Der Dieselmotor

Einfach mehr Power

Zurzeit ist der Ruf des Diesels alles andere als brillant. Dabei war die Erfindung genial. Die Idee dahinter: Beim Antrieb weniger Energie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist Rudolf Dieselauch gelungen, allerdings Schritt für Schritt.

Das erste Patent auf dem Weg zum heutigen Dieselmotor meldete Diesel am 27. Februar 1892 beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin an – eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine“. Danach hieß es für ihn allerdings noch weiter basteln, korrigieren und umdenken, bis er in der Maschinenfabrik Augsburg, aus der später (1908) die Firma MAN AG hervorging, seinen ersten Dieselmotor fertigstellte. Mithilfe der Ingenieure der Firma stand 1897 germagermgermagermmusedas erste funktionstüchtige Modell in der Maschinenhalle. Diesel war nicht rundum zufrieden, weil dieses Fabrikat nicht mehr zu hundert Prozent seinem Patent entsprach. Aber seine Idee war umgesetzt worden und konnte in Serie gehen. Jedoch war es jedem möglich, seine Erfindung zu kopieren.

 

Eine Idee erobert die Motorenwelt

Dann ging alles ganz schnell: Am 1. Januar 1898 wurde die Dieselmotorenfabrik Augsburg und schon am17. September 1898 die Allgemeine Gesellschaft für Dieselmotoren gegründet. Noch im selben Jahr bauten sie die ersten Dieselmotoren in den USA und in der Schweiz den ersten Sulzer-Dieselmotor. Im Herbst 1900 legte man in London den Grundstein der Diesel Engine Company, und kurz darauf wurde der Dieselmotor auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Nur fünf Jahre später entstanden in Leobersdorf die ersten Dieselmotoren Österreichs. Im Jahr 1908 wurde der erste Kleindieselmotor gebaut. 1912 folgte die erste Diesellokomotive. Der erste Diesellastkraftwagen wurde 1923 fertiggestellt. Und die ersten beiden Serien-Pkw mit Dieselmotor glänzten im Februar 1936 in Berlin auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung: der Mercedes-Benz 260 D und der Hanomag Rekord.

Aber nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser war es ein Siegeszug: Die ersten Motorschiffe mit Dieselmotor entstanden 1903. Das Forschungsschiff Fram erhielt als erstes Hochseeschiff 1910 einen Dieselmotor. Mit der Selandia lief 1912 in Kopenhagen das erste hochseetüchtige Dieselmotorfrachtschiff vom Stapel.

Man kann getrost sagen: Eine Made-in-Germany-Erfindung umrundet die Welt – wortwörtlich.

Natürlich griff das Militär nach der Erfindung, und im Ersten Weltkrieg waren U-Boote bereits mit Schiffsdieselmotoren ausgerüstet. Die Brand- und Explosionsgefahr war im Vergleich zu Benzinmotoren geringer. Und während des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Überlegenheit von Diesel- gegenüber Ottomotoren als Antriebsaggregat für Panzer heraus, da die Reichweite höher ist und Dieselkraftstoff bei Beschuss schwerer entflammt als Motorenbenzin. Die Sowjetunion setzte in Panzern von Anfang an Dieselmotoren ein, und nach dem Zweiten Weltkrieg behaupteten sich Viertaktdieselmotoren bei den schweren Geschützen.


Diesel versus Otto: Wie funktioniert‘s?

Die Kurzfassung: Der Dieselmotor verdichtet reine Luft weit stärker als ein Benzinmotor und spritzt dann erst den Treibstoff zerstäubt in den Kolben. Das Gemisch explodiert dadurch rein durch die Komprimierungshitze. Im Ottomotor wird der Treibstoff eingespritzt, die Luft-Treibstoffmischung wird nicht ganz so stark wie beim Diesel komprimiert und schließlich per Zündkerze zur Explosion gebracht.

Warum ist der Dieselmotor beim Pkw in Verruf geraten? Dieselmotoren brauchen weniger Treibstoff, denn sie nutzen die entstandene Energie besser. Aber in den Abgasen steckt mehr Stickstoffdioxid als bei Ottomotoren, und so ist die Luftbelastung in den Städten zu groß.

 

Erfolgreich und dennoch nicht glücklich

Im Grunde war die Erfindung ein voller Erfolg für den Ingenieur. Außerdem war Diesel ein Vordenker des heutigen Klimaschutzes und hatte erfolgversprechende Versuche mit Pflanzenölen statt fossilen Kraftstoffen durchgeführt – früher Ressourcenschutz Made in Germany. Aber damals waren brauchbare Öle, wie Erdnussöl, verhältnismäßig teuer und deshalb nicht wirtschaftlich.

Außerdem musste er wegen des mangelnden Patents auf seinen Motor weltweit etliche Prozesse führen. Völlig erschöpft ging er zeitweise in Kur. Auch geschäftlich hatte er eher Pech. Es ging finanziell bergab, wobei er nicht mittellos war. Trotzdem verschwand Diesel 1913 von Bord des britischen Fährschiffs Dresden, das von Antwerpen nach Harwich übersetzte. Die Besitztümer einer später entdeckten, aber nicht zu bergenden Leiche wurden vom Sohn Diesels als Eigentum seines Vaters identifiziert. Niemand weiß was geschah. Er schien an Bord gut gelaunt. Ein trauriges Ende eines genialen Erfinders. Aber vergessen ist er nicht, denn Straßen, Preise und Parks wurden nach dem deutschen Erfinder benannt.

Foto: Pixabay

Meilenstein Diesel-Motor

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