Grüner Wasserstoff: vom Projekt zur politischen Chefsache?

Im Umfeld regenerativer Energien rufen Experten die Nutzung des grünen Wasserstoffs (H2) als kommenden weltweiten Megatrend aus, Deutschland sollte verstärkt auf diesen Zug aufspringen. Derzeit befassen sich einige Projekte hierzulande mit der Energie auf Wasserstoffbasis. Wann macht sich der Bund stark für dieses Umweltthema?

Blickpunkt Japan: In naher Zukunft will sich das Land zu einer „Hydrogen Society“ (Hydrogen = Wasserstoff) mausern, was aufgrund seiner mehr als 90-prozentigen Energieabhängigkeit von außen plausibel, wenn auch sehr ehrgeizig, erscheint. In diesem asiatischen Staat schafft die Regierung die Rahmenbedingungen, um das Energieziel zu realisieren. Als möglich gilt in Japan, in wenigen Jahren den Preis für grünen Wasserstoff (oder Biowasserstoff) auf zunächst drei Dollar und bis 2030 bis auf zwei Dollar pro KG H2herunterzuschrauben. Ein solcher Weg eröffnet neue Märkte und gibt Produktentwicklungen Schub, die das Ziel der globalen Dekarbonisierung näher rücken lassen.

Grüner Wasserstoff in Deutschland

Wie steht es um grünen Wasserstoff hierzulande? Befürwortern gilt dieses Element als hervorragendes Speichermedium, das nach Bedarf mittels Umkehrelektrolyse zu Strom werden kann. In Deutschlands Gasleitungen, über 400.000 Kilometer lang, ließe sich der Wasserstoff speichern, doch er könnte auch mittels CO2-Abscheidung (Carbon Capture = Methanisierung) in Strom, Wärme und Kälte umgewandelt werden.

Was sind die Einsatzgebiete des grünen Wasserstoffs? Unter anderem Elektroautos, Lkws, Busse, Bahnen und Schiffe. Auch für die Nutzung im privaten Zuhause gibt es zunehmend leistungsfähigere Brennstoffzellenkraftwerke. Hierzulande ist geplant, bis 2023 vierhundert Wasserstofftankstellen zu errichten. Wobei Experten finden, das Thema sollte in vielen anderen Bereichen unseres Lebens zum Zuge kommen. 

Um grünen Wasserstoff zu gewinnen, kann etwa die Umwelttechnologie der Windkraft genutzt werden. Dazu werden an Windenergieanlagen Elektrolyseanlagen (wandeln mittels Strom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff um) zusammen mit Wasserleitungen angeschlossen. Dort wird H2 gespeichert, der als Energie für Kfz, Power-to-Gas-Anlagen etc. dienen kann. 

Wasserstoff für ÖPNV im Ländle

Blickpunkt Baden-Württemberg: Das Umweltministerium fördert Studien zum Thema emissionsfreier ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) auf Grundlage der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Hierfür stellt das Land eine Million Euro bereit. „Baden-Württemberg besitzt das technische Potenzial und die industriellen Voraussetzungen dafür, die Kernbestandteile für die Brennstoffzellentechnologie vor Ort zu fertigen. Nichts liegt also näher als den elektrischen Antrieb auf Basis von Wasserstoff hier im Ländle voranzutreiben“, so Umweltminister Franz Untersteller. Jedoch will die Förderung der Studien nicht die Technologien an sich weiterbringen. „Uns interessiert vielmehr, in welchen Städten und Regionen im Land der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur für den ÖPNV sinnvoll wäre und wie eine solche Infrastruktur im Detail aufgebaut sein muss, um nachhaltig zum Klimaschutz beitragen zu können“, sagt Untersteller.

Kraftstoff aus grünem Wasserstoff

Derzeit verwendet der Mineralölkonzern BP bei einem Demonstrationsprojekt in seiner Raffinerie in Lingen (Ems) erstmals regenerativen grünen Wasserstoff, um Kraftstoff herzustellen. Den Wasserstoff dafür produziert die Audi Industriegas GmbH in Werlte im Emsland unter Einsatz der Power-to-Gas-Technologie und rein auf Basis von erneuerbaren Energien. BP Lingen wird rund 130.000 Kubikmeter Wasserstoff von Audi erhalten. Schon im Oktober 2016 besiegelten BP und der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper ihre Zusammenarbeit, um die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Power-to-Gas-Anlage in Lingen zu untersuchen. Laut BP Europa ist es für Raffinerien grundsätzlich machbar, den umweltfreundlichen Energiewandel im Bereich Verkehr aufzugreifen.

Vor allem ist es politische Chefsache, den Einsatz des grünen Wasserstoffs Made in Germany durchschlagend voranzutreiben, wie Experten meinen. So wäre ein Programm des Bundes sinnvoll, das die vielen Ansätze in Deutschland bündelt, damit alle Beteiligten zum Wohl der Umwelt an einem Strang ziehen.

Foto: petrmalinak/shutterstock.com

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