Es grünt so grün – „Graspapier“ als Verpackung

Gras verschönert den Garten, ernährt Tiere und auch für Fußballspiele ist es wichtig. Das Grün kann aber noch mehr: Die Creapaper GmbH aus Hennef bei Bonn verwendet es als pflanzlichen Rohstoff für ihre Pellets – ein Produkt, das sich für viele Anwendungen eignet und die Umwelt schont.

Für die Fertigung seiner innovativen Pellets benötigt Creapaper 40 Prozent Gras; Firmenchef Uwe D’Agnone nennt sie auch „Graspapier“. Als weiterer Rohstoff kommen 60 Prozent Holz-Frischfasern hinzu. Wozu dient dieses Produkt? Die Supermarktkette Rewe zum Beispiel nutzt es für Verpackungsschalen von Bio-Äpfeln.

Gute Öko-Bilanz

Dirk Heim, verantwortlich bei Rewe für den Bereich Nachhaltigkeit, äußert zu den Pellets: „Mit Papier aus Gras betreten wir völliges Neuland in der Branche.“ Rewe attestiert dem Produkt der Hennefer Firma „eine vergleichsweise gute Öko-Bilanz“, denn Gras sei nicht nur ein rasch nachwachsender Rohstoff. Bei den Graspellets verbraucht ein Hersteller auch weniger Wasser und Energie als bei der Produktion von Frischfasern oder Altpapier.

Mit 15 festangestellten Mitarbeiter produziert D’Agnones Unternehmen auch Saatgutkarten, unter anderem für Danone, die Drogeriekette DM und Greenpeace. Für dieses Pflanzprodukt werden Samen in biologisch abbaubares Papier eingearbeitet. Außerdem gehören Saatgutbecher zu den Artikeln von Creapaper.

Nachhaltiges Tüfteln 

D’Agnone bezeichnet sich selbst als Tüftler und ist bestrebt, jedes Jahr ein neues Produkt auf den Markt zu bringen – alles Made in Germany. „Am meisten beschäftigt mich dabei das Thema Nachhaltigkeit“, so der Unternehmer. Diese Motivation brachte ihn auch zu seinem „Graspapier“. Zunächst zerkleinerte er Gras und vermengte es mit Zellstoff. Dann ließ er bei einem Papiermacher den ersten Bogen des Naturprodukts herstellen. Nach einem weiteren Materialtest erhielt D’Agnone von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eine Förderung für das Projekt. Auf einer Anlage der Papiertechnischen Stiftung nahe Dresden durchlief das Produkt Probestufen mit verschiedenen Rezepturen. Darüber hinaus unterstützte die Universität Bonn die Aufbereitung der Grasfaser.

Doch auf dem Weg in den Markt lief nicht alles glatt. So waren einige Papierfabriken zunächst nicht begeistert von den Pellets. Neben der hohen Auslastung befürchteten sie Störungen in den kostspieligen Maschinen. D’Agnone nahm auch diese Hürde und so kommen die Gras-Pellets heute bei fünf Papierfabriken in Deutschland zum Einsatz. Bis Ende 2017 will der Firmenchef erstmals eine eigene Anlage zur Pelletproduktion errichten; für nächstes Jahr plant er zwei weitere Anlagen. So strebt er bis 2018 die Herstellung von bis zu 35.000 Tonnen der grasbasierten Innovation an – 8 bis 10 Millionen Euro Umsatz soll dies einbringen.

Einfach, aber genial 

Zurzeit produziert ein Betrieb im Münsterland die Pellets in Lohnarbeit, wobei die Fertigung einfach scheint: Heu wird luftgetrocknet, Steine und Sand werden herausgefiltert; das Heu wird zerkleinert, gemahlen und gepresst – schon ist das Naturprodukt fertig. Für jede Tonne Grasfaser verbraucht die Fertigung zwei Liter Wasser – laut D’Agnone ist dies weitaus weniger als bei der Produktion von Zellstoff aus Holz. Des Weiteren ist der Verbrauch von Strom und die Emissionen an Kohlendioxid erheblich niedriger als bei der chemischen Holzaufbereitung, wie eine vom Heidelberger Ifeu-Institut aufgestellte Öko-Bilanz bestätigt.

Bis zu 90 Prozent aller Produkte aus Papier sind nach Aussage von D’Agnone mit Gras herstellbar. Für den Einsatz des „Graspapiers“ schweben dem Unternehmer vor allem Verpackungen für Lebensmittel, aber auch Einkaufstüten, vor. „Die Händler sind sehr offen, viele suchen nach ökologischeren Verpackungen“, sagt er.

Das grüne Produkt bewerten auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) positiv und haben die Creapaper GmbH aufgrund ihrer Pellets für den Umweltpreis IKU nominiert, der am 21. Februar 2018 in Berlin vergeben wird. Im Jahr 2016 erhielt das Unternehmen bereits den Start Green Award des BMUB. Doch auch ohne jede Prämierung freut sich die Umwelt über diese Innovation.

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