Netzausbau braucht kommunales Know-how

Der mangelhafte Netzausbau in ländlichen Regionen Deutschlands ist eine bekannte Baustelle der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur. Nun haben sich der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) darauf geeinigt, diese Firmen stärker in den Ausbau des 5G-Netzes einzubeziehen.

Allerdings sind die notwendigen Schritte in Verwaltung, Infrastrukturausbau und Fachkräfteausbildung noch in der Entwicklung. Wie schnell ist ein flächendeckendes Netz ohne entsprechende Vorbereitung seitens der Kommunen realisierbar? Und was fehlt in Deutschland zu einem funktionierenden, regional gleichberechtigten Breitbandnetz?

Weiße und graue Flecken vs. Ballungszentren

Die meisten kommunalen Unternehmen bestätigten auf einem Workshop in Berlin, die Frequenzen für das Netz selbst beantragen zu wollen. Den Bundesverantwortlichen gegenüber haben kommunale Vertreter den klaren Vorteil, dass sie über Ortskenntnisse und jahrzehntelange Erfahrung in ihren Regionen verfügen. Damit der Bund den Breitbandausbau fördert, müssen die Gebiete allerdings bestimmte Förderrichtlinien erfüllen. 

Bisher war dies eine Schwelle, die nicht jeder Kommune die Erweiterungermöglichte. Denn eine Neuerung der Bundesrichtlinien sieht vor, dass ausschließlich gigabitfähige Netze gefördert werden. Bewerben kann sich um die Förderung nur, wer in sogenannten weißen Flecken ansässig ist, also weniger als 30 Mbit/s Bandbreite zur Verfügung hat. 

Den Kommunen fehlen lokale Frequenzen

Künftig sollen auch Regionen aus den grauen Flecken Bewerbungen auf Fördermittel einreichen dürfen. Dafür fehlt jedoch noch die Anpassung auf Bundesebene. Weiterhin lahmt der Netzausbau in so elementaren Bereichen des öffentlichen Lebens wie der Energieversorgung, dem Personennahverkehr oder in der Entwicklung der Städte allgemein in ländlichen Regionen und im Fall von Kleinstädten. 

Dabei sind gerade kommunale Unternehmen, beispielweise dank ihrer Ortskenntnis in der Lage, geeignete Antennenstandorte zu benennen und diese mit Energie zu versorgen. Doch erst ab kommendem Jahr will die Bundesnetzagentur die benötigten lokalen und regionalen Frequenzen per Antragsverfahren vergeben.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog, Mitglied im Beirat der Bundesnetzagentur, sprach sich für die Vergabe lokaler und regionaler Frequenzen aus. Besonders in Hinblick auf die industrielle Anwendung sei die Notwendigkeit unumstritten. Doch aus Sicht seiner Partei bleibe der Konsultationsentwurf für die Rahmenbedingungen der 5G-Frequenzversteigerung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es brauche mehr und ausreichende Anreize für einen schnellen Ausbau der Infrastruktur, die zu einem dichteren 5G-Netz führe. 

Ohne Breitbandnetz kein digitaler Fortschritt

Auch der VKU gibt an, dass für Kommunen und ihre Unternehmen der Ausbau der 5G-Netze notwendig ist. Als wesentlich sieht der Verband der kommunalen Unternehmen den Ausbau von 5G, beispielsweise für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, an. Krankenhäuser und Arztpraxen benötigen Vernetzung und Echtzeitdatenübertragung. Besonders in ländlichen, spärlich besiedelten Gebieten mangelt es oft nicht nur an einem schnellen, sondern überhaupt an einem flächendeckenden Internetnetz, ebenso an Mobilfunkantennen. 

Auch ist die Anwendung künstlicher Intelligenz und Fernsteuerungen mit Echtzeitübertragung - etwa in der modernen Landwirtschaft – ohne ein zuverlässiges digitales Netz unvorstellbar. Ebenso bedarf die Industrie 4.0 eines schnellen Breitband-Internets und sollte dafür nicht erst in die Großstädte oder deren Ballungszentren abwandern müssen. Ganz zu schweigen von den in den Kommunen benötigten Arbeitsplätzen sollte sich die Frage nach der Notwendigkeit eines gut ausgebauten 5G-Netzes in Zeiten des digitalen Wandels und der Globalisierung gar nicht erst stellen. 

Bundesnetzagentur muss nachbessern

Gleichberechtigung in Fortschritt und Technik sowie in puncto Informationsbeschaffung, Innovation und Gesundheitswesen darf keine Frage der regionalen Niederlassung sein. Dennoch wird es bis zum Jahr 2019 dauern, bis die Bundesnetzagentur über weitere Antragsverfahren entscheidet. Auf den zügigen, flächendeckenden 5G-Ausbau für gleichwertige Lebensverhältnisse bleibt daher zu warten. Der VKU begrüßt zwar, dass die Bundesnetzagentur auf Antrag und unter Vorstellung eines Nutzungskonzeptes lokale und regionale Frequenzen vergeben möchte, doch sieht er auch Bedarf zur Nachbesserung.

Auch die Elektroindustrie pocht auf bessere Infrastruktur

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hingegen sieht die Schwierigkeiten eines flächendeckenden Netzausbaus an anderer Stelle. Werden im Jahr 2019 die lokalen und regionalen 5G-Frequenzen versteigert, so fürchtet der Vertreter der mittelständischen deutschen Elektroindustrie, wird es an geeigneter Infrastrukturanbindung vielerorts noch fehlen. 

Offene Kapazitäten gibt es besonders im Tiefbau. Auch der Fachkräftemangel stellt ein Problem dar. Der ZVEI fordert daher von der Bundesregierung, mehr für die Aus- und Weiterbildung in der Branche zu tun. Gleichzeitig müssten Hürden bei Planung und Bau verschwinden. Bis 2025 will der Verband das 5G-Netz regional und gleichberechtigt ausgebaut haben. Die notwendigen Weichen dafür sind allerdings noch nicht abschließend gestellt.

Fotos: Pixabay

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