So kreuzen „Pötte“ mit weniger Luftverschmutzung

Von Deutschlands Straßen sollen Dieselfahrzeuge am besten ganz verschwinden, fordern viele, da die Luftverschmutzung nach wie vor hoch ist. Die ersten Straßen wurden für alte Dieselvehikel gesperrt. Gleichzeitig entlässt die Schifffahrt haufenweise Schadstoffe in die Atmosphäre. Dabei ist es möglich, eine Kreuzfahrt mit Umwelttechnik zu betreiben – AIDA macht’s vor.

Keine Frage, die Diskussion um Luftverschmutzung bleibt brisant. Dabei gilt es, neben Pkw, Lkw etc. auch andere Vehikel zu betrachten. So könnten aufgrund der Dieselbelastung gesperrte Straßen in Hamburg wieder freigegeben werden, wenn Schiffe umrüsten. Allerdings müssen dazu z. B. AIDA, TUI und Co. im Hafen der Hansestadt auf sauberere Weise verkehren. Immerhin ein Viertel der Schadstoffe in der norddeutschen Stadt gehen aufs Konto der Schifffahrt – und die dunkle Seite der Kreuzfahrer ist, dass ihre Dieselmotoren nonstop tuckern. Überall in Europa haben Hafenstädte mit dieser Luftverschmutzung zu kämpfen. 

AIDA reduziert Luftverschmutzung

Mittlerweile seit sieben Jahren publiziert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ein Ranking der 75 beliebtesten Kreuzfahrtschiffe und der von ihnen verursachten Umweltbelastung, insbesondere Luftverschmutzung. Die schwimmenden Hotels stoßen durch das Verbrennen von Schweröl Stoffe wie Rußpartikel, Schwefel, Stickoxid und Kohlendioxid aus. Doch deutsche Betreiber beginnen zumindest umzurüsten. Voraussichtlich im September 2018 sticht mit der AIDAnova das erste Kreuzfahrtschiff mit dem umweltverträglicheren Flüssiggas LNG (Liquefied Natural Gas) in See. „Das ist ein riesiger Schritt nach vorn, wenn erstmals ein derartiges Schiff nicht mehr mit Schweröl unterwegs sein wird“, so Dietmar Oeliger, Leiter der Verkehrspolitik des Nabu. 

Weitaus weniger Luftverschmutzung dank Liquefied Natural Gas

Beim Antrieb mit LNG werden zwar Kohlendioxid, jedoch weder Rußpartikel noch Schwefel ausgestoßen, und der Anteil an Stickoxid reduziert sich um circa 70 Prozent. Zudem kostet LNG nicht mehr als Schweröl, sondern nach heutigem Stand etwa 20 Prozent weniger. Dennoch investieren die Reedereien bei ihren Kreuzfahrten nur zögerlich in den Antrieb mit dem alternativen Kraftstoff.

Vor allem ärgern sich Umweltschützer darüber, dass manches Passagierschiff mit weitaus geringerer Luftverschmutzung in See stechen könnte, die Betreiber dies jedoch aufgrund der Kosten unterlassen. So sind viele Schiffe für den Einsatz von Landstrom ausgelegt, schippern aber dennoch mittels Motor. Die Besitzer begründen dies damit, dass der Bordmotor eine Kilowattstunde für rund acht Cent gegenüber etwa 30 Cent für Strom aus der Landversorgung zulässt. Nach Ansicht des Nabu sollte diese Nutzung gesetzlich untersagt werden. „Wir fordern ein Einlaufverbot in die Häfen ab dem Jahr 2020, wenn ein Kreuzfahrtschiff nicht die vorhandenen Landstromanlagen nutzt“, meint Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik des Nabu in Hamburg.

Kreuzfahrt Made in Germany: im Vergleich weniger Luftverschmutzung

Außer AIDA kommen im Nabu-Ranking auch die deutschen Reiseanbieter Hapag-Lloyd Cruises und TUI vergleichsweise gut weg, denn in ihren „Pötten“ finden sich teils Katalysatoren, Rußpartikelfilter oder Entschwefelungsanlagen, und so dämmen sie die Luftverschmutzung ein. In ein paar Jahren wird diese umweltfreundliche Technik z. B. bei Kreuzfahrten ins Nordmeer Pflicht sein. Norwegen will ab 2026 Reisen in bestimmte Fjorde mit herkömmlicher Schiffsmotorentechnik nicht mehr dulden.

Neben den genannten deutschen Reedereien kann sich nur der französische Anbieter von Kreuzfahrten der Luxusklasse Ponant über eine eingeschränkt positive Bewertung seitens Nabu freuen. Alle anderen – seien es die Branchenführer Carnival und Royal Caribbean oder Viking, Costa und MSC sowie Edelmarken wie Cunard – kommen nur auf niedrigste Werte im Ranking. Zwar folgen diese Betreiber mit ihren Motoren gesetzlichen Bestimmungen, versehen ihre Schiffe jedoch nicht mit Umwelttechnik.

Mit 400 Schiffen schippern vergleichsweise wenige große „Pötte“ auf Kreuzfahrt über die Meere – gegenüber weltweit 50.000 Frachtschiffen. Unter Letzteren keimt ein kleiner Trend zum ökologischen Kurs auf. Doch die schwimmenden Hotels belasten aufgrund ihres 24-Stunden-Betriebs die Hafenstädte in hohem Maße und lösen enorme Luftverschmutzung aus. Daher ist ein Umdenken der Reedereien dringend notwendig.

 Foto: Pixabay

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