Wird es Zeit, Cannabis zu legalisieren?

Über die mögliche Legalisierung von Cannabis debattieren in Deutschland seit Jahren viele Menschen und offizielle Stellen, nicht nur der Bundestag. Wöchentlich erscheinen in der Presse neue Berichte und Studienergebnisse, die entweder dafür oder dagegen argumentieren. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Cannabis auch hierzulande legal sein wird.

Die aktuelle WHO-Studie zum Thema Cannabiskonsum (Stand 2015) hat die Gesundheits- und Sozialeffekte des nichtmedizinischen Gebrauchs von Cannabis, speziell bei jungen Menschen und Langzeitkonsumenten, untersucht. Dabei hat sie die Forschungsergebnisse diverser internationaler Experten zusammengefasst. Das Ergebnis: Teenager sind – ähnlich wie bei Alkoholkonsum – ungleich gefährdeter als Erwachsene, den negativen Folgen zu erliegen. Gleiches gilt bezüglich einer Abhängigkeitsgefährdung bei unregelmäßigem Konsum.

Politik streitet seit Jahren über Legalisierung

Unabhängig von den Ergebnissen solcher anerkannten Studien gehen die politischen Meinungen zur Legalisierung von Cannabis weit auseinander. Grünen-Politiker Cem Özdemir sagt: „Der Schwarzmarkt blüht, es gibt weder einen funktionierenden Jugend- noch Gesundheitsschutz.“ Und er kritisiert die Drogenpolitik der Regierung somit als gescheitert. Überhaupt fordern die Grünen recht geschlossen die kontrollierte, legale Ausgabe von Cannabis und verweisen auf Länder wie Kanada, in denen die Legalisierung ihrer Meinung nach dem Schutz von Kindern und Jugendlichen gilt. Dass die Koalition sich weigert, das Thema voranzutreiben, bezeichnete die Grüne Kirsten Kappert-Gonther als „Retropolitik“. Ein Cannabiskontrollgesetz liege bereits zur Ansicht vor. Es hält sich in den Details an die Regelungen, die vor Kurzem Kanada umgesetzt hat. Geregelt werden dabei alle Einzelschritte, vom Cannabis-Anbau über Ernte, Verarbeitung und Handel bis zum Verkauf.

Cannabis sativa als Heilpflanze

Noch in den Neunzigern galt Cannabis in Deutschland als Einstiegsdroge. Inzwischen gibt es immer mehr Befürworter, die seine Wirkungen als alternativmedizinisches Allheilmittel feiern. Weit hergeholt ist diese Meinung nicht. Denn die schmerzlindernden und therapeutischen Vorteile der Hanfpflanze waren bereits vor Jahrtausenden bekannt. Der Anbau und die Zucht von Cannabis als Rauschmittel hingegen ist eine eher moderne Entwicklung im Umgang mit der Pflanze. 

Zumindest seit 2017 gibt es in Deutschland Cannabis aus der Apotheke auf Rezept für Schmerzpatienten. Für jeden anderen sind Anbau, Verkauf und Besitz verboten. Nach § 29 Absatz 1 Satz 1 und 3 des BtMG sind diese strafbar, während der Konsum nicht unter den Straftatbestand fällt. Wer jedoch beim Cannabiskonsum erwischt wird, muss nachweisen, sich nicht des Besitzes strafbar gemacht zu haben, um tatsächlich keine Konsequenzen zu erwarten. Weltweit sehen die gesetzlichen Regelungen dagegen anders aus: Immer mehr Länder erkennen die Vorteile der Legalisierung von Cannabis. 

Wie ist der Stand der Cannabis-Legalisierung weltweit?

Selbst in den USA tendieren immer mehr Bundesstaaten zur Legalisierung von Cannabis. Der Besitz und der Konsum sind seit 2012 in einigen Staaten erlaubt, darunter in Washington, Colorado, Kalifornien, Nevada und Alaska. Auch einzelne Städte, wie Portland, ziehen mit. In Deutschland war Cem Özdemir bereits vor Jahren überzeugt, dass Cannabis bis 2017 legalisiert sein würde. Auch die SPD sprach sich zuletzt im Frühjahr 2018 für eine Entkriminalisierung der mehreren Millionen Deutschen aus, die regelmäßig Cannabis konsumieren – aus medizinischen Gründen oder anderen. 

Erlaubtes Kiffen, so ist man sich unter den Befürwortern weltweit einig, würde die Gesellschaft sicherer machen und den unkontrollierten Schwarzmarkt deutlich verkleinern. Bisher hätten sich laut SPD-Fraktionschef Raed Saleh weder das Verbot von Cannabis praktisch bewährt noch Strafen ihre Wirkung gezeigt. SPD, Grüne und Linke haben sich deshalb vorgenommen, wissenschaftlich begleitet ein Modellprojekt zu erstellen. 

Was spricht gegen die Legalisierung von Cannabis?

Die Gründe gegen den Cannabiskonsum liegen auf der Hand: Auch wenn in den Niederlanden seit 1976 der Konsum und der Besitz von maximal 30 Gramm erlaubt sind, würden Coffeeshops in Deutschland nicht nur befremdlich wirken. Der regelmäßige Konsum sorgt nachweislich für psychische Störungen, selbst der einmalige Konsum kann Halluzinationen und Angstzustände hervorrufen. Eine nachweisliche Droge für legal zu erklären braucht daher gute Gründe. 

Auch wenn manch eine Studie das Kiffen als gesundheitlich weniger bedenklich als beispielsweise den Alkoholkonsum einstuft, ergeben sich im Alltag Schwierigkeiten. Denn Cannabiskonsumenten kann der Laie auf den ersten Blick nicht erkennen. Das heißt, Arbeitgeber, Kollegen und Straßenverkehrsteilnehmer bemerken nicht unbedingt, wann sie es mit einem akuten Fall von Cannabiskonsum zu tun haben. Während ein alkoholisierter Fahrer recht leicht erkennbar ist, ist das bei einem versierten Kiffer schon etwas schwieriger. 

Dennoch gilt für Alkohol und Cannabis Ähnliches: Wer heimlich konsumieren möchte oder es sogar aus Suchtgründen nötig hat, dem gelingt sein Vorhaben. Weder Gesetze noch Arbeitsverlust, Strafen oder Abmahnungen können daran etwas ändern. Letztlich wird es, wirft man einen Blick in die weltweite Entwicklung der letzten Jahre, nur eine Frage der Zeit sein, bis die Legalisierung auch in Deutschland kommt. Ausschlaggebend ist daher nicht das Ob, sondern das Wie.

Fotos: Pixabay.com

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