Chlorodont in aller Munde

Nicht wegzudenken aus unserem täglichen Leben ist die Zahnpasta. Wussten Sie, dass es dieses Produkt noch gar nicht solange gibt? Der deutsche Apotheker von Mayenburg erfand Deutschlands langjährige Zahncreme Nr. 1 sozusagen im stillen Kämmerlein. Ihm brachte das Produkt Reichtum und den Verbrauchern weitaus gesündere Zähne.

Schon seit 15 Jahren gab es den bis heute beliebten Artikel für Mundhygiene Odol zu kaufen, und in Amerika nutzten die Menschen bereits Zahnpasta, als der deutsche Apotheker Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg die künftig führende Zahncreme Deutschlands erfand. Im Jahr 1907 vermischte er die Zutaten Zahnpulver, Mundwasser und ätherische Öle auf dem Speicher seiner Löwen-Apotheke in Dresden. Daraus gewann er eine neuartige Mixtur für die Zahnhygiene, bezeichnete sie als „Chlorodont" und portionierte sie in Tübchen aus Metall, die wiederverschließbar waren. So gut verpackt hielt das Produkt lange und war nach Bedarf zu verwenden.

Der Apotheker als Werbetalent

Der frischgebackene Experte für Zahnhygiene rührte eifrig die Werbetrommel für sein Produkt und vermarktete es mit dem Spruch „Du sollst zum Zähneputzen nur Chlorodont benutzen". Die Deutschen lasen diesen Satz auf allen damaligen Medien – in Anzeigen, auf Litfaßsäulen und Emailleschildern. Chlorodont hatte den Ruf einer Weltneuheit und mauserte sich zum Marktführer in Deutschland, obwohl die Konkurrenz sich breitmachte: die Tubenzahnpasten Pebeco von Beiersdorf und Kalodont von Carl Sarg gab es ebenfalls. Besonders beliebt war das Werbemotiv von Mayenburgs, die „Chlorodont-Frau“, eine feine Dame, bekleidet mit Pelzkragen und roter Kappe. Wie sich zeigte, erwies sich der Apotheker als Werbetalent.

Da sich sein Produkt rasant verkaufte, gründete von Mayenburg 1917 die Leo-Werke in der Dresdener Neustadt, inklusive Tubenfabrik und einer mächtigen Tubenfüll- und Verschließmaschine, der zur damaligen Zeit größten in Europa. Auch die Verschlüsse und die Pappschachteln produzierte diese Fabrik. Des Weiteren bezog von Mayenburg den Naturkalkstein aus dem eigenen Kalkabbau und die Pfefferminze von der eigenen Plantage. Der einstige Apotheker beschäftigte rund 400 Menschen in seiner Firma, die bis zu 150.000 Tuben Zahnpasta täglich fertigten.

Zahnhygiene für alle Deutschen

Sowohl das Unternehmen als auch die Beschäftigtenzahl wuchsen weiter, und die Marke Chlorodont eroberte die Welt. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts verfügten die Leo-Werke über 20 Standorte in Deutschland, Europa und Amerika, mit insgesamt über 1.000 Mitarbeitern. Von Mayenburg wurde immer wohlhabender und war in der Lage, Schlösser für sich und seine Familie zu erwerben, z. B. das Schloss Eckberg in Dresden. Doch der Unternehmer wurde nicht nur reich, er trug durch Werbemaßnahmen und vielerlei Informationen erheblich dazu bei, dass sich die Zahnhygiene im Bewusstsein der Menschen verankerte und alle fleißig ihre Zähne putzten.

Bis heute Zahnpflege aus Dresden

Im Jahr 1932 verstarb der Erfinder und Firmengründer mit 66 Jahren, doch Chlorodont und andere Produkte seines Unternehmens fanden weiter großen Absatz. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstand aus den Dresdner Leo- und den Lingnerwerken per Zwangsfusion die VEB Elbe-Chemie. Diese Firma versorgte die ganze DDR mit Zahnpasta. Nach der Wiedervereinigung übernahm ein westdeutsch geführtes Unternehmen das Werk. Heute stellt die Dental-Kosmetik GmbH am gleichgebliebenen Dresdner Standort Zahnpflegeartikel wie z. B. Elkadent, Perlodont und Putzi her.


Bildnachweis: Shutterstock 

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