Haribo - Buntes, süßes Deutschland

Es gibt jene Erfindungen, die die Welt verändern, und solche, die sie einfach ein wenig schöner machen. Das Gummibärchen –oder, um seinen offiziellen Namen zu verwenden, der Goldbär – gehört zur zweiten Kategorie und hat den internationalen Markt im Sturm erobert. Meistens liegt er in Originalform als Made-in-Germany-Produkt der Firma Haribo in Geschäften rund um den Globus. Manchmal aber auch als Kopie anderer Firmen. Und ja, er mag Geschmackssache sein.

Sicher hat es einen Grund, warum die Haribo-Bären trotz Nachahmern auch Jahrzehnte nach ihrer Erfindung auf der ganzen Welt zu finden sind. Sie sind einfach lecker und sehen zum Anbeißen aus.

Lebenslauf eines Fruchtgummis

Der Goldbär ist inzwischen ein Senior. Sein Jahrgang: 1960. Und er besitzt eine Ahnenreihe. Schon 1922 gab es den Haribo-Tanzbären, benannt und designt nach den damals noch verbreiteten Tieren auf Jahrmärkten. Zum Glück haben sich seine Nachfahren im Laufe der Zeit gewandelt, denn heute hätte er ein ernsthaftes Imageproblem. Weil Bären dankenswerter Weise nicht mehr auf der Straße vorgeführt werden dürfen.

Mit den Dreißigerjahren erblickte ein Cousin das Licht der Welt: der Teddybär zum Naschen, dessen Namensgeber der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt war. Um die gleiche Zeit dachte sich die Firma ihren Slogan aus: „Haribo macht Kinder froh.“ Ein Satz, der für heute Siebzigjährige genauso viel Bedeutung hat wie für Dreijährige.

Und endlich, nach Ende des zweiten Weltkrieges, wurde der Goldbär in eine neue, schönere Epoche geboren: bunt und glänzend. Der Erfolg war so durchschlagend, dass Haribo dem Tier eine Geburtsurkunde ausstellen ließ: Das Deutsche Patentamt erkannte den Goldbären 1967 als offiziell eingetragenes Warenzeichen an.

Die Siebziger läuteten auch stilistisch ein neues Zeitalter ein, was vor dem Bären nicht haltmachte. Er wurde rundlicher und kompakter. Und trifft genau den Geschmack der breiten Masse: Noch heute liegen die Gummibären in ebendiesem Outfit in der Tüte. Allerdings lernten sie 2007 zu lächeln. Und verloren 1989 etwas an Farbintensität. Statt der bisherigen Farbstoffe griff Haribo zu Frucht- und Pflanzenkonzentraten. Zurück zur Natur, nur etwas weniger bunt. Zeitgleich tauchte zum ersten Mal der Goldbär mit Schleife auf der Tüte auf.

Auch Geschwister hat der süße Kerl: die Saftgoldbären mit 22 Prozent Fruchtsaftanteil heimsten in ihrem Geburtsjahr 2009 ordentlich Preise ein.

Dank Walt Disney wurde das Fruchtgummi 1985 sogar zum Fernsehstar. Die Kinderserie „die Gummibären“ wurde sechs Jahre lang produziert.

Das Objekt der "Begierde"

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Das Objekt der "Begierde"

Ein deutscher Bonbonmacher versüßt die Welt
Der Goldbär ist bei Weitem nicht das einzige erfolgreiche Produkt der Firma Haribo. Die Marke erfindet regelmäßig Neues, passt sich Gegebenheiten an und liegt deshalb immer an der Spitze der Süßigkeitenwelt. Aber wer steckt hinter den Leckereien? Ein Rheinländer! In Friesdorf bei Bonn wurde 1893 Hans Riegel geboren. Nach der Schule absolvierte er zum Glück hunderttausender Kinder eine Lehre als Bonbonmacher. Nachdem er in anderen Firmen Erfahrung gesammelt hatte, traute er sich 1920, seine eigene zu eröffnen. In Bonn-Kessenich richtete er die erste Produktionsstätte ein. Sein Startkapital: ein Sack Zucker, eine Marmorplatte, ein Hocker, ein gemauerter Herd, ein Kupferkessel und eine Walze. Die Namensgebung war einfach: Haribo steht für Hans Riegel, Bonn. Dem Standort hält die Firma bis heute die Treue. Deshalb verbinden Bonner Kinder Kastanien sammeln unweigerlich mit der Süßigkeitenfirma: Wer die Baumfrüchte einschickt, damit sie an Wildtiere verfüttert werden können, erhält eine Kiste Haribo-Produkte. Jährlich beteiligen sich grob 15.000 Menschen an der Aktion und sammeln um die 300 Tonnen Kastanien und Eicheln.

Glücklicherweise waren Hans Riegels Söhne Paul und Hans ebensolche Fans des süßen Geschäfts, da der Bonbonmacher bereits 1945 starb. Die zwei bauten mit Mutter Gertrud das Naschimperium weiter aus. Bis zu ihrem Tod – Paul im Jahr 2009 und Hans 2013 – verhalfen Riegels der Firma Haribo zu ihrem Weltruf.

Während zum Kriegsende 30 Mitarbeiter in der Firma angestellt waren – Zutaten waren knapp – fanden fünf Jahre später 1.000 Menschen bei Haribo Arbeit. Offizielle Zahlen zu heutigen Umsätzen sind nicht bekannt, aber Experten schätzen den weltweiten Jahresumsatz auf 1,8 Milliarden Euro: eine Menge Süßes. Ganze 100.000.000 Goldbären werden täglich in Bonn hergestellt. Und das Schönste: Die Angestellten dürfen bei der Arbeit naschen – oder schnückern, wie man in Bonn so schön sagt.

Bilder: Frauke Gans; Shutterstock

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Irmgard Lôbach

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