Düsentriebwerke – Eine Erfindung verbindet die Welt

Eine Tante in Australien oder die Cousine in Amerika? Während früher Familien bei Auswanderung für immer getrennt wurden, und man nur per Post kommunizierte, gelangt man heute innerhalb eines Tages ans andere Ende der Welt. Das Düsentriebwerk erlaubt es.

Ja, der Jetlag ist anstrengend, aber so ist das eben, wenn man innerhalb von 14 Stunden 14.000 Kilometer zurücklegt. Und wem verdanken wir diese Geschwindigkeit? Dem Düsentriebwerk, einer Made-in-Germany-Erfindung von Dr. Hans Joachim Pabst von Ohain aus Dessau. Im Patentamt erhielt er 1937 den begehrten Eintrag für „Verfahren und Apparat zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“.

Ein Engländer bastelte unabhängig und zeitgleich an der identischen Idee. Aber Ohain und sein Mechaniker Max Hahn schickten ihren Düsenflieger eineinhalb Jahre vor dem Briten Frank Whittle erfolgreich in die Luft. Was die beiden Erfinder Ohain und Whittle später nicht von einer engen Freundschaft abhielt. Im Gegenteil: zwei Träumer, zwei geniale Köpfe und Liebhaber der Fliegerei – zwei Seelenverwandte.

Die Revolution der Fliegerei
Die beiden trieben unterschiedliche Emotionen an. Der in Göttingen in Physik promovierte Ohain fand Propellerflugzeuge im Vergleich zu Seglern wacklig, stinkend und laut. Whittle zerstörte als Pilot der Royal Air Force zwei Flugzeuge, weil er ihnen Leistungen abverlangte, die Propellermaschinen nicht zu erbringen vermochten.

Der deutsche Erfinder fand Unterstützung in seinem Doktorvater und in Hahn, der seine Ideen in Metall umsetzte. Whittle hatte einen Vorgesetzten, der an die Ideen des Piloten glaubte. Trotzdem scheiterte der junge Engländer im Luftfahrtministerium erst einmal an der Engstirnigkeit Älterer, und weil man den Nichtakademiker nicht ernst nahm. Stattdessen schickte man ihn zur Uni in Cambridge. Ohain gewann dadurch einen großen Vorsprung und zudem durch das Verlangen der Nazis nach Spitzentechnik. Der deutsche Physiker verachtete allerdings die Ideen der Nationalsozialisten und muss gemischte Gefühle durchlebt haben, als er mit der finanziellen Unterstützung der Firma Ernst Heinkel Flugzeugwerke, gemeinsam mit Hahn, das erste Düsenflugzeug fertiggestellt hatte: die HE 178, ein späteres Kriegsflugzeug, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.

Whittle hingegen nahm nach dem Studium einen Kredit auf und verwirklichte seine Idee allein, nachdem er zuvor das Prestigedenken der Engländer zu spüren bekommen hatte. Aber dies war nicht der einzige Vorsprung, der Ohain half. Er besaß mehr theoretische Erfahrung, und mit Hahn sicherte er sich die praktische Seite. Außerdem war er geduldiger, obwohl die Firma ihm zeitlich im Nacken saß. So war der erste Düsenflieger Made in Germany bereits fünf Tage vor Kriegsbeginn in der Luft, während Whittle noch bastelte.

Nach Kriegsende holten die Amerikaner Ohain in die USA, wie viele deutsche Physiker, um sich das Know-how Made in Germany zunutze zu machen. Ebenso brachten sie Whittles Flugzeug nach Übersee, um es weiterzuentwickeln. Whittle konnte sich dort ohne englisches Prestigedenken frei entfalten. Daraufhin von Erfolg gekrönt, sahen auch die Engländer, welch geniales Werk der Pilot geleistet hatte.

Während die Welt sich heute noch streitet, wer der erste Erfinder des Düsentriebwerks war, sahen sich die beiden Freunde gemeinsam als die Ideengeber und Erbauer, natürlich zusammen mit Hahn.

Das Düsentriebwerk in Zahlen
Wer sind heute die Erbauer der Erfindung Düsentriebwerk? Den größten Marktanteil besitzt die CFM International mit grob 40 Prozent, gefolgt mit etwa gleichen Anteilen von General Electrics, dann Rolls-Royce, Pratt and Whitney und den International Aero Engines. Weitere 4 Prozent decken kleine Firmen ab. Allein hierzulande liegt der Umsatz der Luft- und Raumfahrtindustrie bei ungefähr 37 Milliarden Euro jährlich. Über 210.000 Personen befördern die Flieger pro Jahr in Deutschland, unmöglich ohne die Erfindung des Düsentriebwerks.

Wie funktioniert die Erfindung?
Statt wie beim Propellerflugzeug die Abgase ungenutzt verpuffen zu lassen, saugt das Düsentriebwerk Luft an, verdichtet sie, mischt sie mit Treibstoff und stößt sie in Explosionen am anderen Ende mitsamt den Abgasen permanent aus. Das Ergebnis: weitaus höhere Geschwindigkeiten als mit Propellern. Bei Vollschub eines heutigen Düsenflugzeugs entspricht das dem Ausstoß von 3.500 Autos der Mittelklasse. So bewegen wir uns enorm schnell von einem Ort zum anderen, mit vielen Personen auf einmal, und das, auf die Entfernung bezogen, spritsparender als auf Rädern. Auch heute fliegen wir mit der Erfindung Ohains, Whittles und Hahns.

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