Kleidung Made in Germany - die Modeindustrie vor neuen Herausforderungen

Große Auswahl im Shop!

Nach der Nahrungsmittelindustrie stellen Textil und Bekleidung die zweitgrößte Branche für Konsumgüter dar. Damit gehört die Textilindustrie in Deutschland zu den wichtigsten Zweigen der deutschen Wirtschaft. Auch auf dem internationalen Markt behaupten sich die Hersteller mit Kleidung aus Deutschland: Die relativ hohe Exportquote liegt bei rund 40 Prozent. Mode Made in Germany steht für gute Qualität und modernes Design.

Kleidung drückt gleichzeitig Individualität und Gruppenzugehörigkeit aus. Daraus ergibt sich ein hohes Maß an Konformität in grundlegenden Trends; die spezifischen Details machen jedoch den Unterschied. Die Unvorhersehbarkeit von neuen Tendenzen resultiert für die Hersteller im sogenannten Moderisiko: Die in Deutschland produzierte Kleidung kommt möglicherweise nicht in Mode. Zudem üben die enorme Vielfalt und das große Angebot auf die Konsumenten Druck aus, die richtigen Kaufentscheidungen zu treffen. Die darauf basierende Zuordnung von soziodemografischen Merkmalen misst der Auswahl eines Kleidungsstücks noch höheren Prestigewert bei. Denn auch heute noch machen Kleider Leute.

Kleider machen Leute 2.0

Den gesteigerten Orientierungsbedarf können Modehersteller für sich nutzen, wenn sie es schaffen, im Zeitalter der Digitalisierung zu überleben. Die Mode- und Textilindustrie in Deutschland besteht zum Großteil aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Durch die neuen Herausforderungen unserer Zeit befindet sich die Branche im Wandel. Alte Strategien greifen nicht mehr, und wer Kleidung produziert in Deutschland, muss innovative Ansätze finden, um auf dem fluktuierenden Markt zu bestehen. Bisher gelingt dies nur im Kleinen; die Umsatzentwicklung lässt einen eindeutigen Trend erkennen: Von 2009 bis 2011 stieg der Wert des Warenumschlags von 7,1 auf 7,7 Milliarden Euro, seither sanken die Zahlen für Mode Made in Germany jedoch auf zuletzt 7,2 Milliarden Euro im Jahr 2016.

Big Player der Bekleidungsindustrie

Die Bekleidungsindustrie lässt sich in verschiedene Sektoren unterteilen. Dabei entfällt der größte Umsatz der Textilindustrie in Deutschland auf sonstige Oberbekleidung, doch hier ist auch der stärkste Rückgang zu finden: 2016 wurden gegenüber dem Vorjahr 6,2 Prozent weniger erreicht. Im gleichen Zeitraum gab es im Bereich Arbeits- und Berufsbekleidung aus Deutschland einen Zuwachs von 3,6 Prozent, bei Strumpfwaren waren es sogar 5,8 Prozent. Auch Lederbekleidung und sonstige Bekleidung/Zubehör haben ein Plus vor den Umsätzen. Der Bereich Wäsche steht nur leicht im Minus.

Die höchsten Verkaufszahlen der deutschen Modeindustrie erzielt der Versandhandel Otto, knapp vor H&M. Auf den weiteren Plätzen folgen C&A, Galeria Kaufhof, Tengelmann und Karstadt. Noch belegen die klassischen Warenhäuser und Versandhandel die Top-Positionen, doch viele Discounter sind aufstrebende Konkurrenten bei Kleidung aus Deutschland. Auf dem achten Platz findet sich Lidl wieder, Aldi markiert Platz 10. Die alteingesessenen Betriebe der Textilindustrie in Deutschland leiden zusätzlich unter dem täglich wachsenden Online-Angebot. Insgesamt sinkt die Anzahl der produzierenden Betriebe, die Kleidung in Deutschland produziert. Von 267 Herstellern 2015 fiel sie auf 252 im Jahr 2016.

Etablierte Marken für Mode Made in Germany auf dem Prüfstand

Der ostwestfälische Modekonzern Gerry Weber aus Halle ist seit 45  Jahren auf dem Markt aktiv. Der ehemalige Damenhosenhersteller beschäftigt knapp 7.000 Mitarbeiter und verkauft Kleidung sowie Accessoires in mehr als 60 Ländern. Nach einer langen Erfolgsgeschichte spiegeln sich jedoch auch hier die Probleme der Textilindustrie in Deutschland wider. Im Zuge einer Neuausrichtung des börsennotierten Unternehmens schlossen 143 Filialen. Weitere Maßnahmen dämmten die Kosten um 30 Millionen Euro ein; in der Gewinnbilanz zeigte sich bisher allerdings keine rentable Auswirkung. Aus Jahressicht verloren die Wertpapiere um mehr als 40 Prozent. Anfang Mai dieses Jahres konnte die Gerry Weber Gruppe jedoch erstmals wieder einen leicht positiven Kursverlauf für ihre Kleidung Made in Germany vorweisen.

Was sagt uns ein solcher Fall?

Zu den klassischen Herausforderungen der Modeindustrie gehören nicht nur saisonale und konjunkturelle Schwankungen. Denn Mode ist als Prozess zu begreifen, der kurzfristig die Bekleidungsvorlieben einer Gruppe verändert. Das macht den Markt für Kleidung aus Deutschland hochdynamisch und führt zu kürzeren Produktlebenszyklen. Zusätzlich lässt der Abbau von Handelsbeschränkungen die Konkurrenz stark wachsen und trägt zu einem erhöhten Kostendruck bei. Deshalb bevorzugt in Deutschland produzierte Kleidung eine möglichst sparsame Arbeitsweise.

Mode Made in Germany: Produktion mit zweifelhafter Moral

Besonders aufwendige Fertigungsabschnitte verlegen die Hersteller ins Ausland. Bei der Wahl des Standorts haben zu oft Menschenrechte gegenüber der Kosteneffizienz das Nachsehen. Durch die dezentrale Verteilung der Wertschöpfungskette auf Länder wie Bangladesch, China, Indien oder die Türkei entstehen komplizierte Netzwerke von Lieferanten und Zustellern. So ist eine Kontrolle der Arbeitsbedingungen nur eingeschränkt möglich. Dennoch sollten Abnehmerfirmen bestehende Zertifizierungssysteme nutzen und diesbezüglich Nachweise von Lieferanten verlangen. Mit der Voraussetzung von entsprechenden Siegeln kommt auch der Umweltschutz zu seinem Recht.

Im Kampf gegen Ausbeutung steht der Verbraucher von Kleidung aus Deutschland ebenfalls in der Pflicht. Oftmals ist es jedoch unklar, auf welchem Weg ein Kleidungsstück ins Regal gelangt. Daher sollten Konsumenten von den Unternehmen Transparenz einfordern. Ohne Kenntnis der Folgen des eigenen Kaufverhaltens wird dies jedoch nicht geschehen; großflächige Aufklärung über die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen ist deshalb essenziell.

Nachhaltige Mode Made in Germany

Es gilt, in den Unternehmen ein allgemeines Bewusstsein für nachhaltige Produktion von der obersten Führungsebene aus zu kommunizieren – dies sollte ein Teil der Geschäftsphilosophie der Textilindustrie in Deutschland sein. In dieser Hinsicht bedarf es noch viel Aufklärungsarbeit in der Branche. Allerdings weist der Markt auch positive Beispiele auf, wie Marc Cain, Manomama oder BADER. Das sogenannte Reshoring bezeichnet die Rückverlagerung des Produktionsstandorts nach Deutschland. Seit 2003 zeichnet sich dieser Trend in der Wirtschaft ab. Hauptgründe dafür sind mangelnde Qualität und Flexibilität bei der Herstellung im Ausland. In Anbetracht der zunehmenden Abschottung vieler Märkte weltweit umgehen Firmen auf diese Weise außerdem das Risiko hoher Importzölle, die Kleidung wird wieder in Deutschland produziert.

In der Textilindustrie in Deutschland sind die Erwartungen weniger kritisch. Die Umsatzentwicklung steigt kontinuierlich. Als neuer Treiber für Mode Made in Germany gilt die Nachfrage von technischen Textilien; sie ist stark gestiegen. Besonders häufig finden diese Fasern in Hightech-Produkten Verwendung, u. a. in Autos, Bauwerken und der Medizin – 60 Prozent des Gesamtumsatzes stammen aus dieser Sparte. Allerdings muss auch in der Textilindustrie in Deutschland ein Schub hin zur nachhaltigen Produktion stattfinden, andernfalls wird unsere Gesellschaft im Ganzen die Folgen zu verantworten haben.

Hier unsere Top 5 der Modeunternehmen Made in Germany

  • Marc Cain
    Das Modeunternehmen Marc Cain wurde 1973 von Helmut Schlotterer gegründet. 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz 264 Mio Euro und zählt damit zu den erfolgreichsten Mode-Unternehmen Made in Germany.

  • Trigema
    Das Unternehmen schreibt sich 100% Made in Germany auf die Fahne. Zurecht, denn das Unternehmen webt, färbt und vernäht die Stoffe noch selbst. Mit einem Jahresumsatz von 98 Mio Euro im Jahr 2016 beweist das Unternehmen, dass es zu den größten der Mode-Branche Made in Germany gehört.

  • Bruno Banani
    Die Bruno Banani Underwear GmbH wurde bereits 1993 gegründet und zählt zu den erfolgreichsten in Ostdeutschland ansässigen Unternehmen.

  • Mia Mia
    Die von Stick Zella geführte Marke produziert Mode Made in Germany in der eigenen Manufaktur per Hand.

  • Manomama
    Das Unternehmen baut auf regionale Lieferanten und legt großen Wert auf ökologische Materialien.


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