Das Flugtaxi kommt

Revolution der Lüfte

In den Städten droht der Verkehrsinfarkt – vor allem in den großen Cities quälen sich täglich die Blechlawinen durch die Rush Hour. Hingegen ist der Luftraum vergleichsweise leer – das haben auch mehrere Start-ups längst verinnerlicht und treiben daher Flugtaxiprojekte voran. Es sind ehrgeizige Vorhaben, die zur Ära der Digitalisierung und Industrie 4.0 passen.

Große Investoren haben sich bereits für das Vorhaben des Start-ups Lilium erwärmt, ein vollelektrisches Flugtaxi Made in Germany in die Luft zu bringen. Im letzten Jahr haben namhafte Finanziers 90 Millionen Dollar in die Kasse des Unternehmens gespült, darunter der chinesische Internetkonzern Tencent, der von Skype-Gründer Niklas Zennström betriebene Fonds Atomico und Obvious Ventures von Ev Williams, der Kopf hinter Twitter.

Bis zur Serie dauert es noch

Offensichtlich beschleunigte der unbemannte Jungfernflug des Jets, der bereits im April 2017 stattfand, das Zuteilen der kräftigen Finanzspritze. Allerdings benötigen die Gründer weiteres Kapital, bis ihr Jet erstmals bemannt aufsteigen kann. Schließlich heißt es für die Tüftler aus der Nähe von Starnberg, sich mit technischen Fragen der Entwicklung sowie mit den Behörden und ihren Regularien auseinanderzusetzen und dies alles zu bewältigen.

„Wir haben einen Prototypen gebaut, der demonstriert, dass die Technologie an sich funktioniert – aber der größere Weg ist der vom Prototypen zum zugelassenen Serienflugzeug", so der Lilium-CEO Daniel Wiegand. Darum seien die Tests für die Zulassung umfangreich sowie der Detailaufwand in puncto Entwicklung anspruchsvoll. „Wir werden sicherlich noch eine Finanzierungsrunde machen, bevor wir in Serie auf dem Markt sind. Aber man kann mit 90 Millionen schon sehr viel schaffen, auch in der Flugzeugentwicklung." Zunächst, über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, wird Lilium ein Pilotprojekt unternehmen – „langfristig sehen wir aber den autonomen Betrieb", erläuterte Wiegand.

Energiesparender Senkrechtstarter, zu ordern per App

Das neuartige Transportmittel ähnelt einem üblichen Flugzeug. Damit es abheben kann, sind 36 elektrische Turbinen im Einsatz, die über zwölf bewegliche Klappen an den Flügeln angebracht sind. Befindet sich das Fluggerät in der Luft, nehmen die Klappen durch Steuerungeine horizontale Position ein und treiben das Vehikel voran. Vollständig aufgeladen soll der Jet senkrecht starten sowie landen und über eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern verfügen, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern. 

Dank seiner technischen Möglichkeiten, wie Senkrechtstart und Vorwärtsflug, soll das Flugtaxi bis zu 90 Prozent weniger Energie konsumieren als vergleichbare drohnenähnliche Vehikel. In puncto Energieverbrauch pro Kilometer ist es mit einem Elektro-Auto vergleichbar, wie das Start-up vermeldet. 

Kinderleicht wird das Buchen eines Flugs ausfallen, denn der Passagier wird es per Smartphone erledigen: Er klickt auf einige Funktionen in einer App und schon hat er einen Platz im Jet – was ihn dann in etwa so viel kosten soll wie eine Taxifahrt im Auto. 

Weiterer deutscher Flugtaxipionier

Konkurrenz kommt für Lilium aus dem eigenen Land. So tüftelt das Start-up Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe seit 2011 an einem gleichnamigen Elektrosenkrechtstarter – dieses Transportmittel soll ebenfalls im urbanen Raum verkehren. Bemannte Testflüge hat der Volocopter bereits erfolgreich absolviert. Er ist für zwei Personen ausgelegt, basiert auf Drohnentechnologie und hebt mittels 18 kleiner Rotoren ab. Diese Fluginnovation soll bisher eine Strecke von 27 Kilometern schaffen. 

Doch das Team will mehr als nur fliegen. „Unsere Ambitionen beschränken sich nicht darauf, nur das Fluggerät zu entwickeln“, so Volocopter-Geschäftsführer Florian Reuter. „Wir arbeiten am ganzen Ökosystem, denn wir wollen urbane Lufttaxidienste auf der ganzen Welt etablieren. Das beinhaltet die physische sowie die digitale Infrastruktur, um das gesamte System zu verwalten.“

Auch dieses Unternehmen verbucht bereits ansehnliche Finanzmittel von Investoren für sich. Im ersten Schritt hat Crowdfunding die Finanzierung des Volocopters angekurbelt. 2013 kam das Start-up auf diesem Weg zu einer stattlichen Summe – 1,2 Millionen Euro. Im Sommer 2017 freute es sich über 25 Millionen Euro; unter den Geldgebern waren Daimler und der Berliner Investor und Lieferheld-Mitgründer Lukasz Gadowski. 

Nach der Finanzierungsrunde per Crowd lag dem Start-up daran, das Vertrauen der Behörden zu gewinnen, was 2016 von Erfolg gekrönt war. Damals gewährte die deutsche Luftfahrtbehörde dem zweisitzigen Volocopter die vorläufige Verkehrszulassung. Bald will das Unternehmen sein erstes zugelassenes Flugtaxi marktreif haben. Es soll um die 300.000 Euro kosten. Darüber hinaus kooperiert das flugbegeisterte Team mit der staatlichen Verkehrsbehörde im arabischen Dubai. Diese plant, bis zum Jahr 2030 ein Viertel ihrer Personenbeförderung mit autonomen Verkehrsmitteln abzudecken.

Des Weiteren schwebt dem Start-up vor, 10.000 Passagiere täglich auf einer einzigen Punkt-zu-Punkt-Verbindung ans Ziel zu bringen. Mit Dutzenden Volo-Hubs pro Stadt sei es denkbar, bis zu 100.000 Fluggäste zu befördern. 

Flugtaxitrend im Ausland

In China schraubt das Unternehmen Ehang an einer gleichnamigen Drohne, die Passagiere und Lasten befördert. In seinen Tests hat es bereits insgesamt rund 40 Menschen mit seiner Version eines Flugtaxis in die Luft geschickt. In über 1.000 Probeflügen stieg die Ehang bis zu 300 Meter hoch. Wobei die Spitzengeschwindigkeit dieses Vehikels niedriger als beim Lilium-Jet liegt: Sie beträgt 130 Stundenkilometer. Zudem ist die Flugzeit derzeit mit maximal 23 Minuten begrenzt, länger schafft es der Akku bisher nicht. Doch die Drohne ist robust: Sie soll in der Lage sein, dichtem Nebel und Sturm zu trotzen. Bisher steht noch die Genehmigung dafür aus, die Ehang flott für den Luftverkehr zu machen und sie dabei kommerziell einzusetzen. Man wartet auf grünes Licht seitens der chinesischen Regulierungsbehörden. Noch für Sommer 2018 erhofft sich das Team hinter der Drohne das „Go“.

Des Weiteren macht sich Airbus für die Entwicklung eines Flugtaxis stark. Sein elektrisch betriebenes Modell surrt unter dem Namen Vahana durch die Luft – ein Prototyp hat schon unbemannte Testflüge hinter sich. Acht Elektrorotoren lassen das drohnenartige Vehikel fliegen. Zudem hat es Kippflügel, die einen Senkrechtstart und eine ebensolche Landung erlauben. Für den Horizontalflug stehen die Flügel waagerecht.Wenn es serienreif ist, soll das Transportmittel Personen zum Beispiel von Hochhausdächern aus befördern. 2020 möchte Airbus mit Vahana bereits in Serie gehen.

Und dann noch Uber: Gemeinsam mit der Nasa hat das Unternehmen einen Prototyp für ein fliegendes Auto entwickelt und bereits vorgestellt. Der Flugtaxiservice Uber-Air soll in zwei Jahren in den USA im Rahmen eines Testbetriebs aufsteigen und ab 2023 kontinuierlich unterwegs sein. Uber Air betreibt Elektrofluggeräte, sogenannte VTOL (Vertical Take-Off and Landing), sowie Start- und Landeplätze auf hohen Gebäuden. Bis zu 600 Meter Höhe sollen die Luftfahrzeuge verkehren und eine Geschwindigkeit von 320 Stundenkilometern in der Spitze erreichen. Die Strecke, die der Akku derzeit bewältigt, beträgt rund 100 Kilometer.

Ministerin macht Flugtaxis den Weg frei

Kürzlich brachte eine Ministerin der Bundesregierung den innovativen Lufttransportprojekten Aufwind, denn sie will den Einsatz der neuen Flugfahrzeuge hierzulande vorantreiben. Schließlich drängen Probleme wie die „dicke Luft“ durch den Straßenverkehr. Die Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär kommentierte auf der ILA, der Messe für Luft- und Raumfahrt in Berlin, im April dieses Jahres: „Wir von der deutschen Regierung prüfen, unter welchen Bedingungen wir in Deutschland eine Testphase ermöglichen können.“ Dabei wolle man die Balance halten zwischen Sicherheitsfragen und Datenschutz einerseits und den Marktchancen andererseits, stellte sie in Aussicht. 

„Die Nutzung des innerstädtischen Luftraums ist wichtig, wenn man individuelle Mobilität in unseren Innenstädten erhalten will", so Bär. Sie betonte, dass die Zahl der Megacities mit über zehn Millionen Einwohnern weltweit anwachse. Im Hinblick auf Europa bewertete sie es als Schlüsselherausforderung, Wege für die Regulierung und Zertifizierung der neuen Luftfahrzeuge zu definieren. Ferner könne eine Testphase hierzulande die Konzeptstudie eines „CityAirbus“ umfassen. Außerdem äußerte sie ihre Hoffnung, in Kürze selbst in einem solchen Lufttransporter mitfliegen zu können. Und die Ministerin steigt noch anderweitig bei diesen Fluggeräten ein: Wie unterschiedliche Medien berichteten, investiert sie in das chinesische Flugtaxi Ehang.

Headerbild, Bild 1, Bild 2: Lilium; Bild 3: Volocopter

Video zur Firma Lilium

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