Eizellen: Entdeckung um das Geheimnis Leben

Sie hat nur einen Durchmesser von 0,11 bis 0,14 Millimeter. Man kann sie gerade noch mit bloßem Auge erkennen, falls man nicht kurz- oder weitsichtig ist und seine Brille verlegt hat. Und trotzdem gehört die winzige Eizelle für Menschen vermutlich zu den bedeutsamsten Entdeckungen. Schließlich ist sie die Basis unserer Existenz.

Bis Karl-Ernst von Baer sie 1827 entdeckte, wussten wir nicht, wie das funktioniert mit den Babys und ohne Storch. Der deutsch-baltische Mediziner und Naturforscher gab in Leipzig in der Schrift De ovi mammalium et hominis genesi seine neuen Erkenntnisse bekannt und machte die Entdeckung damit zu einem Discovered-in-Germany-and-Estonia-Event.

Veränderte Sicht auf Mensch und Tier

Auch wenn das menschliche Ei – wie von Baer es damals nannte, bis man es in Eizelle umtaufte – im Vergleich zur Vogel- oder Echsenvariante winzig erscheint: Im Volumen übersteigt es das männliche Spermium um mehrere zehntausend Male. Frauen werden mit Eizellen geboren und tragen zwischen 400.000 bis 7 Millionen mit sich herum. Ein riesiger Vorrat, obgleich nur ungefähr 400 davon in ihrem Leben zu reifen Eizellen heranwachsen, etwa ein Promille.

Die Natur scheint sich zu denken: sicher ist sicher. Und wie man heute annimmt, können Frauen sogar Eizellen nachproduzieren. Sie tragen alles Leben und einen Chromosomenstrang in sich und warten, dass der zweite in Form eines Spermiums heranschwimmt, damit schließlich mit zweifacher Erbinfo ein Mensch heranwachsen kann. Beziehungsweise lenken Eizellen die „Schwimmer“ mit einem biochemischen Stoff in die richtige Richtung und lassen schließlich den herein, der in der Kombination mit dem eigenen Chromosomenstrang am geeignetsten scheint. Die biochemischen Stoffe klopfen einander wie in einem Eignungstest blitzschnell ab, Irrtümer nicht ausgeschlossen. Wie dies genau funktioniert, erklärt das Max-Planck-Institut und räumt mit falschen Vorstellungen auf

Seinerzeit war diese Einsicht in das menschliche Leben revolutionär und sicher gewöhnungsbedürftig für einige damalige Glaubensrichtungen. Ebenso wie die weiteren Entdeckungen von Baers in Deutschland das Verständnis des Menschen auf den Kopf stellten, aber für die Medizin und ihre Weiterentwicklung einen riesigen Schritt bedeuteten.

Die Baer-Regel und neues menschliches Verständnis

Denn nicht nur, dass der Mensch – wie alle anderen Lebewesen – ein Ei und ein Pendant braucht, um neues Leben zu produzieren. (Wobei einige andere Lebensformen sogar ohne Pärchenbildung auskommen.) Je weiter man im Entwicklungsstadium zurückgeht, desto weniger lassen sich Säugetierembryonen voneinander unterscheiden. Durch diese Erkenntnis räumte der Deutschbalte mit der leicht arroganten menschlichen Denkweise auf, wir seien anders als das übrige Leben auf der Erde. Der Mediziner nannte diese Entdeckung das Gesetz der Embryonenähnlichkeit.

Der 1834 geborene deutsche Mediziner Ernst Heinrich Philipp August Haeckel erweiterte diese Entdeckung später, und so bewiesen die beiden die Evolutionstheorie. Mit Abstrichen und unterschiedlichen Ansichten, aber definitiv Aufklärung Made in Germany. Das ORF hat es zusammengefasst und bildlich erklärt . Leider waren dies Erkenntnisse, die später Nichtwissenschaftler missbrauchten, die ihre eigenen unfundierten Theorien zusammenbastelten und der Eugenik den Weg bereiteten.

Entnehmen, Einfrieren und Einpflanzen: das Geschäft mit den Lebensformen

Wissen bedeutet Verantwortung und das Fällen schwieriger Entscheidungen. Mit der Entdeckung der Eizelle durch von Baer entstand nicht nur ein neues Wissenschaftsfeld, sondern auch Hoffnung für viele Menschen mit Schwierigkeiten im Bereich Fortpflanzung. Und somit erfolgte ein Wandel im sozialen Leben, und ein Wirtschaftszweig erwuchs, der große Umsätze einfährt. Die Reproduktionsmedizin ermöglicht das Einfrieren befruchteter Eizellen und die Erfüllung des Kinderwunsches auf Abruf, zumindest für vermögende Eltern. Selbst die Spende der begehrten Zellen oder das Einpflanzen eines befruchteten Eis in eine fremde Frau, auch nach Jahrzehnten des Einfrierens, sind möglich. Ebenso machbar ist die Kreation einer Eizelle aus beliebigen Körperzellen.

Somit entstehen neue moralische Fragen in einem Tempo, dem die Menschheit kaum gewachsen ist. Im Entdeckungsland Deutschland sind die Regeln zur Handhabung streng. Langsames Herantasten gilt als Credo. Studien und Statistiken sollen helfen, den Überblick zu behalten – Verantwortung auf Deutsch.

Bildnachweis: Pixabay.com

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