MRT - der schnellen Blick in den Körper

Die deutsche Entdeckung der Röntgenstrahlung mit Auszeichnung durch den Nobelpreis hatte den ersten Schritt getan: Ärzte mussten sich nicht mehr nur auf das Abtasten verlassen und plötzlich war der Blick in das Innere möglich, ohne Körper physisch zu öffnen.

Ein starker Nachteil ist dabei allerdings die Strahlenbelastung. Die amerikanische Erfindung der Magnetresonanztomographie war deshalb seit 1973 die kompliziertere, aber strahlungsfreie willkommene Alternative. Und nicht nur das. Mit dem MRT kann das Innere des Körpers Schicht für Schicht dargestellt werden, um nach Auffälligkeiten zu fahnden, während Röntgenstrahlen nur eine Art zweidimensionales Foto erstellen können. Auch Professor Paul Lauterbur erhielt für seine Erfindung des MRT den Nobelpreis. Der große Nachteil seiner Innovation war die Geschwindigkeit. Während das Röntgen mit einem Knopfdruck erledigt ist und sich dabei vollkommen lautlos vollzieht, dauerte die erste MRT Aufnahme volle vier Stunden und 45 Minuten. Eine Tortur für Patienten. Dabei ist der Vorgang extrem laut und die Röhren für Klaustrophobiker eine Qual. 

Die Made in Germany Erfindung FLASH am Max-Planck-Institut durch Jens Frahm verwandelte das vorerst eher unpraktische, aber natürlich trotzdem geniale MRT in eines der meist genutzten Diagnosegeräte. Mit dem neuen Bildgebungsverfahren lassen sich mittels der Magnetresonanztomografie innerhalb weniger Sekunden Schichtbilder erstellen und dreidimensionale Bilder binnen weniger Minuten. Ein Kunststück, das Röntgenstrahlen überhaupt nicht beherrschen. Und obwohl die Erfindung der rasanten Bildgebung bereits Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal Anwendung fand, erhielt sie jetzt etwas verspätet den Europäischen Erfinderpreis 2018. 

Durchbruch in der Medizin

Stein des Anstoßes war die ebenfalls Made in Germany Weiterentwicklung FLASH 2. Auch hier war der Täter der Göttinger Physiker Jens Frahm des Max-Planck-Institutes für biophysikalische Chemie. Damit haben er und sein Team sowohl die erste als auch die zweite Version des Bildgebungsverfahren für das MRT entwickelt und das Verfahren in eine nutzbare Diagnosemöglichkeit gewandelt. Dabei erstellt die neue Ausgabe ihrer Innovation Bilder in Echtzeit. Das heißt mit Hilfe von FLASH 2 lassen sich ohne Strahlenbelastung live die Vorgänge im Körper beobachten. Gelenk- oder Sprechbewegungen, der Schluckvorgang und das schlagende Herz: Durch die direkte Beobachtung können Diagnostiker jetzt schneller, einfacher und genauer bestimmen, wo Probleme entsprechender Patienten verursacht werden. Das erste Verfahren des Oldenburgers wird heute bereits über 100 Millionen Mal im Jahr weltweit genutzt. Und eine weitere imposante Zahl: Er hat die Geschwindigkeit der ursprünglichen Bildgebung um das zehntausendfache erhöht. Genau deshalb durfte er schließlich den Europäischen Erfinderpreis 2018 entgegennehmen. Das Europäische Patentamt sucht sich jedes Jahr eine europäische Stadt aus, um dort die Trophäen an die Auserwählten zu übergeben. Jens Frahm kam diese Ehre in Paris, Saint-Germain-en-Laye zuteil. 

Für die Menschen und die Wissenschaft

In erster Linie ist die Erfindung natürlich für Menschen ein enormer Vorteil. Krankheiten können so leichter und schneller erkannt und behandelt werden. Aber das Max-Planck-Institut hat allein dankdes Patents auf FLASH bis heute155 Millionen Euro an Lizenzeinnahmen verbucht. Damit ist die Erfindung die finanziell erfolgreichste der Max-Planck-Gesellschaft. Aber das Patentrecht durchzusetzen war ein harter Kampf. Amerikanische Firmen setzten alles daran es zu umgehen und begannen die Erfindung zu nutzen, ohne einen Cent dafür zu zahlen. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, die grade große Firmen vermutlich nicht erwartet hatten, bekam das Institut allerdings Recht und rückwirkend Zahlungen im Millionenbereich. Auch ein Erfolg für die Wissenschaft, denn Max-Planck-Institute forschen deutschlandweit auf etlichen Gebieten und investieren viel Zeit und Geld für Innovationen. Inzwischen ist die Patentfrist für FLASH zwar abgelaufen, doch FLASH 2 dürfte ähnlich erfolgreich werden wie sein Vorgänger. Das Echtzeit-MRT von Jens Frahm und seinem Team wird die Welt der Diagnostik nochmal weit nach vorne katapultieren. Zwei Made in Germany Erfindungen, die weltweit Menschen gesundheitlich zugute kommen.

Foto: jarmoluk / pixabay.com

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