Ein deutscher Senkrechtstarter: der Hubschrauber

Eine technisch weitreichende Erfindung machte der deutsche Ingenieur Henrich Focke 1936 mit dem Hubschrauber. Trotz Kriegswirren blieb der umtriebige Techniker am Ball und brachte die Entwicklung dieser Flugmaschine auch international voran. Heute dient der Hubschrauber teils zu Einsätzen, die ein Flugzeug nicht zu leisten vermag.

Fockes beruflicher Weg nahm in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts Fahrt auf: Gemeinsam mit Georg Wulf und Werner Naumann legte Henrich Focke 1924 den Grundstein der Bremer Flugzeugwerke, die unmittelbar darauf zur Focke-Wulf AG wurden. Das Unternehmen brachte es auf 29 unterschiedliche Flugzeugkonzepte und baute daraus rund 140 Flugzeuge. 1931 fusionierte die Firma mit den Albatros Flugzeugwerken, und Focke beschäftigte sich mit Drehflüglern bzw. mit Tagschraubern, doch es trieb ihn zu weiteren Entwicklungen.

Der erste Hubschrauber hebt ab

Zu Ehren kam Focke 1931, denn der Bremer Senat kürte ihn zum Professor. In dieser Eigenschaft lehrte der Ingenieur an der Technischen Lehranstalt in Bremen. 1933 verließ er seine führende Position in der Focke-Wulf AG. Dennoch arbeitete er weiter an den Drehflüglern und schuf den ersten nennenswert leistungsfähigen Hubschrauber. Am 26. Juni 1936 flog dieses Modell, die Fw 61, erstmals; anders als die Tagschrauber hob es senkrecht ab und landete ebenso.

In der Folgezeit gab es Unstimmigkeiten mit der Führungsriege der Focke-Wulf AG und Focke stieg aus. 1937 baute er das Unternehmen Focke-Achgelis in Hoykenkamp (Ganderkesee) nahe Bremen, gemeinsam mit dem Kunstflugweltmeister Gerd Achgelis auf. Bevor der Zweite Weltkrieg alles änderte, entstand der Lastenhubschrauber Fa 223 Drache in dieser Firma. 1944 vereinte sich der Betrieb mit der Weser-Flugzeugbau GmbH.

Internationale Karriere

Von 1945 bis 1948 verblieb Focke als Kriegsgefangener in Frankreich, wo er zwangsverpflichtet arbeiten musste. So war er beim Flugzeughersteller SNCASE in Paris als beratender Ingenieur im Hubschrauberbau tätig. Zurück in Deutschland gründete der Erfinder ein Ingenieurbüro in Bremen. Dass die Alliierten hierzulande die Flugmaschinenentwicklung untersagten, hielt ihn nicht auf – Focke arbeitete u. a. an Schiffen und Bauprojekten.

Dennoch blieb der Ingenieur den Hubschraubern treu und machte international Karriere: Von 1948 bis 1958 beriet er das britische Luftfahrtministerium im Bereich Hubschrauberbau. In Amsterdam baute er den Convertiplan, einen vier-rotorigen Senkrechtstarter. Von 1952 bis 1956 lebte Focke in Brasilien, wo er sich mit der Erstellung des Leichthubschraubers Beija-Flôr (Kolibri) befasste. Von dieser Basis aus gründete er einen der heute führenden Flugzeughersteller, die brasilianische
Embraer.

Bis zum Schluss im Dienst der Technik

Doch Focke zog es wieder in die Heimat; hier patentierte er 1957 den Focke Rochen – einen sogenannten Nurflügler mit zentralem Rotor. Bei den Borgward Automobilwerken in Bremen schuf er einen Hubschrauber mit der Bezeichnung Kolibri, angelehnt an seine Entwicklung in Brasilien.

Auch im Rentenalter blieb Focke aktiv und errichtete 1960 einen Windkanal; u. a. tüftelte er daran, Hubschrauber mit besseren Flugeigenschaften auszustatten. Heute ist dieser Windkanal im Museum in Bremen zu besichtigen. Zudem beriet der Ingenieur die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) in Bremen. Focke verstarb am 25. Februar 1979. Seine technische Errungenschaft der Hubschrauber fungiert heute als Transportmittel und Verkehrsüberwacher. Zudem bekämpft das Fluggerät Waldbrände und rettet Menschen überall auf der Erde.


Bildnachweis: Shutterstock 

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden. Hier können Sie einen neuen Kommentar verfassen.

Kostenlos eintragen

Tragen Sie sich als Anbieter Made in Germany oder B2B-Einkäufer ein und nutzen Sie viele Funktionen für Ihren persönlichen Erfolg.

Kostenlos eintragen als

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.