Startup Wandelbots

Mit der Kleidung programmieren

Wer sein Unternehmen digitalisieren möchte, braucht die entsprechenden Profis: Computer programmieren, Maschinen und Roboter einbauen und anlernen stehen auf dem Programm. Danach folgt eine monatelange, wiederkehrende Betreuung. Und solange Roboter mittels manueller Computerprogrammierung ihre Informationen zur Tätigkeit erhalten, muss bei Ablaufänderungen immer wieder ein IT-Experte hinzugezogen werden. Das kostet erstens Zeit und zweitens viel Geld.

Aber das sind nicht die einzigen Probleme. Es gibt nicht genug IT-Profis in Deutschland. Kein Wunder, dass das Land in Sachen Digitalisierung im Vergleich deutlich hinterherhinkt. Nur wenige kennen sich aus und wissen, was in diesem Bereich technisch möglich ist. Entschließt sich eine Firma zur Umstrukturierung, ist nur eine sehr begrenzte Anzahl an Fachkräften zeitlich zu einer Betreuung in der Lage. Derweil ziehen andere Länder entspannt und digitalisiert an Deutschland vorbei.

Das Startup Wandelbots GmbH in Dresden hat sich überlegt, wie Firmenangehörige den Robotern selbst beibringen können, was sie zu tun haben. Die Lösung ist im Prinzip einfach: Sie sollen sie unterrichten wie Kleinkinder. Lernen durch Vormachen und Nachahmung. Das Problem dabei ist, dass Roboter nicht exakt wie Menschen denken. Wie also können sie begreifen, was ihnen vorgemacht wird? Das Dresdner Startup hat Sensoren entwickelt, die in die Kleidung integriert werden: eine intelligente Jacke. Bewegt sich der Mensch, kann der Roboter drahtlos ertasten, was dieser gerade macht. Diese Infos setzt er dann um: Learning bei doing „Made in Germany“ beziehungsweise „Saxony“. Die Erfindung smarter Kleidung, die selbst in IT-Dingen unbegabte Menschen zu Programmierern macht, ist ein echter Hit. Vergleichbar ist diese Innovation mit dem Internetspiel The West, in dem virtuelle Spieler je nach Kleidung mehr oder weniger Skills besitzen, frei nach dem Motto „Virtuality goes Reality“.

Vom Probelauf bis zur Serienreife

 Es waren Christian und Maria Picknick, die Wandelbots 2016 noch an der TU Dresden gründeten - gemeinsam mit vier Doktoranden.  Das Team hatte bereits zwei Jahre zuvor damit begonnen, an der Uni an tragbaren Technologien für die Steuerung von Robotern zu forschen. Dabei kam Maria Picknick die Idee zur smarten Jacke. Der Sensoranzug unterscheidet sich deutlich von den vorangegangenen Projekten der Startup-Gründer: Er fängt Bewegungen nicht nur ein und gibt diese an einen Roboter weiter, sondern das System lernt durch sukzessive Beobachtung. Denn die Motorik eines Roboters entspricht nicht genau der eines Menschen und sie können diese daher nicht exakt kopieren. Also werden die aufgezeichneten Bewegungen für den Roboter nochmal verfeinert und optimiert, sodass sich dessen Gesamtbewegung kontinuierlich verbessert. 

Für die Herstellung der Jacke braucht es dabei kein spezielles Kleidungsstück. Die Wandelbotsgründer gingen einfach in den nächsten Outdoorladen und suchten sich eine Jacke aus, die einigermaßen widerstandsfähig erschien. 

Eigentlich war Wandelbots nur ein Forschungsprojekt an der Uni. Aber die Reaktionen während der Vorstellung im Rahmen des Kuka Innovation Award auf der Hannover Messe waren so überwältigend, dass sich das Team entschloss, ein Unternehmen zu gründen. Im Innovationswettbewerb „Techcrunch Disrupt Battlefield“ schaffte es das Startup 2017 bis ins Finale.

Es war schließlich die Gläserne Manufaktur von Volkswagen, die sich als erste mit dem Startup zusammentat, um in ihrem Betrieb Versuche durchzuführen, inwieweit die  Hightech-Jacke der Dresdner in der Automobilindustrie einsetzbar ist. Damit würden sie dem Produkt zudem dabei helfen, schneller die Serienreife zu erlangen. Inzwischen nutzen sowohl Volkswagen als auch Infineon die Technik in den Bereichen Montage und Logistik. In der Autoindustrie hilft der Roboter Menschen bei dem Einbau von Produkten, die vorher ergonomisch schwierig zu installieren waren: Die Maschine hält das zu verbauende Teil in einem bestimmten Winkel, damit der Monteur es bequem befestigen kann. Wie hat der Roboter das gelernt? Mit der Wandelbotsjacke! Von der Erfindung über die Firmengründung bis zur Serienreife und Nutzung in großen Unternehmen vergingen ungefähr vier Jahre. Das ist eindeutig eine Startup-Meisterleistung Made in Germany.

Die jüngste Finanzierungsrunde für die Expansion

Wie das bei Startups mit jungen Gründern so ist, verblüffen sie ältere Generation mit Wissen und Ideen. Aber das Geld fehlt. Inzwischen hat das Dresdner Startup in der jüngsten Finanzierungsrunde sechs Millionen Euro „eingesammelt“. Es treibt die Dresdner für eine Expansion nach China. Paua Ventures und EQT Ventures möchten in die innovative Jacke investieren und die bereits vorhandenen Kapitalgeber ziehen ebenfalls weiter mit. In der Gesellschafterliste von Wandelbots stehen zum Beispiel der Unternehmer Felix Haas, der SAP-Manager Christian Dahlen und Atlantic Labs. Fazit: Eine Idee „Made in Germany“ überzeugt die Welt, löst IT-Engpässe und erleichtert Menschen die Arbeit in der Produktion.

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