Allgemeinbildung dank Gutenberg

Der Buchdruck

Eselsohren in den Seiten oder Wasserflecken im Buch, weil man in der Wanne schmökert: vor 1450 unwahrscheinlich. Nicht nur, weil die meisten Menschen fließend Wasser im Haus nicht kannten. Bücher wurden bis dato von Hand abgeschrieben. Und wer verleiht schon Schriften oder knickt Seiten, wenn die Werke Letter für Letter in Schönschrift gemalt werden?Ab 1450 brachte Johannes Gutenberg das Lesen für alle.

Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts vermochten nur wenige Menschen in Europa zu lesen. Wozu auch, wenn die Schriften in Klöstern oder Universitäten unter Verschluss lagen und man nur mit Handschuhen und Sondererlaubnis darin blättern durfte? Die Möglichkeit sich zu bilden, lag verborgen hinter Mauern. Bis der Mainzer Johannes Gutenberg sich am Buchdruck versuchte und eine Bildungsrevolution Made in Germany einläutete.

Buchdruck-Revolution Made in Mainz
Im Grunde gab es den Buchdruck zu Lebzeiten Gutenbergs längst. Am 11. Mai 868 entstand das Diamant-Sutra in China mittels Holztafeldruck auf Papier. Dabei wurden ganze Texte in das Material geschnitzt.

Was ist so besonders an Gutenbergs Erfindung? Der Goldschmied wechselte die Drucklettern aus. Er goss diese aus Blei und sortierte sie in Kästen. So wurden neue Bücher schnell gesetzt und gedruckt. Zwar hatte man im 14. Jahrhundert in Asien auf ähnliche Weise Schriften hergestellt, jedoch so sporadisch, dass sich das Verfahren nicht durchsetzte. Außerdem eignete sich Gutenbergs Druck besser für das lateinische Alphabet, das erlaubte, mit wenigen Buchstaben ganze Texte zu schaffen. Und noch wichtiger: Zu Gutenbergs Idee gehörte auch eine Presse. Er entwickelte sie zu einem in sich geschlossenen System. So konnte man mit einer Druckerpresse 3.600 Buchseiten an einem Tag erstellen. Mit Handdruck waren es 40 täglich und durch handschriftliches Abmalen nur einige wenige Seiten. 

Zudem baute der Goldschmied ein Handgießinstrument, mit dem die Lettern zügig in großer Menge zu produzieren waren: Bücher beinahe wie am Fließband. Er verbesserte existierende Komponenten und führte sie zu einem Buchdrucksystem zusammen, sodass es bald Schriften für alle zu lesen gab. Bildung war nicht mehr nur für wenige Menschen zu haben, und so veränderte sich die Gesellschaft grundlegend. Denn Wissen ist Macht.

Gute Idee mit spätem Erfolg
Es dauerte noch eine Zeit lang, bis sich Gutenbergs Erfindung rechnete, was ihn finanziell in die Bredouille brachte. Doch schließlich verbreitete sie sich in ganz Deutschland. Anschließend eroberte sie Europa, bis sie Bildung für nahezu die gesamte Weltbevölkerung ermöglichte. Die berühmte Gutenbergbibel, Kalender, Fachliteratur und Belletristik waren die ersten Verkaufsschlager. 

Natürlich kursierten Romane oder Ähnliches noch nicht in großer Menge. Dafür gab es wenige fantastische Werke, wie das des Griechen Homers und seiner Odyssee. Nach und nach verbesserte sich aufgrund des neuen Herstellungsverfahrens und der größeren, erschwinglicheren Masse an Büchern der Bildungsgrad der Bevölkerung. Wissen Made in Germany. Erst das Internet läutete eine weitere, ähnliche Revolution der Informationsverbreitung ein.

Buchdruck in Zahlen
Heute kaufen über 30 Millionen Konsumenten allein in Deutschland regelmäßig Bücher. Dabei liegt das gedruckte Werk immer noch weit vor einem elektronischen oder der Online-Variante. Warum ist das so? Laut Umfragen ist es das Gefühl, das Buch in der Hand zu halten und hinterher ins Regal zu stellen. Elektronische Werke sehen nicht halb so schmuck aus im Wohnzimmer. Wie die Stiftung Lesen ermittelt hat, ist die Zahl der gedruckten Bücher in den Haushalten gesunken. Aber auch im neuen Jahrtausend geben über 40 Prozent der Jugendlichen an, bei ihnen daheim gäbe es sehr viele Bücher.

Allerdings verweist eine Studie der Uni Hamburg auch heute noch auf 14 Prozent sogenannter und 4 Prozent totaler Analphabeten unter den Erwachsenen in der Republik. Eine recht hohe Anzahl in unserem Zeitalter, im Vergleich zu Gutenbergs Jahrhundert jedoch äußerst wenige Menschen. Augenfällig ist der Grund auch nicht mehr im Büchermangel, sondern woanders zu suchen. Denn während sich vor Gutenberg die jährliche europäische Schriftenproduktion der Millionengrenze näherte, stieg sie nach seiner Erfindung sprunghaft auf über 200 Millionen und verdoppelte sich fast mit jedem Jahrhundert.

Und noch heute hat die Errungenschaft des Mainzers einen guten Stand in Deutschland. So ist die Heidelberger Druckmaschinen AG auch bei Buchdruckmaschinen weltweiter Marktführer.

 Foto: spr/shutterstock.com

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