersteller, der Schuhe aus dem 3-D-Drucker in Serie fertigt, statt wie andere Designer als teure Einzelstücke.

 

Zahlen und Fakten zu Adidas

Die Adidas Group ist ein im DAX notierter deutscher Sportartikelhersteller und nach Nike der zweitgrößte Konzern der Branche. Adolf „Adi“ Dassler gründete die Firma 1949. Gemeinsam mit Bruder Rudolf hatte er seit den Zwanzigerjahren Sportschuhe hergestellt. Dann ging jeder von ihnen eigene geschäftliche Wege: Rudolf startete zeitgleich zum anderen Anbieter in der Familie das Konkurrenzunternehmen Puma. Beide Konzerne haben ihre Hauptquartiere in Herzogenaurach.

Adidas lässt den nahestehenden Mitbewerber im Umsatz allerdings weit hinter sich und beziffert seinen weltweiten Jahresumsatz auf über 21 Milliarden Euro, deutschlandweit auf 7,5 Milliarden Euro. Puma erzielt weltweit einen Umsatz von 4 Milliarden Euro. Fast 57.000 Menschen arbeiten für Adidas.

Fotos: Adidas

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden. Hier können Sie einen neuen Kommentar verfassen.

Kostenlos eintragen

Tragen Sie sich als Anbieter Made in Germany oder B2B-Einkäufer ein und nutzen Sie viele Funktionen für Ihren persönlichen Erfolg.

Kostenlos eintragen als

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.