Planetarien: Made-in-Germany-Erfindung für Sterngucker

Möchten Astronomen den Sternenhimmel erklären, dürfen sie streng genommen nur bei Nacht den Himmel vor Ort erläutern. Und was, wenn es bewölkt ist, es regnet oder alle im Schnee stehen? Außerdem müsste der Unterricht fernab von Städten stattfinden, damit die künstliche Beleuchtung nicht stört. Kein Zustand, fand Walther Bauersfeld.

Im Jahr 1919 begann der Berliner Ingenieur und Physiker mit der Entwicklung einer Projektionskuppel, damit das Publikum jeden beliebigen Sternenhimmel zu jedem Datum betrachten kann: der Beginn der Entwicklung des heutigen Planetariums. Astronomie Made in Germany mit Sternen als Filmstars. Ein wichtiges Utensil eines solchen Baus ist ein drehbarer Sessel mit Rücklehnfunktion: ohne Nackenkrampf bequem in die Sterne schauen und den Blick über den gesamten Himmel schweifen lassen. Planetarien sind Sternenkinos Made in Germany.

 

Neue Bauideen für die Wissenschaft

Das Besondere am Planetarium ist nicht nur die Projektion eines Sternenhimmels. Das Bild könnte man auch an die Wand werfen, aber dann entsteht der gleiche Effekt wie auf Weltkarten im Atlas: Der Blick wird verzerrt. Der reale Sternenhimmel ist dreidimensional und wölbt sich über unseren Köpfen. Auf platter Fläche leuchten die Himmelskörper nicht wirklich dort, wo sie liegen müssten. Auf eine Kuppel projiziert, entsteht der Eindruck, man läge unter dem originalen Sternenhimmel, unter perfekten Wetter- und Lichtbedingungen. Und besondere Sternenkonstellationen, vorbeiziehende Kometen oder der Blick auf den Himmel am anderen Ende der Welt erscheinen einfach auf Knopfdruck über unseren Köpfen.

Um eine Kuppel zu bauen, auf die alle darunter Sitzenden freie Sicht haben, musste Walther Bauersfeld sich eine Zeit lang den Kopf zerbrechen. Gemeinsam mit Bauingenieur Franz Dischinger entwickelte er 1922 die Zeiss-Dywidag-Schalenbauweise, ein Bauverfahren zur Herstellung stützenfrei weitgespannter Dachschalen. Die beiden meldeten ihre neue Bauweise als Patent an: als pfettenloses Eisenbeton-Tonnendach, der Vorläufer des heutigen Spritzbetonverfahrens für Ingenieurbauwerke aus Spritzbeton nach DIN 18551.

 

Wie funktionierts?

 Es wird eine tragfähige Gitterstruktur erstellt, verstärkt durch ein engmaschiges Drahtnetz. Darauf wird der Beton im Trockenspritzverfahren (Torkretverfahren) aufgetragen. Das rautenförmige Gitternetzwerk dient als Lehrgerüst. Bei den ersten Bauten wurde es zunächst als Bewehrung mit einbetoniert. Später wurde das Netzwerk nur noch als Schalungsgerüst genutzt und war dann wiederverwendbar, kostensparender und umweltschonender.

 

Die erste Sternenkuppel der Welt

Das erste Projektionsplanetarium öffnete 1923 in München seine Pforten, Premiere Made in Germany. Es folgte 1926 das Zeiss-Planetarium in Jena, das auch heute noch in Betrieb und damit der älteste Bau dieser Art in der Welt ist. Kurz darauf eröffnete das städtische Planetarium in Dresden.

Doch wie kam Walther Bauersfeld auf die Idee? Erstens hatte er Maschinenbauwesen studiert. Er kannte sich also mit verschiedenen Bauweisen aus. Zweitens dozierte er als außerordentlicher Professor für astronomische Physik an der Universität Jena. Also fügte er seine beiden Leidenschaften zusammen und konstruierte das Bauwerk für die Astronomie.

Zahlen und Statistiken zu Planetarien

 Zurzeit stehen 106 Planetarien in Deutschland. Bayern und Sachsen als Gründerbundesländer beheimaten immer noch die meisten, mit jeweils 14 und 16 der Sternenkinos. Die wenigsten befinden sich in Bremen, Hamburg, Berlin und dem Saarland. In allen anderen Bundesländern stehen zwischen fünf und zehn der Kuppelbauten. Der lange Zeit größte prangt in Peking: Das Beijing Planetarium beherbergte mit futuristischer Architektur zeitweise die weltweit gigantischste Ganzkuppelprojektion (wie so oft, ein Produkt aus dem Hause Zeiss in Jena). Im Zentrum liegt ein geneigtes Kuppelauditorium mit 18 Metern Durchmesser, in dem 180 Zuschauer Platz finden.

Aber 2010 toppte die Stadt Bochum diese Größe: 260 Personen können im dortigen Planetarium sitzen, und es gilt bisher als modernstes der Welt. Bis das nächste überbietet.

Im Projektor des Planetariums in Buenos Aires befinden sich erstmals LED-Lampen. Denn Planetarien wandeln sich mit der Zeit und neuer Technik – nicht wenig davon Made in Germany für Sterngucker.

Fotos: Carl-Zeiss-Planetarium Stuttgart

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