Marga von Etzdorf – Flugpionierin und Grenzenbrecherin

Von Deutschland bis nach Japan mit dem Flugzeug zu fliegen, war 1931 ohnehin ein Wagnis. Hinzu kam, dass Frauen ohne Billigung der Männergesellschaft nicht besonders viel durften. Zum Glück hatte „frau“ irgendwann die Nase voll und durchbrach die gesellschaftlichen Zwänge. So wie die Pilotin Marga von Etzdorf.

Marga von Etzdorf flog nicht nur die aufregende Strecke von Berlin nach Tokio, sie war auch die erste Frau, die dies je alleine getan hat und das trotz damaliger Konventionen. Sie war auch die erste echte Pilotin der damaligen Lufthansa, die nach dem Krieg aufgelöst und dann neu gegründet wurde. Von Etzdorf durfte zwar nur Copilotin sein und verheimlichte ihren Berufsstatus vor den Passagieren. Doch sie flog die Maschinen, gegen den Widerstand männlicher Kollegen. Eine echte Pionierin im doppelten Sinne – Made in Germany.

Pilotin entgegen aller Konventionen

Das Flugvirus hatte von Etzdorf bei einem Vergnügungsflug gepackt. Studium, Frauenschule: Sie hatte kein Interesse. Sie wollte fliegen. Kein einfacher Wunsch für eine Frau damals. Das war ihr egal – Emanzipation Made in Germany. Mit gerade 19 Jahren entschloss sie sich, Pilotin zu werden, und 1927 bestand sie die Prüfung für eine Fluglizenz A2 nach viermonatiger Schulung in der Flugschule Bornemann in Berlin-Staaken. Danach flog sie 10.00 Kilometer für die Lufthansa, anschließend 5.000 weitere für die Hamburger Luftverkehrsgesellschaft. Und damit hatte sie ausreichend Flugkilometer beisammen für den Flugschein B2. Für die Prüfung brachte sie sich alles selbst bei, denn Damen waren an der Deutschen Verkehrsfliegerschule nicht zugelassen. Schließlich folgte 1929 der Segelflugschein C. Sie war bereit für ihre eigenen Abenteuer in der Luft. 

Langtsrecken- und Rekordfieber

Mit eigenem Geld und einer zusätzlichen Finanzspritze der Großeltern kaufte sich von Etzdorf 1930 ihr eigenes Flugzeug „Kiek in die Welt“. Noch im gleichen Jahr flog sie mit der Maschine bis nach Istanbul. Das Fernweh hatte sie gepackt. Um ohne Stopps noch weiter zu kommen, ließ sie größere Tanks an ihren Flieger bauen. Und flog am 14. November des gleichen Jahres los Richtung Kanaren, einem wärmeren Winterwetter entgegen. Was heute Charterpassagiere ganz normal für sieben Tage Urlaub buchen, war damals ein echtes Abenteuer. Marga von Etzdorf flog von Berlin über Basel, Lyon bis nach Madrid. Von dort nach Rabat in Marokko zum Tanken und weiter bis zu den Kanaren, wo sie mit Jubel empfangen wurde.

Ihren Rekordflug begann sie am 18. August 1931 in Berlin und steuerte ihren Flieger über Königsberg, Moskau, Nischni Nowgorod, die Wolga entlang nach Kasan über den Ural. Dann folgte sie den Trassen der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Nowosibirsk. Daraufhin flog sie bis Hailar, dann über die Taiga und bis zum Baikalsee, anschließend bis Mukden, Korea und über die Japanische See bis Hiroshima. Nächstes Ziel war Osaka und von dort aus Tokio. Am 29. August 1931 erreichte Marga von Etzdorf nach zwölf Tagen bzw. elf Flugtagen die japanische Hauptstadt. Tausende von Menschen begrüßten die Rekordfliegerin. Die britische Langstreckenpilotin Amy Johnson flog zwar die gleiche Strecke zur gleichen Zeit – aber nicht alleine. 

Margas nächster Rekordversuch sollte von Berlin nach Australien gehen. Am 27. Mai 1933 legte sie los. Am Folgetag musste sie in Syrien wegen eines Schadens am Flugzeug landen. Die Maschine sollte repariert werden. Man gab ihr ein Zimmer, wo sie sich ausruhen konnte. Dort erschoss sie sich mit ihrer eigenen Waffe. Warum? Das ist bis heute ein Rätsel.

Zahlen zu Pilotinnen heute

Marga von Etzdorf hat die Entwicklung angestoßen. Trotzdem gibt es immer noch eher wenige Pilotinnen. Weltweit sind es nur 5,2 Prozent Damen mit diesem Berufsstand, gerade einmal 7.409. United Airlines liegt auf der Liste mit 7,4 Prozent Frauen, die ihre Flieger steuern auf Platz eins, dicht gefolgt von der Lufthansa mit 7 Prozent. Bei British Airways sind es nicht einmal 6 Prozent. Erst im Jahr 2000 gab es bei der Lufthansa die ersten Kapitäninnen, und die Airline ließ sich den Begriff sogar offiziell von der Gesellschaft Deutscher Sprache absegnen.

Foto: Pixabay

Kommentare (1)

Michael Haeusler

Als Ausbildungsleiter einer Verkehrfliegerschule kann ich bestätigen, dass Frauen die Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer ernster nehmen, bessere theoretische Ergebnisse erreichen und auf Grund dieser Ernsthaftigkeit, Standard Operational Proceduren genauer anwenden, welches zu einer Erhöhung der Flugsicherheit beiträgt.

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