Die Top 5 erfolgreichsten Unternehmen der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg bot sich in den deutschen Städten ein Bild der Verwüstung: Nicht nur Wohngebäude und zivile Infrastruktur fielen den alliierten Bombenangriffen zum Opfer, sondern in erheblichem Maße auch Produktionsanlagen und Bürogebäude aller Industrien. Hiervon waren natürlich vor allen Dingen diejenigen Unternehmen betroffen, die nach Ansicht der Gegner eine kriegswichtige Funktion erfüllten, so zum Beispiel Waffenschmieden, Fahrzeughersteller, Maschinenbauunternehmen, Raffinerien, chemische Fabriken und ähnliche Produktionsanlagen.

Volkswagen

1934 beauftragte der „Reichsverband der deutschen Automobilindustrie“ Ferdinand Porsche mit der Konstruktion eines „Volkswagens“. Anschließend lag das Interesse allerdings auf der Rüstungsindustrie. Nach dem Krieg wurde der Volkswagen zum beliebtesten Auto aller Zeiten.

Zunächst jedoch war die Zukunft des Unternehmens ungewiss. Es ging in die Militärregierung der britischen Besatzungszone über, die eine Weiterführung der Produktion im Ausland plante. Dank einer Fehleinschätzung der Wirtschaftlichkeit, zogen die Interessenten ihre Angebote zurück. Für die britischen Besatzer sollten nun vorerst 20.000 Limousinen gefertigt werden und im Dezember 1945 ging der Käfer in Serienproduktion. Vier Jahre später verkannten die Briten erneut das Potenzial und das Werk ging in den Besitz des Bundeslandes Niedersachsens über. In den Fünfzigern wurde der Käfer zum Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs. In erster Linie ließ der erschwingliche Preis das Auto vom Luxusgut zum allgemeinen Gebrauchsgegenstand werden. Schließlich erlangte der VW-Käfer sogar Kultstatus, nicht zuletzt durch Auftritte in zahlreichen Kinofilmen.

1960 erfolgte die überwiegende Privatisierung. Das „VW-Gesetzt“ regelte dabei unter anderem den entscheidenden Einfluss der öffentlichen Hand, trotz Minderheitenposition. 1978 lief in Deutschland der letzte Käfer vom Band. In Mexiko wurde er bis 2003 noch produziert und fand wiederum als Import den Weg zurück in sein Ursprungsland. Heute fahren noch rund 26.800 Deutsche das Kult-Auto mit einem H-Kennzeichen.


Deichmann

Heinz-Horst Deichmann kehrte mit schweren Kriegsverletzungen in seine Heimatstadt Essen zurück. Nach seiner Genesung studierte er Medizin und Theologie, war aber bereits parallel am Geschäftsalltag der elterlichen Schuhmacherei beteiligt. Nach einigen Jahren als praktizierender Arzt wurde er 1956 schließlich zum Vollzeitunternehmer. Als Deichmann den Betrieb übernahm, war sein Ziel gute Schuhe mit günstigem Preis einer breiten Käuferschicht zur Verfügung zu stellen. Er nahm sich moderne Verkaufsmethoden amerikanischer Schuh-Discounter zum Vorbild und positionierte die Schuhe paarweise im Regal. Das Personal wurde von der Aufgabe entbunden jeweils den zweiten Schuh bereitzustellen und so immens entlastet.

Bereits 1974 wurde die 100. Filiale eröffnet, nur acht Jahre später hatte sich die Anzahl verdoppelt. Heute ist das Unternehmen Marktführer in Europa. Auch in den USA sind einige der 3.500 Filialen vertreten, die insgesamt rund 35.000 Mitarbeiter beschäftigen. In Deutschland stammt jedes fünfte Paar Schuhe von Deichmann. Dem bekennenden Christ war Wohltätigkeit stets eine Herzensangelegenheit. Er gründete das Hilfswerk „wortundtat“, wobei er jedes Jahr mehrere Millionen investierte. Das Geld kommt sozial benachteiligten Kindern in Deutschland zugute kommt, in Tansania und Indien werden Schulen und Krankenhäuser betrieben.

1999 übernahm Sohn Heinrich die Leitung der internationalen Schuhkette, Hans Deichmann starb 2013 im Alter von 88 Jahren in seinem Heimatort Essen.

Siemens

Siemens war bereits Ende der dreißiger Jahre größter Elektrokonzern der Welt. Nach Kriegsende sind vier Fünftel der Produktion zerstört, bis Mitte der Fünfziger ist die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend wiederhergestellt.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die frühe Dezentralisierung des Konzerns ab 1945. Der Vorstand bildete Gruppenleitungen bestehend aus rund 20 Führungskräften, die mit umfassenden Handlungsvollmachten ausgestattet wurden. Sie agierten an verschiedenen Standorten im Westen und Süden des Landes. So blieb das Unternehmen trotz der unsicheren Lage in Berlin und der folgenden Teilung handlungsfähig. München wurde zum neuen Hauptsitz, Berlin blieb als zweiter Firmensitz erhalten. Die ersten Jahre der Produktion waren der Notfertigung vorbehalten. Dazu gehörten Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Kochgeschirr oder Kohleschaufeln. Mitarbeiter reparierten Verkehrs-, Licht- und Energieanlagen. Erst die Währungs- und Wirtschaftsreform machte eine Rückkehr zur traditionellen Produktion möglich.

In den Fünfzigern investiert das Unternehmen in neue Geschäftsfelder wie der Halbleiter- und Computertechnik. Schrittweise werden konfiszierte Produktionsgesellschaften, Patente sowie Namen- und Markenrechte im Ausland zurückgekauft und die frühere Weltmarktposition zurückgewonnen. 1966 markiert den erfolgreichen Abschluss des Wiederaufbaus: Die verschiedenen Geschäftszweige formieren sich unter der Siemens AG.

Steilmann GmbH & Co. KG

Klaus Steilmann holte nach dem Krieg sein Abitur nach und absolvierte zeitgleich eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei C&A. 1958 machte er sich selbstständig, Startkapital war ein Darlehen seines ehemaligen Arbeitgebers in Höhe von 40.000 Mark. Der kleine Nähbetrieb in Bochum-Wattenscheid entwickelte schnell eine starke Expansionskraft. Der Erfolg basierte auf modischem Design zu günstigen Preisen, womit Steilmann bereits im ersten Jahr einen Umsatz von 7,2 Millionen Mark erzielte. In den folgenden Jahrzehnten produzierte er die Eigenmarken für zahlreiche Handelsketten wie C&A, Kaufhof und Karstadt und wurde zum größten Textilunternehmen Europas.

Erst mit der zunehmenden Globalisierung in den neunziger Jahren wendete sich das Blatt. Der Preisdruck in der Branche stieg kontinuierlich an, aus Verbundenheit zu seiner Belegschaft hielt der Unternehmer dennoch an der teureren Produktion in Deutschland fest. 1999 gab er die Leitung ab, 2006 konnte die Insolvenz allein durch eine vollständige Übernahme abgewendet werden. Der italienische Mischkonzern behielt den Traditionsnamen bei.

Steilmann schrieb mehrere Abhandlungen über Unternehmensführung, stiftete den Lehrstuhl für Umweltpolitik an der Universität Witten/ Herdecke und war Mitglied des Club of Rome. Auch im Sport engagierte sich der Unternehmer und war elf Jahre lang Präsident des Fußballvereins Wattenscheid 09. Neben dem Bundesverdienstkreuz erhielt Klaus Steilmann zahlreiche weitere Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem den deutschen Umweltpreis.

Henkel

Das Düsseldorfer Werk von Henkel wurde 1945 durch US-amerikanische Truppen besetzt, deren Militärregierung im Juli die Erlaubnis unter anderem für die Produktion von Waschmittel und Klebstoff erteilte. Ab den Fünfzigern lancierte das Unternehmen erfolgreich Produkte wie das Haarfärbemittel „Poly Color“, das Spülmittel „Pril“ und die Seife „Fa“. 1956 feiert die Werbung Premiere auf deutschen Mattscheiben, der erste Werbespot handelt vom Waschmittel „Persil“. In Form einer Cross-Media-Kampagne werden auch im Radio, in Zeitungen und auf Plakaten die Vorzüge reinweißer Wäsche beworben. Einer der Slogans lautete: „Ein großer Augenblick, endlich wieder.“ Er repräsentierte die vorherrschende Stimmung der Zeit. In der Folge erhielt das Waschmittel einen enormen Bekanntheitsgrad und war in den Regalen oft vergriffen.

Nebenbei wurde auch das Klebstoff-Sortiment ausgebaut und ein zweites Standbein im Markt für Papier-, Büro- und Schreibwaren geschaffen. Der erste Klebestift weltweit entwickelte sich ab 1969 unter dem Namen „Pritt“ zur meistverbreiteten Marke aus dem Hause Henkel.


Foto: Mark Agnor / Shutterstock.com

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