Steiff – Kultspielzeug Made in Germany

Von solchem Riesenerfolg kann die Do-it-yourself-Community im Web nur träumen. Dabei hatte Apollonia Margarete Steiff keinen leichten Lebensweg. Die Kinderlähmung zwang sie in den Rollstuhl, den rechten Arm konnte sie nur unter Schmerzen bewegen. Trotzdem besuchte sie eine Nähschule und brachte es zur Geschäftsfrau. Heute ist Steiff ein Großkonzern.

Mit dem Schnittmuster einer Zeitschrift produzierte Apollonia Margarete Steiff 1879 den ersten Verkaufsschlager Marke Steiff: das „Elefäntle“ – eigentlich ein Nadelkissen, das Kunden jedoch als Spielzeug an Kinder weitergaben. Der Elefant „Marke selbstgenäht“ wurde der Pionier einer ihm folgenden Stofftierarmada – später mit dem berühmten Knopf im Ohr – und der Grundstock zum Großkonzern Steiff Spielzeug Made in Germany.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Apollonia Margaretes Start war ein harter. Sie war grade 18 Monate alt, als sie das Poliofieber erwischte. Zum Glück hielt die daraus resultierende Behinderung sie nicht auf: Im Bollerwagen zogen Kinder sie zur Schule, die Lehrerin trug sie die Treppen hinauf. Vielleicht gehörte deshalb später der Leiterwagen zur Produktpalette ihrer Firma. Ihre Noten lagen in der Topkategorie, ihre Kindheitslaune auch. Sie spielte fröhlich mit Kameraden auf der Straße, hütete den jüngsten Nachwuchs arbeitender Mütter, genoss Reha und Kur trotz erfolgloser Beinoperation in vollen Zügen und überredete ihre Eltern zu ihrer Ausbildung, die der Grundstock ihres Firmenimperiums in Giengen an der Brenz werden sollte.

 Mögen die Eltern erst skeptisch gewesen sein, richtete ihr Vater im Wohnhaus in der Ledergasse dennoch 1874 eine Schneiderei ein. Margarete und ihre Schwester waren so erfolgreich, dass sie die Ersten im Ort waren, die sich eine Nähmaschine leisten konnten – Modernisierung à la 19. Jahrhundert. Sie expandierte 1877 mit einem Filzgeschäft, das sie innerhalb weniger Jahre in ein Unternehmen mit mehreren angestellten Näherinnen ausbaute. Das erste Fabrikgebäude wurde 1890 in der Mühlstraße gebaut, inklusive behindertengerechter Wohnung für Margarete. Schließlich wurde daraus 1906 die Margarete Steiff GmbH, die sie an ihre Neffen übergab. Seit 1981 ist es eine ganze Steiff-Gruppe, die auch online agiert. Es ist Margaretes Imperium, selbst 72 Jahre nach ihrem Tod. Wer sich die Geschichte und Produkte in Ruhe anschauen möchte, besucht das Erlebnismuseum von Steiff.

Steiffs Berühmtheiten aus Stoff

Die Firma stellt zwar nicht nur Stofftiere her, aber diese haben sie berühmt und beliebt gemacht. Nach dem Elefanten entwickelte 1902 Margaretes Neffe Richard Steiff einen Stoffbären – niedlich, doch vorerst erfolglos. Dank des US-amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt wurde er jedoch zum Namensgeber für fast alle Stoffbären weltweit. Der Amerikaner mit Spitznamen Teddy weigerte sich auf einem Jagdausflug, einen angebundenen Bären zu erschießen. Deshalb taufte Richard seine Stoffversion auf den Spitznamen des Präsidenten – ein genialer Schachzug. Schlagartig kannte man ihn rund um den Globus und mit ihm die Firma Steiff. Das Kuscheltier wurde zum Verkaufsschlager.

In der Folge entstand im gleichen Jahr der im Volksmund als „Jungfrauenaquarium“ bezeichnete Ostbau der Firma in einer Doppelglasstahlkonstruktion. Es folgten weitere Gebäude dieser Art, und alle stehen heute unter Denkmalschutz. In den Zwanzigern war es Plüschhund „Molly“, der sich bis ins folgende Jahrzehnt eine halbe Million Mal verkaufte. Stoffigel und Comicfigur „Mecki“ der Zeitschrift Hörzu wurde die nächste Steiffberühmtheit.

Der Knopf im Ohr ist die geniale Erfindung von Margaretes Vetter Franz aus dem Jahre 1904 – die Steiffs sind eine kreative Familie. Zuerst prangte das Elefäntle auf dem Metallknopf, heute der Schriftzug Steiff.

Plüschtiere und Konzern in Zahlen

Schon 1907 stellten 400 Mitarbeiter und 1.800 Heimarbeiter 973.999 Teddybären und insgesamt etwa 1.700.000 Spielartikel her. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs startete das Unternehmen 1947 neu, und beschäftigte schon ein Jahr später fast 1.000 Mitarbeiter, fünf Jahre darauf bereits wieder doppelt so viele.

Heute zahlen Liebhaber für alte Stücke Tausende Euro, während die Firma weiterwächst. Im vergangenen Jahr konnte Steiff den Umsatz um 8 Prozent auf mehr als 44 Millionen Euro steigern und möchte 2018 vier neue Läden in Deutschland eröffnen. Echter Erfolg Made in Germany im plüschigen Outfit, der die Welt etwas kuscheliger macht.


Bildnachweis: Shutterstock

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