Mit Erfolg durch die Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit, einer Reihe von Jahren voller Entbehrungen, zeigte sich enormer Unternehmergeist im zerbombten Deutschland. Mithilfe der Besatzungskräfte gelang ein beispielloser Aufschwung, in dem viele deutsche Unternehmen groß wurden.

Nach der Kapitulation 1945 stand Deutschland vor einem Trümmerhaufen. Es gab in der Nachkriegszeit keine funktionierende Infrastruktur, und mehr als die Hälfte des Wohnraums war zerstört. Die geringen Vorräte zur Energie- und Nahrungsversorgung waren in der Winterkrise ein Jahr später aufgebraucht. Die Selbstversorgung durch Landwirtschaft sank auf 35 Prozent; infolge der Inflation kam die Wirtschaft zum Erliegen. Nur das Eingreifen der Besatzungsmächte und der unermüdliche Einsatz der Trümmerfrauen konnten die zunächst ausweglose Situation überwinden.

Deutschlands Wirtschaft in der Nachkriegszeit

Die Einführung der Deutschen Mark 1948 entzog dem bis dahin boomenden Schwarzmarkt die Grundlage und belebte erstmals wieder die deutsche Wirtschaft. Bereits ein Jahr nach der Währungsreform legte Adi Dassler in Herzogenaurach den Grundstein für das zweiterfolgreichste Sportunternehmen der Welt: Adidas
ließ seine drei Streifen patentrechtlich schützen. Viele Unternehmer sahen das enorme Potenzial zum Wachstum in der Nachkriegszeit. Das Jahr 1949 verzeichnete zahlreiche Gründungen, die bis heute große Erfolge feiern. Dazu gehören die Kaffeerösterei Tchibo, der Baumaschinenhersteller Liebherr, der Spezialist für Kinderfahrräder PUKY sowie der Versandhandel Otto. Die amerikanischen Aufbaukredite sorgten für eine gute Grundlage, dennoch mussten die Jungunternehmer ihren Geschäftsalltag unter widrigsten Bedingungen gestalten.

Chancen auf dem Markt der Nachkriegszeit

Tchibo-Gründer Max Herz ersetzte das fehlende Dach seines Büros durch einen Regenschirm. Aus Mangel an Kaffee handelte er mit allerlei Waren und Gütern. Der Schuhhersteller Gabor musste seine Maschinen zunächst vollständig zerlegen und alle Einzelteile über die Grenze nach Westdeutschland schmuggeln, um dort zu produzieren. Alle Gründungen von 1949 haben etwas gemeinsam: Die Unternehmer erkannten die Gunst der Stunde in der Nachkriegszeit und schafften es, mit den begrenzten Ressourcen effizient zu wirtschaften.

Eine der bekanntesten Marken dieser Zeit ist Persil. Das revolutionäre Waschmittel wurde bereits 1907 erfunden. Nach der Rückkehr in die Regale der Nachkriegszeit waren die Vorräte an Kartons innerhalb kürzester Zeit zu 75 Prozent ausverkauft. Anfang der Fünfzigerjahre wurde Persil auf den verfügbaren Medien intensiv beworben. Radio, Zeitungen und Plakate priesen die Vorzüge von reinweißer Wäsche an. Einer der Slogans lautete: „Ein großer Augenblick, endlich wieder.“ Er repräsentierte die vorherrschende Stimmung. Eine lange Periode des Verzichts war vorbei; Deutschland atmete auf und versuchte einen Neuanfang.

Wirtschafts- und Fußballwunder

Die Auswirkungen des Marshallplans kamen in zunehmendem Maß bei den Menschen an: In den Fünfzigern stieg das durchschnittliche Einkommen eines vierköpfigen, westdeutschen Arbeitnehmerhaushalts um knapp 120 Prozent, von 343 DM auf rund 750 DM; auch das reale Bruttosozialprodukt verdoppelte sich nahezu.

1954 gewann die deutsche Nationalelf den Weltmeistertitel im Finale gegen Ungarn, dank der neuartigen Schraubstollen von Adidas an den Sohlen der Fußballer. Adi Dassler hatte seine sportlichen Kollegen unentwegt über Vor- und Nachteile ihrer Schuhe befragt. Damit stellte er die Wünsche seiner Kunden zentral, ebnete Deutschland den Weg zum WM-Sieg und machte Adidas zur bekanntesten Sportmarke des Landes. Zwei Jahre später erstrahlte der erste Persil-Werbespot auf den deutschen Mattscheiben. Tchibo begann seine Strategie zur Kundenbindung und verschickte pünktlich zu Weihnachten kleine Geschenke an die treuen Käufer. Vom neuen Wohlstand in der Nachkriegszeit profitierten auch Marken wie Asbach Uralt und der BMW Isetta. Made in Germany
erstrahlte wieder.

Tiefer Fall nach Wachstum in Nachkriegszeit

In den Sechzigerjahren vergrößerte sich die Markenvielfalt, und die Reformen in Westdeutschland kurbelten die Leistung weiter an. Der VW-Käfer lief und lief, Blaupunkt war erfolgreich mit dem passenden Autoradio, und Schauma wurde zum Synonym für Shampoo. Der Osten des Landes hingegen kämpfte in der Nachkriegszeit um das wirtschaftliche Überleben und begann 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer. 1966 kam es im Westen erstmals zu einer Rezession; der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard dankte ab. Es folgte die erste große Koalition aus CDU und SPD mit Georg Kiesinger als Regierungschef. Viele Unternehmer wurden von dem Abschwung der Konjunktur überrascht; fehlende Reserven sorgten für zahlreiche Konkursanmeldungen.

Der Versandhandel Neckermann, gegründet 1948 als Textilunternehmen, verzeichnete über zwei Jahrzehnte hinweg steigende Umsätze. Jedoch war die Konkurrenz durch die beiden großen Mitbewerber der Branche Otto und Quelle groß. Josef Neckermann setzte auf eine rigorose Preispolitik: Geringe Gewinnmargen sollten durch hohe Umsätze ausgeglichen werden. Die Strategie ging jedoch nicht auf, und das Unternehmen geriet bereit 1963 in Schieflage. Durch einen Börsengang und Lieferantenkredite hielt sich der Versandhandel noch bis 1977. Schließlich übernahm Karstadt als neuer Hauptaktionär die Geschicke und wandelte die Kapitalgesellschaft in eine reine Aktiengesellschaft um. 2012 wurde auch diese vollständig aufgelöst.

Die Auswirkungen der Rezession und die anschließende Ölkrise 1973  stellten eine große Herausforderung für die Gründungen von 1949 dar. Die meisten jedoch konnten sich wiederum an die wirtschaftlichen Bedingungen anpassen und bestehen bis heute. Persil zählt in diesem Jahr 111-jähriges Bestehen, Gabor feierte 2016 das dreihundertmillionste Schuhpaar, und Adidas perfektioniert noch immer die Welt der Sportschuhe.

Zweifelhaft aufgestiegen, erfolgreich in Nachkriegszeit

Zahlreiche Unternehmen etablierten sich bereits vor der Nachkriegszeit, indem sie ihren Vorteil aus dem Naziregime zogen. Krupp (heute Thyssenkrupp) setzte Zwangsarbeiter ein, um Profite zu maximieren; die Bertelsmann AG unterstützte mit antisemitischen Veröffentlichungen die Propagandamaschinerie des Regimes, und die C&A-Brüder verschenkten Gemälde zum Geburtstag der Nummer zwei im Reich, Hermann Göring. Ein Teil der NS-Betriebe stellt sich mittlerweile der dunklen Vergangenheit, wenn auch nach Jahren des Schweigens.

Die Erben des C&A-Konzerns veröffentlichten 2016 die eigene Geschichte in einem Buch. Zuvor war kaum bekannt, wie nah das Familienunternehmen den obersten Nazis stand. Weitere Wirtschaftsgrößen mit zweifelhafter Geschichte sind u.a. BMW, Oetker, die Deutsche Bank, Hugo Boss, Bayer und BASF. Die öffentliche Aufarbeitung ist ein wichtiger Schritt, um die Verbrechen des Dritten Reichs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn Verantwortung dafür übernehmen nur wenige.


Bildnachweis: Pixabay.com

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