Revolution der Aufzüge mit Schwabens ThyssenKrupp

Über den Sinn von Gebäuden, die so weit in den Himmel ragen, dass die Bewohner Flugzeugen beim Landen in die Fenster schauen können, lässt sich streiten. Wolkenkratzer werden immer höher gebaut, und für Großstädte fällt niemandem eine Alternative ein. Wie befördert man unzählige Menschen jeden Tag hinauf und wieder hinunter? ThyssenKrupp weiß es.

Fahrstühle mit klassischem Kabel packen die Höhen nicht. Die Seile sind zu schwer. Alle paar Etagen müsste man umsteigen. Die finnische Firma Kone hat ein Superseil mit wenig Gewicht konstruiert, das zurzeit über 300 Meter bewältigt, wahrscheinlich mehr. Bei den für Hochhäuser geplanten 1.000 Metern fielen aber die Wartezeiten und die Fahrstuhlschächte immer länger und größer aus.

Lange Rede, und dann kam endlich ThyssenKrupp: Um all die Menschen in rasantem Tempo in große Höhen zu transportieren, erfand die Firma den seillosen Fahrstuhl. „Multi“ heißt er schlicht. Die Kabinen gleiten per Magnet im Gebäude hinauf und hinunter, auch mehrere auf einmal im gleichen Schacht. Der Clou: Durch das Magnetsystem können sie auch seitwärts fahren und so Gebäude miteinander verbinden. Das ermöglicht außerdem völlig neue Bauweisen für die Giganten unter den Häusern. Mit 5 Metern die Sekunde durch die Wolkenkratzer der Großstädte schießen und dadurch jede Menge Zeit sparen: Beförderungsrevolution Made in Germany.


Wie funktioniert das ThyssenKrupp-System?

Im Prinzip ist der „Multi“ eine Paternoster-Magnetschwebebahn in Gebäuden. Etliche Kabinen gleiten kontinuierlich superschnell durch die Schächte. Die Wartezeiten sind dadurch gering, die Fahrten trotz großer Höhen kurz. Das Magnetsystem zieht die Fahrstühle ohne Reibung durch die Gebäude. Aufgrund des Fehlens der Seile und Gewichte hat ThyssenKrupp zusätzlich das Kabinengewicht verringern können.

Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, besitzt der Aufzug nicht nur ein Bremssystem mit Notbatterie, sondern auch ein rein mechanisches, das sich in die Wände hakt, damit die Kabine ohne Seile nicht einfach in kritischen Situationen im Schacht nach unten stürzt. 

Allerdings ist der magnetische Fahrstuhl teurer als der herkömmliche, wobei die Schächte kleiner ausfallen. So wird potenziell Wohnfläche gewonnen und Geld eingespart. 

 

Ein Fahrstuhl aus Rottweil für die Hochhäuser der Welt

Noch ist der Aufzug nirgends eingebaut, außer im Testturm in Rottweil. Noch sind nicht alle Probeläufe abgeschlossen bzw. die Zulassungen noch nicht alle ausgestellt. Aber das scheint nur eine Frage der Zeit. Denn das System ist ein viel erprobtes. Die erwähnte Magnetschwebebahn ist schon lange mit eben jenem Antrieb unterwegs. Eine Made-in-Germany-Erfindung Herrmann Kempers.

Die Frage ist, ob die Technik in Deutschland ankommt. Während Magnetschwebebahnen auf der ganzen Welt in Arbeit sind, sitzt hierzulande der Schock über den Unfall mit dem Transrapid vielen noch in den Knochen. Bei einer Testfahrt prallte er auf ein anderes Fahrzeug, das nicht von den Schienen geholt worden war. Es kamen 23 Menschen ums Leben. In Japan, Korea, China und Russland hingegen ist der Bau der Magnetschwebebahnen schon fortgeschritten, und sie sollen bald Passagiere transportieren: geräuscharm, schnell, ohne CO2-Ausstoß und erschütterungsfrei.

Zudem ist ein Aufzug schließlich keine Bahn, und im Grunde gilt das Magnetsystem als eines der sichersten. Weshalb es in Deutschland vermutlich bald Hochhäuser mit der neuen Technik gibt. Der erste „Multi“ soll in den geplanten East Side Tower in Berlin kommen, in Nachbarschaft zur Mercedes-Benz-Arena und der Warschauer Straße. Auch für die Metro sieht ThyssenKrupp Potenzial in dem neuen System: schneller und flexibler. Vielleicht durch zügiges und einfaches Pendeln doch eine Entlastung für Großstädte? Endlich eine positive Zukunft für die Erfindung Herrmann Kempers – Gemeinschaftsarbeit und Erfindergeist Made in Germany.

Foto: Pixabay

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