Hilfe zur Selbsthilfe – greift die Ausbildung „Made in Germany“ in Afrika?

Hierzulande hat sich das duale Ausbildungssystem, Schule oder Universität plus Ausbildung, längst bewährt. Mittlerweile ist dieses Modell auch Teil der deutschen Entwicklungshilfe Made in Germany in Afrika. Vieles spricht dafür, dass dies ein passender Bildungsansatz für junge Menschen, zum Beispiel in Kenia, ist.

Gemeinsam arbeiten die Bundesregierung und die KfW Entwicklungsbank in Frankfurt daran, das deutsche duale Ausbildungssystem nach Afrika zu exportieren. Der Hintergrund ist, dass es für junge Menschen auf dem südlichen Kontinent häufig ein steiniger Weg ist, in den Arbeitsmarkt zu starten. So brachte Berlin die Entwicklungshilfe in diesem Bereich auf den Weg: Über acht Milliarden Euro verteilt die KfW weltweit in diesem Jahr.

Kenia übernimmt duales System

Eine der WegbereiterInnen für diese Art der Hilfe ist die Volkswirtin Lena Hoefling. Sie arbeitet als Projektmanagerin bei der KfW Entwicklungsbank und fokussiert sich auf Bildung und Gesundheit in Ostafrika. Derzeit agiert sie im Rahmen eines 20-Millionen-Euro-Projekts. „Unser Ziel ist, ein Netzwerk aufzubauen aus staatlichen Ausbildungszentren in Kenia, die arbeitsmarktnahe Berufsausbildung für Jugendliche anbieten", sagt sie. Ganz wie in Deutschland soll das duale System dort greifen: Theorie in der Schule, Praxis in Firmen.

Auf diese Weise will die kenianische Regierung Ausbildung „Made in Germany“ etablieren, und Lena Hoefling unterstützt dieses Ziel mit ihrer täglichen Arbeit. Dazu erklärt sie: „Die Auszubildenden sollen in Sektoren wie Mechanik, Mechatronik, Elektronik arbeiten, weil das ist, was auch Studien zeigen, wo die großen Bedarfe in der dynamischen Wirtschaft Kenias liegen." Geplant ist, jährlich 800 Mechatroniker in Kenia auszubilden, wobei die Lehrzeit mit nur einem Jahr kürzer ist als hierzulande.

Braun bildet in Kenia aus

Auch Heinz-Walter Große, Vorstandsvorsitzender von B. Braun, einem global agierenden Pharmaunternehmen mit Sitz im nordhessischen Melsungen, freut es, dass das duale System in Afrika Fuß fassen soll. Schon seit 60 Jahren liefert sein Unternehmen Medizinprodukte in alle Teile des südlichen Kontinents und unterhält Tochtergesellschaften in Südafrika und Kenia.

„Wir sehen in afrikanischen Krankenhäusern viel Medizintechnik, die ungenutzt in Gängen steht, weil es kein qualifiziertes Personal gibt, diese Maschinen in Betrieb zu nehmen oder sie zu reparieren", so Große. Dies ist ein wichtiger Grund für seine Firma, selbst in Kenia auszubilden, insbesondere Schwestern und Techniker für die Dialyse. Wobei diese Bildungsschiene nicht mit der dualen Ausbildung in Deutschland gleichzusetzen ist; es handelt sich eher um Weiterbildungen.

IHK fördert Lehre in Nigeria

Zudem findet auch Robert Malzacher von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg, dass eine deutsch geprägte Ausbildung für afrikanische Jugendliche passen kann. Diese IHK-Niederlassung ist seit 2012 in Nigeria tätig und gründete dort, zusammen mit lokalen Unternehmenspartnern, ein Ausbildungszentrum für den technischen Bereich. Die dortige Lehrzeit beträgt ein Jahr, wobei die Übernahmequote bei 80 bis 100 Prozent liegt. Dazu erläutert Malzacher: „Hier mussten wir die Unternehmen von dem Nutzen der Ausbildung, nämlich dass sie als Ergebnis später qualifizierte Fachkräfte haben, überzeugen, und dass die jungen Leute auch ihre Lebenshaltungskosten decken können, sonst können sie ja nicht zu den Unternehmen kommen. Das hat sich bewährt, hier haben wir überzeugen können.“

Fazit: Diese Projekte belegen, dass es funktioniert und zukunftsweisend ist, deutsche Ausbildungsmodelle nach Afrika zu bringen. Wobei es entscheidend ist, die Konzepte detailliert zu erklären und an die Bedingungen vor Ort anzupassen.  

Bild: fotolia.com - samsingh

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden. Hier können Sie einen neuen Kommentar verfassen.

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.