News zu Innovationen aus Deutschland

Innovationen Made in Germany

Obwohl jedes Jahr mehr als 67.000 Anmeldungen beim deutschen Patentamt eingehen, liegt die letzte revolutionäre Erfindung hierzulande bereits länger zurück. In Leipzig plant die Regierung deshalb die Bundesagentur für Sprunginnovationen. Ziel ist das fördern von Erfindungen, die Märkte grundlegend verändern. Denn ihren Ruf als Erfinderland verlieren die Deutschen zunehmend.  

Im Gegensatz dazu steht die jährliche Studie des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit. Demnach bietet Deutschland die besten Voraussetzungen um innovative Prozesse zu verwirklichen. Von der Idee bis zur Vermarktung wurden zehn Kriterien berücksichtigt und in 140 Ländern untersucht, Deutschland landete auf Platz drei hinter den USA und Singapur. Dennoch gibt es ein Problem bei deutschen Erfindern: Sie scheitern häufig an der Umsetzung ihrer Ideen in erfolgreiche Projekte. Die folgenden Innovationen zeigen, wie es geht.

Fraunhofer Institut simuliert Industrie-4.0 

Die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa hat mit Erfindungen wie der MP3-Technik, fettfreier Wurst und Kautschuk aus Löwenzahn bereits verschiedenste Marktbereiche nachhaltig verändert. Im Fraunhofer Institut nutzen mehr als 26.000 Beschäftigte wissenschaftliche Ergebnisse zur Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Die marktfähige Umsetzung der Erfindungen ist dabei eine besondere Stärke, an der es auch mittelständischen Unternehmen oftmals mangelt. Mit dem Applikationszentrum stellt das Institut ein nützliches Werkzeug für die deutsche Wirtschaft zur Verfügung. Eine hauseigene Studie bildete die Basis für das Projekt.

Zentraler Pfeiler für die Wettbewerbsfähigkeit im 21. Jahrhundert ist Industrie 4.0. Dennoch haben 45 Prozent der Unternehmen bisher keine Maßnahmen für eine digitalisierte Produktion ergriffen. Den konkreten Nutzen von unterschiedlichen IT-Lösungen zu bemessen ist schwierig, zumal verlässliche Praxisbeispiele fehlen. Das Applikationszentrum Industrie-4.0 am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, kurz IPA, bietet Unternehmen eine Testumgebung für den Einsatz cyberphysischer Systeme. Gemeinsam mit Wissenschaftlern können die Anwendungen am Stuttgarter Technologie- und Innovationscampus bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Als Ergänzung bieten fünf Forschungszentren zahlreiche Möglichkeiten zur Kooperation. Open Lab-Days, Quick-Checks und Exploring Projects erleichtern den Zugang und gestalten die Suche nach dem passenden Partner effizient.

Die App für den Sammelbus

Mit dem Berlkönig haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine smarte Lösung für den öffentlichen Nahverkehr geschaffen, die auch in ländlichen Regionen Schule machen könnte. In der App geben Mitfahrer ihren Standort und Wunschziel ein und erhalten den nächstgelegenen Einstiegspunkt sowie Anfahrtszeit und Preis. Sobald die Fahrt gebucht wurde, kann der Sammelbus am Bildschirm verfolgt werden. In den meisten Fällen erscheint er innerhalb weniger Minuten an der nächsten Straßenecke. Die Software stammt vom US-Startup Via, die Fahrzeuge aus dem Daimler Konzern.

Der Ridesharing-Service kombiniert die individuelle Mobilität eines eigenen Autos mit Umweltschutz und ist dabei kostengünstig. Der Grundpreis liegt bei 1,50 Euro pro Kilometer. wobei Umwege zur Bündelung von Fahrtwünschen nicht einberechnet werden. Rabatte gibt es im Rahmen von zahlreichen Aktionen und generell halbiert sich der Preis, wenn mehrere Mitfahrer gemeinsam buchen. Der Berlkönig ist ausgelegt für bis zu sechs Personen und kann auch problemlos barrierefrei transportieren. Vorbestellungen sind allerdings nicht möglich, da die Routen spontan errechnet werden. Dafür ist der Sammelbus rund um die Uhr und sieben Tage die Woche verfügbar.

Neue Sicht auf Funktionsweise des menschlichen Körpers

Matthias Mann ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried bei München. Spezialgebiet des Wissenschaftlers ist die Massenspektrometrie. Er entwickelte ein Verfahren, welches sämtliche Proteine im menschlichen Körper analysiert. Dies ermöglicht neben der Identifizierung auch die Zählung und Markierung der Eiweiße. Verschiedene Krankheiten wie beispielsweise Krebs können auf diese Weise schon vor dem Ausbruch festgestellt werden. Diagnose und Behandlung werden so um ein Vielfaches vereinfacht.

Das Verfahren arbeitet sowohl mit Gewebeproben als auch mit Körperflüssigkeiten wie Blut. Medizinern verleiht es die Fähigkeit, Proteine in ihrer Entwicklung genau zu beobachten. Das Geschehen im Zellinneren lag bisher im Dunklen und eröffnet neue Rückschlüsse auf das Entstehen von Krankheiten. Auch die richtige Behandlungsform kann besser bestimmt werden. Für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Proteomik erhielt Mann eine Nominierung des Europäischen Erfinderpreises 2019.

Stationärer Handel geht Verbindung mit E-commerce ein 

Würth deckt den Handwerksbedarf von privaten und industriellen Kunden. Dabei scheut sich der Werkzeughersteller nicht, neue Wege zu gehen. Insbesondere der stationäre Handel ist in dieser Hinsicht wenig innovativ. Umso mehr kann das innovative Konzept überzeugen: Würth ermöglicht rund um die Uhr den Einkauf vor Ort und kommt dabei außerhalb der regulären Öffnungszeiten ohne Personal aus. Die erste 24-Stunden-Niederlassung findet sich auf 500 Quadratmetern in Vöhringen. Interessierte Käufer erhalten einen Code via App, der Zugang zum Gebäude gewährt. Eine zweite Zahlenkombination öffnet die Tür zu den Geschäfts-Räumlichkeiten. Die Abrechnung erfolgt über das Kundenkonto.

Auch für gewerbliche Kunden nutzt die Würth GmbH & Co. KG die Vorteile der digitalen Welt. In diesem Jahr erhielt das Familienunternehmen den Internet World Business Shop Award für den besten B2B-Online-Shop Deutschlands. Insbesondere der Fokus auf Beratung durch Produktfinder, Anwendungsvideos und die übersichtliche Produktdarstellung konnten die Jury überzeugen. Zudem  bietet ein Tool die Möglichkeit, für alle Maschinen eine individuelle Organisationsstruktur anzulegen. Verschiedene Farben markieren wichtige Prüf- und Wartungstermine. Zugriff und Bearbeitung können auch per App erledigt werden. 

Grünes Papier

Jeder Deutsche verbraucht rund 250 Kilo Papier jedes Jahr und liegt damit weit über dem EU-Durchschnitt von 125 Kilo. Trotz Digitalisierung steigen die Zahlen weiter an. Die große Mehrheit wird für kurzlebige Printerzeugnisse wie Verpackungen verwendet. Jeder fünfte Baum wird für die weltweite Zellstoffproduktion gefällt, wodurch insbesondere der Regenwald zerstört wird. Für den Schutz sind daher dringend Alternativen nötig. Diesen Ansatz verfolgt die Creapaper GmbH aus Hennef im Rhein-Sieg-Kreis.


Bildmaterial: Shutterstock.com/asharkyu


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