Taxameter - Eine typisch deutsche Erfindung

Geben wir es zu, wir Deutsche sind bekannt für unsere Pedanterie und werden dafür belächelt, manchmal verlacht, aber auch geschätzt. Denn diese Eigenschaft kann nerven, verspricht aber Zuverlässigkeit. Dass Messgeräte wie das Taxameter, der Stromzähler und der Luftfahrttacho allesamt Produkte Made in Germany sind, ist wirklich keine Überraschung.

Der Erfinder Friedrich Wilhelm Gustav Bruhn aus Lübeck – geboren am 11. November 1853 – war nicht besonders penibel oder regulationsverrückt, sondern als Mitarbeiter im Ingenieurbüro Westendarp & Pieper Hamburg angestellt. Als er die Firma im Jahr 1902 in Berlin übernahm, wandelte er sie zur Fabrik für Präzisionsmessapparate um. Darauf hatte er sich nun einmal spezialisiert. Vermutlich gehört dazu schon ein gewisser Hang zum Pedantentum, aber ihm ist es zu verdanken, dass Unternehmen, Angestellte und Kunden einander nicht mehr betrügen können und das bekommen oder zahlen, was geleistet wurde. Fairness Made in Germany.

Berechnen der Pferdestärken

Als Bruhn das Messgerät für Fuhrwerke entwickelte, war das Automobil noch nicht erfunden. Der Pforzheimer Carl Benz baute es erst 1886. Das Taxameter stammt jedoch aus dem Jahr 1880. Bruhn war allerdings kein Jules Verne, der Erfindungen vorhersagte, sondern hatte sein Gerät auf Pferdedroschken abgestimmt, es zählte die Radumdrehungen. Selbst Unternehmer, achtete Bruhn darauf, dass die Fahrer seine Erfindung nicht manipulieren konnten, was den Droschkenbesitzern natürlich gefiel.

Und schon 1897 war es soweit: Das von Wilhelm Maybach entwickelte Kraftfahrzeugmodell Daimler Viktoria war gleichzeitig auch das erste mit Benzin betriebene Taxi mit einem Taxameter – das Gerät, das Diskussionen um Fahrpreise verhindern soll. Vorausgesetzt, das Messgerät wird eingeschaltet, und der Fahrer schlägt nicht mit Augenzwinkern einen Festpreis vor. Der Erfinder Bruhn sammelte weiter Anmeldungen auf seine Messgeräte im Patentamt, die weltweit Bedeutung fanden – auch heute noch.

Allerdings kann er den Ruhm nicht allein für sich beanspruchen. Die Griechen der Antike waren schneller. Heron von Alexandria (sein Spitzname Mechanicus gibt sein Talent preis), war Mathematiker und Ingenieur. Er beschrieb ein Gerät, das durch das Anschlagen einer Zahnradkonstruktion nach einer bestimmten Wegstrecke eine Kugel in ein Gefäß fallen ließ. Die Anzahl der Kugeln ergab die Wegstrecke und dadurch den Fahrpreis.

Ohne Eichung keine Messgeräte

Man kann noch so viele Messgeräte bauen: Werden sie nicht regelmäßig geeicht, sind sie völlig witzlos beziehungsweise vermitteln nur ungefähre Angaben, und dann kann man auch schätzen. Daher haben die Erfindungen der Messgeräte eine eigene Branche mitbegründet: In Deutschland sind dies die Eichämter, die 1912 verstaatlicht wurden, damit nicht jeder seine eigene, für sich günstige Eichung vornehmen kann. Sie unterstehen dem Wirtschaftsministerium und sind an Richtlinien der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt gebunden. Für die Angestellten – die Eichbediensteten aller Bundesländer – gibt es sogar eine eigene Aus- und Fortbildungsstätte: die Deutsche Akademie für Metrologie (DAM), mit Sitz in München. Messgeräte sind eine Wissenschaft für sich. Und aufgrund Deutschlands Ruf der Zuverlässigkeit – und ja, Pedanterie – sind die Geräte Made in Germany weltweit begehrt.

Und noch eine deutsche Erfindung trägt einen guten Namen in Bezug auf Messtechnik: TÜV-geprüfte Geräte gelten als zuverlässig und als Garant für Funktionstüchtigkeit. Der TÜV der Technische Überwachungsverein – ist selbst ein erfolgreicher Exportschlager. In ganz Europa wurde er als Instanz für regelmäßige Überprüfungen der Autos auf Verkehrstüchtigkeit eingeführt und repräsentiert das Siegel für korrekt arbeitende Messgeräte und Werkzeuge, weil Made in Germany heute eben auch für Zuverlässigkeit steht. 

Taxameter und Messgeräte in Zahlen

Die Investitionen und Umsätze der deutschen Branche für Messtechnik und Sensorik klettern weiterhin kontinuierlich. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent gestiegen, Investitionen um 18 Prozent. Dabei gehen 30 Prozent der hergestellten Produkte zurzeit ins Ausland. Messen und Analysieren Made in Germany gelten eben als zuverlässige Sache. 


Bildnachweis: Shutterstock und Pixabay

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