Kindergarten: Wortwörtlich eine Erfindung „Made in Germany“

Während bei vielen Erfindungen der Ursprung oft strittig ist, besteht bei Kindergärten hinsichtlich deren Herkunft gar kein Zweifel. Und dazu war keine Patentanmeldung notwendig. Warum das so ist, leuchtet unmittelbar ein: Weltweit kennt man für Einrichtungen zur Betreuung von Kleinkindern den Ausdruck Kindergarten. Vielerorts gehört das deutsche Wort sogar zum gängigen Sprachgebrauch, weil kein eigenes erfunden wurde, wie beispielsweise in englischsprachigen Ländern. Aber auch wenn jeder den Erfindungsort kennt, wissen nur wenige, welche Namen hinter der Idee stehen.

 

Friedrich Fröbel: Mehr als ein Pädagoge

Sein voller Name ist eigentlich Friedrich Wilhelm August Fröbel. Er ist vor allem der Erfinder jenes Kindergartens, in dem Kleinkinder nicht nur verwahrt, sondern pädagogisch betreut werden. Zugegeben, die Idee hatte er nicht ganz allein. Vorher hatte zum Beispiel schon Pfarrer Oberlin im Elsass eine Strickschule gegründet. Das war bereits im Jahr 1760. Und in Straubing öffnete zwanzig Jahre später eine Schule für Kleinkinderziehung die Pforten. Warum ist also der Thüringer Friedrich Fröbel mit seinem ersten „Allgemeinen deutschen Kindergarten“ vom 28. Juni 1840 etwas so Besonderes? Er schuf den Begriff Garten für die Betreuungsanstalten, weil er Kinder als etwas Eigenständiges und Wertvolles ansah, die nicht nur aufbewahrt, sondern achtsam groß gezogen werden sollten. Denn lange mussten sie als Altersversorgung herhalten und schlicht funktionieren – ihre Erziehung betraf meist Hausarbeit oder landwirtschaftliche Arbeiten. Fröbel nannte die Schöpfung des Namens Kindergarten selbst eine Offenbarung. Die Idee hatte er 1840, als er von Blankenburg nach Keilhau wanderte. In der Natur habe er erkannt, dass Kinder wie eine Pflanze gepflegt und gehegt werden müssten. Mit seinem neuen Denkansatz zur Kindererziehung hoffte Fröbel, dass die Einrichtung Kindergarten den Familien positive Impulse liefere und wollte darüber hinaus den Eltern pädagogische Spielmittel beibringen, damit sie ihre Kleinen besser fördern können. Dabei wollte er die Kinder jedoch nicht belehren. Eine seiner Haupterkenntnisse war, dass sie lernen, indem sie spielen. Der Kindergarten sollte also ein Ort sein, der es ihnen ermöglicht genau dies zu tun. Das war neu: Spielen und Entfalten als Kleinkinderziehung statt Kinderarbeit und Rentenversicherung. Also stiftete Fröbel im Rathaus von Bad Blankenburg die erste Einrichtung nach seinen Vorstellungen und schuf damit eine Idee „Made in Germany“, die bis heute weltweit immer weiter entwickelt wird.

 

Die Industrialisierung als eigentlicher Antrieb

Vor der Erfindung des Kindergartens gab es lediglich reine Parkstationen für den Nachwuchs, die aufgrund der Industrialisierung ins Leben gerufen wurden. Durch die neue Arbeitsaufteilung und die Erstellung von Fabriken löste sich das Konstrukt der gemeinsam arbeitenden Großfamilie auf. Frauen wie Männer zogen in die Stadt, um sich in den neuen Betrieben anstellen zu lassen. Dabei fanden sie dort fast immer beengte Wohnungen mit wenigen Möglichkeiten zum Spielen vor. Und wer sollte die Kinder betreuen, wenn die Großeltern nicht mehr im gleichen Haus leben? So waren die ersten Kindertagesstätten eigentlich Sammelstellen mit Betreuern, die sich lediglich um die Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen und Sauberkeit kümmerten. Dementsprechend hießen sie auch Kinderbewahranstalten: Sprachlich gesehen war Deutschland auf dem Gebiet zu jener Zeit nicht sehr erfinderisch. Auch da hat Fröbel einen wichtigen Beitrag geleistet. Diese Einrichtungen sollten durch die Verwahrung der Kinder außerdem der Großstadtverwahrlosung entgegenwirken. Das mag zunächst erst einmal deprimierend klingen und man ist geneigt, sich nostalgische Vorstellungen einer Bauernhofidylle à la Astrid Lindgren in Erinnerung zu rufen. Aber die Industrialisierung hatte auch einen positiven Effekt: Der Nachwuchs musste nun nicht mehr zwangsläufig als Nachfolger für den elterlichen Hof herhalten, sondern konnte eigene Wege gehen. Es waren also nicht mehr ausschließlich Kenntnisse zur Führung des Familienbetriebs gefragt, sondern auch andere Fertigkeiten, insbesondere in den Bereichen Industrie und Handwerk. Somit legte die Industrialisierung den Grundstein für Fröbels Idee, dank der Kinder nun nicht mehr nur Mittel zum Zweck waren.

 

Machtmissbrauch der Erziehungsanstalten

Doch schon kurz nach seiner Erfindung wurde der Kindergarten bereits wieder verboten. Weil Politik und Kirche um ihren erzieherischen Einfluss fürchteten, wurde im Jahr 1851der Betrieb der Kindergärten zunächst „wegen atheistischer Tendenzen“ eingestellt. Eigene staatliche Anstalten übernahmen die Erziehung der Kleinkinder. Durch den Einsatz Bertha von Marenholtz-Bülows‘ und des Sozialpolitikers Adolf Lette wurde das Kindergartenverbot 1860 wieder aufgehoben. Doch beständig wurde und wird das Erziehungsprogramm durch Politik und Religion genutzt, um Menschen von Kindesbeinen an von den eigenen Ideen, Werten und Normen zu überzeugen. Phasenweise wurde der Besuch der Einrichtungen deshalb Pflicht. Doch das war nicht im Sinne Fröbels. Denn dessen Erfindung „Made in Germany“ hatte stets die freie Entfaltung mit Unterstützung durch pädagogische Spiele zum Ziel.

Bild von tolmacho auf Pixabay 

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