Die Karriere des Jogi Löw

Aus dem Schwarzwald in die Welt

Idyllisch, aber auch etwas eng und eingepfercht mutet es an, wie die kleinen Häuser sich an die Hänge des südlichen Schwarzwaldes schmiegen. Im Zentrum des Dorfes sticht die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem 90 Meter hohen Glockenturm aus dem Ensemble der ansonsten eher niedrigen Häuser heraus. Damit gehört Schönaus Kirchturm zu den höchsten im Landkreis Lörrach. 

Viel mehr hat der nur etwa 2.300 Seelen umfassende Flecken nicht an Superlativen zu bieten: Es gibt ein Schwimmbad, das – wie bei Wikipedia zu lesen ist – im Rahmen einer grundständigen Sanierung vollständig mit Edelstahl ausgekleidet wurde und ein paar Schulen. Weiterhin ist Schönau ein lokales Zentrum der Bürstenfabrikation. Berühmtheit erlangte Schönau in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als Bürger des Ortes sich nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl als „Stromrebellen“ betätigten: Mit ihrem Engagement im Rahmen einer Bürgerinitiative erreichten sie nach einem mehr als einem Jahrzehnt währenden Kampf, dass die Schönauer ihre Stromversorgung selbst in die Hand nahmen – mit dem Kauf des Elektrizitätsnetzes. Noch heute bieten die Elektrizitätswerke Schönau bundesweit Ökostrom an und haben sich zu einem der bedeutenden Anbieter in diesem Marktsegment etabliert. Ein durchaus zweischneidiges Umfeld also, bestehend aus ländlicher Tradition und der Moderne des aufgeklärten und für seine Rechte kämpfenden Bürgertums. Doch bis die „Stromrebellen“ hier Fuß fassen sollten, hatte der berühmteste Sohn des Ortes, Joachim Löw, seinen Heimatort bereits längst hinter sich gelassen und schießt zu diesem Zeitpunkt bereits zum dritten Mal jede Menge Tore für den SC Freiburg. Doch alles der Reihe nach, zurück zu seinem Geburtsort und seiner Familie.

Heile Welt in Schönau

In diesem malerischen Tal, umgeben von den sanft geschwungenen, buckeligen Hügeln des Schwarzwaldes, liegt also die Wiege eines der erfolgreichsten Bundestrainer der deutschen Nachkriegsgeschichte: Hier, im südwestlichsten Zipfel Baden-Württembergs, im Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Schweiz, erblickte Joachim „Jogi“ Löw am 3. Februar 1960 das Licht der Welt. Er ist das älteste Kind des Ehepaars Löw. Sein Vater, der mittlerweile verstorben ist, arbeitete als Ofensetzermeister. Die Nachkriegsjahre sind hart, sein Vater arbeitet viel, an einen Urlaub oder Ferien außerhalb des Schwarzwaldstädtchens ist nicht zu denken. Schließlich hat der Betrieb gut 20 Mitarbeiter, und da kann man nicht einfach mal so für ein paar Wochen wegfahren. Seine Mutter, Hildegard Löw, war Hausfrau und lebt heute in einem Seniorenheim in der Nähe von Freiburg. Sie ist übrigens eine der wenigen Menschen, die Jogi tatsächlich Joachim nennt. Nur wenige Jahre nach ihm kommen seine beiden Brüder Peter und Markus auf die Welt. Peter, dessen Spitzname Pit ist, führt in Schönau die Vereinsgaststätte des SC Schönau. Dieser ist einer von Jogi Löws ersten Vereinen seiner Kindheit und Jugend, hier hat seine Leidenschaft für den Fußball ihre Wurzeln. Zuvor hatte er bereits beim zweiten Fußballclub des Ortes, dem TuS Schönau 1896, erste Erfahrungen mit dem runden Leder gesammelt. Dass die Begeisterung für den Fußball in der Familie verankert ist, beweist sein etwa ein Jahr jüngerer Bruder Markus: Als Mittelfeld- und Abwehrspieler war er von den achtziger bis Anfang der neunziger Jahre unter anderem beim FC Freiburg, dem SV Sandhausen und dem FV 09 Weinheim unter Vertrag, bevor er seine Karriere als aktiver Spieler schließlich im Jahr 1993 beendete. Die Beziehung zwischen den Löw-Brüdern ist dem Vernehmen nach eine gute, und auch zu seiner Mutter pflegt der Trainer der deutschen Nationalmannschaft ein inniges Verhältnis. Bereits seit 1977 ist Löw mit seiner Ehefrau Daniela zusammen, die beiden heirateten 1986, blieben aber kinderlos. Im Jahr 2016 schließlich gaben die Löws ihre Trennung bekannt. Doch auch knapp drei Jahre nach Bekanntwerden der Trennung steht bei den beiden keine Scheidung ins Haus, da sie nach wie vor einen respektvollen und vertrauensgeprägten Umgang miteinander pflegen.

Frühe Fußballbegeisterung

Doch zurück zu den frühen Jahren von Schönaus wohl berühmtestem Sohn. Der besuchte nach der Grundschule zunächst das Gymnasium, das er im Jahre 1977 mit der Mittleren Reife in der Tasche verließ. Danach folgte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, nach anderen Quellen auch zum Dentalkaufmann, doch wahrscheinlich ist hier eher die Branche gemeint, in der die Ausbildung absolviert wurde. Doch seine „bürgerliche“ berufliche Karriere sollte nur ein Begleitspiel zu seinem fulminanten fußballerischen Erfolg sein. Schließlich stand er schon im Grundschulalter zum ersten Mal auf dem Fußballplatz. Dafür spricht seine Erinnerung an seine ersten Fußballschuhe, die er mit fünf oder sechs Jahren geschenkt bekommen hatte: „Ich glaube, das war das Modell „Uwe Seeler“, mit fünf oder sechs Jahren hatte ich die. Copa Mundial, mit Lederstollen. Die trage ich heute noch am liebsten, jetzt mit Nocken.“ Doch ins Bett nahm er sie, wie er einmal in Interview offenbarte, nie. Denn der Ball war ihm viel wichtiger. So wichtig, dass er ihn schon mal zwei Kilometer lang – so weit war der Weg vom elterlichen Haus bis zum Sportplatz – dribbelnd ständig am Fuß hatte. Zur Bedeutung des Balls in seiner Kindheit noch einmal Löw selbst: „Den Ball habe ich mit ins Bett genommen, nicht die Schuhe. Der Ball musste immer an meiner Seite sein. Ich hab immer gegen die Hauswände gespielt, so halbhoch. Mal ist der Schuss auch schon mal abgerutscht, gegen die Fensterscheibe.“ Die Fensterscheibe, das war die Glasfront der benachbarten Schreinerei, die an das Grundstück der Familie Löw grenzte. Wohl nicht nur einmal ging ein Schuss von Jogi und seinen Brüdern durch die Fensterscheiben des Handwerksbetriebs, was der Unterstützung der Fußballbegeisterung seiner Söhne durch den Vater des Hauses Löw jedoch keinen Abbruch tat, im Gegenteil. Tatkräftig unterstützte dieser die Ambitionen seines Sprösslings, einmal im Profibereich Fuß fassen zu wollen: „Mein Vater war im Vereinsvorstand vom TuS Schönau und bei jedem Spiel auf dem Sportplatz. Er hatte für den Fußball mehr Verständnis. Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass wir die Hausaufgaben machen. Aber das Kicken war für mich persönlich schon das zentrale Thema“, erinnert sich Löw an die damalige Zeit. Was die Schule angeht, so meisterte er deren Herausforderungen zwar nicht immer mit Bravour, doch erfüllte er sein Soll. Sie war sozusagen ein lästiges Pflichtspiel für den angehenden Profisportler: „Ich war in Mathe, Chemie und Physik nicht sonderlich begabt, andere Fächer haben mir da mehr Spaß gemacht“, so Löw. Dennoch: Beruflich zog es ihn zum Fußball. Doch zurück zu den Anfängen. Wie und wo begann eigentlich Jogis Karriere? Wo verdiente er sich seine ersten Sporen als Fußballer? Werfen wir noch einmal einen Blick zurück in seine Heimat und die dort ansässigen Vereine.

Lieber Fußball als Party

Ministrant sein und zur gleichen Zeit Fußball spielen? Für Jogi Löw waren das keine Gegensätze. Im Gegenteil, er begreift sich selbst als typisches Kind der der sechziger und siebziger Jahre. Viele Freizeitmöglichkeiten gab es in Schönau nicht, und schon früh entdeckt er seine Lust am Fußballspielen. Seine ersten Stationen als Kind und Jugendlicher sind die beiden in der Gemeinde ansässigen Vereine TuS Schönau 1896, FC Schönau 08. In dieser Zeit findet er auch seine Position als Stürmer und fällt schon früh als talentierter Spieler auf. Schließlich führt in sein Weg mit 17 Jahren zu den Sportfreunden von Eintracht Freiburg, bei denen er anheuert, als er das elterliche Heim hinter sich lässt. Dieser Sprung vollzieht sich nach dem Abschluss des Gymnasiums, das er zwar ohne Abitur, dafür aber mit der Mittleren Reife nach der zehnten Klasse verlässt. Direkt im Anschluss startet er seine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann, die er ebenso erfolgreich absolviert. Dass die damalige Doppelbelastung aus Arbeit und Sport eine zeitliche Herausforderung für ihn war, daran erinnert er sich noch heute. Auch daran, dass er kein großer Partygänger war und seinem Ziel, sich eine Profikarriere als Spieler aufzubauen, vieles unterordnete: „Natürlich ordnet man dem Sport vieles unter. Mit 17 war das schon eine harte Zeit. Ich hab eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, musste morgens um 6 Uhr aufstehen, war bis 17 Uhr im Betrieb. Von 18 bis 20 Uhr war dann Training. Gegen 21 Uhr bin ich erst heimgekommen. Da war alles sehr durchgetaktet“, so sein Resümee.

Start der Profikarriere in Freiburg

Doch gelitten hat er unter diesem Stress damals nicht. Im Gegenteil, er wusste ja, für was er diese Strapazen auf sich nahm: für seine Leidenschaft, den Fußball. Und so kann er auch mehr als vier Jahrzehnte später diesem Abschnitt seines Lebens nur Gutes abgewinnen und verneint die Frage, ob er in jenen Tagen Dinge wie feiern gehen oder den Besuch von Diskotheken vermisst habe: „Nein, damals hatte ich nicht das Gefühl. Natürlich sind wir mit den Mitspielern mal nach dem Spiel weggegangen. Der Fußball war meine Leidenschaft. Aber nicht unter Zwang, sondern selbstverständlich. So ist es ja heute noch.“ Seine Beharrlichkeit und Ausdauer sollten kurze Zeit später belohnt werden: Bereits 1978 startete Jogi Löw seine Profikarriere beim SC Freiburg, der in jener Saison gerade in die 2. Fußballbundesliga aufgestiegen war. In den zwei Jahren bis 1980, in denen er dort kickte, wurde er während der beiden Spielzeiten insgesamt 71 Mal eingesetzt und schoss für seinen Club dabei 18 Tore. Daraufhin eröffnet sich für ihn zum ersten Mal die Welt der 1. Liga: Mit Beginn der Saison 1980/81 spielte er für den VfB Stuttgart, wurde jedoch noch vor Saisonbeginn vom Verletzungspech geplagt: Ein Schien- und Wadenbeinbruch zwang ihn zu einer unfreiwilligen Spielpause, sodass er erst im Februar 1981 sein Debüt als Feldspieler absolvieren konnte. In jener Saison, die sich nach der Winterpause ja schon in der zweiten Hälfte befand, setzte ihn der Trainer insgesamt vier Mal ein. Leider erzielte Löw in diesen Spielen kein Tor. Nach diesem eher unglücklich verlaufenen Einstand in der Bundesliga verlieh ihn sein Verein SC Freiburg in der Folgesaison an die Frankfurter Eintracht, die in der ersten Bundesliga spielte. Dort wendete sich das Blatt gleich zu Beginn, sollte man meinen: Bereits am ersten Spieltag, als er sein erstes Spiel für die Hessen bestritt, erzielte er den Führungstreffer gegen den 1. FC Kaiserslautern. Auch wenn das Spiel letztlich 2:2 ausging, gab ihm dieses Erlebnis mit Sicherheit einen Motivationsschub für spätere Spiele. In insgesamt 24 Bundesliga-Spielen im Trikot der Eintracht gelangen ihm allerdings nur fünf Tore, sodass er sich dort als Stammspieler letzten Endes nicht zu etablieren vermochte.

Erfolgreiche Zeit als Spieler

Nach diesem Intermezzo am Main kehrte Löw 1982 wieder zum Zweitligisten SC Freiburg zurück. Sein erster Profiverein nahm ihn mit offenen Armen wieder auf, und der damalige Trainer Werner Olk war gerade frisch zu den Freiburgern gestoßen und sollte – ebenso wie Löw – zwei Spielzeiten dort absolvieren. Diese Zeit sollte die erfolgreichste in der Spielerkarriere des zukünftigen Bundestrainers sein. In der Saison 1982/83 stand er bei allen 34 Spielen auf dem Platz und erzielte hierbei insgesamt acht Treffer. Im zweiten Jahr folgte das beste Jahr seiner Karriere als aktiver Spieler: Nicht weniger als 17 Tore schoss Löw für Freiburg, und das in 31 Einsätzen für den damaligen Zweitligisten. Nach dieser Saison schnupperte Löw erneut Erstligaluft: Im Sommer 1984 ging es für ihn zum Karlsruher SC. Er wurde dort häufig eingewechselt, und im Verlauf der von ihm bestrittenen 24 Spiele in jener Saison traf er zwei Mal ins Tor des Gegners. Doch seine Zeit bei Karlsruhe währte nur kurz: Bereits nach einer Saison endete sein Gastspiel dort, und er kehrte zum dritten Mal zum SC Freiburg zurück. Dort angekommen, spielte er für die Freiburger insgesamt vier Jahre lang in der zweiten Bundesliga. Von 1985 bis 1989 nahm er an 116 Spielen als Stürmer teil und schoss in diesem Zeitraum 38 Tore. Jedoch waren seine Einsatzzeiten nicht gleichmäßig verteilt: Seine Hochform erreichte er in den ersten beiden Spielzeiten: Hier wurde er in jeweils 37 Spielen eingesetzt und erzielte 12 beziehungsweise 17 Tore. In den letzten beiden Bundesligaspielzeiten seiner Karriere wurde es etwas ruhiger um ihn: In der vorletzten Saison erzielte er sieben Treffer, in der letzten Saison 1988/89 noch zwei. Den Abschluss seiner Zeit als aktiver Spieler bildeten je zwei Spielzeiten bei den Schweizer Vereinen FC Schaffhausen (1989 bis 1992) sowie dem FC Winterthur, wo er von 1992 bis 1994 als Stürmer wirkte. Den Schlusspunkt bildete die Saison 1994/95, als er beim FC Frauenfeld unter Vertrag stand. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte seine Trainerkarriere schon längst begonnen. Schauen wir uns an, wo diese ihren Anfang nahm und sich dann stetig weiterentwickelte.

Beginn der Trainerkarriere

Auch Trainer der Nationalmannschaft haben einmal klein angefangen. Das gilt auch für Jogi Löw: Nachdem er dem deutschen Profifußball mit seinem Wechsel in die Schweiz endgültig den Rücken gekehrt hatte, übernahm er im Jahre 1994 erstmals einen Trainerposten beim FC Winterthur, wo er zur gleichen Zeit als Spieler in der „Zweiten Bundesliga der Schweiz“, der Nationalliga B, unter Vertrag stand. Hier trainierte er D-Jugend des Vereins. Spielertrainer wurde er noch im gleichen Jahr, und zwar beim ebenfalls in der Schweiz ansässigen FC Frauenfeld. Zu diesem drittklassigen Verein war er selbst in jenem Jahr gewechselt. Dieses Jahr war auch das Jahr, in dem er eine Ausbildung als regulärer Fußballtrainer begann. Doch kam er gar nicht dazu, diese Ausbildung auch abzuschließen, weil ihn bereits 1995 der damalige Trainer des VfB Stuttgart, Rolf Fringer, als seinen Co-Trainer haben wollte. Löw nahm das Angebot an. Mit der erhofften Teilnahme am UEFA-Pokal wurde es in der Saison 1995/96 jedoch nichts. Fringer ging als neuer Nationaltrainer der Eidgenossen in die Schweiz, sodass Löw gerade einmal vier Tage vor Beginn der neuen Saison, am 14. August 1996, zum Interimstrainer in Stuttgart ernannt wurde. Doch Löw agierte erfolgreich und gewann die ersten sechs Spiele der neuen Saison, sodass ihn der damalige Club-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Ende September zum Cheftrainer erhob. Es folgten erste größere Erfolge, zum einen der Gewinn des DFB-Pokals durch einen 2:0-Sieg gegen Energie Cottbus in der Saison 1996/97, zum anderen das letztlich verlorene Finale im Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Chelsea. Überdies gelang ihm in dieser Saison auch die erneute Platzierung auf einen UEFA-Cup-Platz (4. Tabellenposition). Dennoch ersetzten ihn die Cluboberen am Saisonende durch Winfried Schäfer.

Auf und Ab eines Spielertrainers

Das Ende der neunziger Jahre sowie den Beginn der sogenannten Nullerjahre des neuen Jahrtausends waren für Löw im Hinblick auf seine Trainertätigkeit wohl eher eine kontinuierliche Berg- und Talfahrt: Von Kontinuität konnte keine Rede sein, weder bei seinen Leistungen als Trainer noch bei den von ihm betreuten Vereinen. Von Stuttgart ging es im Juli 1998 zu Fenerbahçe Istanbul, wo sein Engagement trotz des dritten Platzes nach einer Saison endete. Auch sein Ruf zum Karlsruher SC im Jahre 1999 bescherte ihm kein Glück: Statt des erhofften Wiederaufstiegs rutschte der Verein in die Regionalliga ab. Ende 2000 übernahm Löw das Ruder beim abstiegsbedrohten türkischen Club Adanaspor, der jedoch nach einem vorzeitigen Ende seines Trainermandats als Tabellenletzter abstieg. Besonders unglückliche Umstände beendeten seine Trainertätigkeit beim FC Tirol Innsbruck: 2002 gewann er mit der Mannschaft zwar den dritten Meistertitel in Folge, jedoch musste der finanziell klamme Club noch im selben Jahr Konkurs anmelden und löste sich auf, sodass Löw als Trainer ausschied. Seine vorerst letzte Station als Vereinstrainer führte ihn nach einer einjährigen Auszeit schließlich zum ebenfalls in Österreich ansässigen Club Austria Wien. Allerdings währte sein Einsatz auch hier nicht lange: Bereits nach einem dreiviertel Jahr wurde er aufgrund mäßigen sportlichen Erfolgs beurlaubt, und das, obwohl der Club zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer war. Ausschlaggebend für die Entscheidung war damals eine 0:2-Niederlage gegen den Tabellenletzten.

Jogi startet als Bundestrainer durch

Doch nach diesen relativ glücklosen Ausflügen in die Welt der Vereinstrainer wendete sich das Blatt für Jogi Löw, und seine Karriere als zukünftiger Weltmeister nahm eine neue Wendung: Nachdem Rudi Völler im Nachgang der EM 2004 als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten war, übernahmen Oliver Bierhoff als Teammanager, Jürgen Klinsmann als Bundestrainer und Jogi Löw als Co-Trainer dessen Aufgaben. Zuvor hatten sowohl Klinsmann als auch Löw einen Trainerlehrgang absolviert. Es folgten zwei dritte Plätze beim Confederations Cup 2005 sowie der in Deutschland stattfindenden WM 2006, die im als „Sommermärchen“ in die deutsche Fußballgeschichte eingehen sollte. Nachdem Klinsmann seinen Vertrag im Juli 2006 nicht verlängerte, avancierte Löw zum neuen Trainer der DFB-Auswahl und erhielt zunächst einen Zweijahresvertrag. In seinen ersten vier Spielen gelang es der Mannschaft, ohne Gegentor zu gewinnen. Das hat vor Löw noch kein Bundestrainer geschafft. Der positive Trend setzte sich auch bei der EM 2008 fort, als sich Deutschland im Finale gegen Spanien mit 0:1 geschlagen geben musste. Bei der Weltmeisterschaft 2010 waren es wieder die Spanier, die Deutschland ausbremsten, wieder mit einem 1:0, diesmal im Halbfinale. Trotz der sogenannten „Todesgruppe“ bei der EM 2012 schaffte es die deutsche Mannschaft bis ins Halbfinale, wo man sich jedoch Italien mit 1:2 geschlagen geben musste. Dann, mit der WM 2014 in Brasilien, sollte Jogi Löw für seine Kontinuität und seine bereits viele Jahre zuvor angefangenen Bemühungen, einen jungen Spielerkader einzusetzen, endlich belohnt werden: Nach Siegen gegen Algerien im Achtelfinale, einem 1:0 gegen Frankreich unter den letzten Acht und dem legendären Halbfinalsieg gegen Brasilien mit 7:1 setzten sich „Jogis Jungs“ schließlich gegen das Fußball-Schwergewicht Argentinien mit einem 1:0 nach Verlängerung in einem hochdramatischen Spiel durch und verhalfen Deutschland damit zum vierten Weltmeistertitel.

Die Krönung: Der Weltmeistertitel 2014

Dass nach einer solch fulminanten Leistung erst einmal die Luft draußen ist, sollte jedem, der sich mit Fußball beschäftigt, hinlänglich bekannt sein. Denn eine solche Leistung ist nicht zu toppen, und Deutschlands Ausscheiden bei der EM 2016 im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich sollte daher ebenso wie das Vorrunden-Aus bei der in Russland stattfindenden Weltmeisterschaft 2018 daher nicht überbewertet werden. Schließlich legt eine solche Verschnaufpause erst den Grundstein für einen neuerlichen Erfolgszyklus einer Mannschaft, wie sich mit einem Blick sowohl auf die deutsche, aber auch andere Nationalmannschaften schnell feststellen lässt. Jogi Löws Taktik, hier über „lange Bande“ zu spielen und seine Spieler im Verlauf der Jahre zu entwickeln und zu einem perfekt aufeinander abgestimmten Team im wahrsten Sinne des Wortes zu formen, kann in der Gesamtschau seines Erfolges nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Sport ist nicht alles

Aber Jogi Löw ist nicht nur Fußball: Er ist auch ein wichtiger Botschafter Deutschlands nach außen und eine prominente und beliebte Gallionsfigur in der deutschen Öffentlichkeit. Das wird nicht nur deutlich, wenn man sich die zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen wie das Bundesverdienstkreuz oder das Silberne Lorbeerblatt anschaut. Auch seine Werbeengagements für renommierte Unternehmen wie Nivea, die Commerzbank oder den Fensterhersteller Schüco belegen den hohen Imagewert der Marke „Jogi Löw“. Kein Wunder, denn Löw engagiert sich auch kräftig im ehrenamtlichen Bereich. So ist er in der Stiftung Jugendfußball, der Initiative „Wir helfen Afrika“ sowie dem Kinderhilfswerk „Plan International“ aktiv. Doch nicht nur auf der großen Weltbühne bringt Löw ein Bewusstsein für die Probleme seiner Mitmenschen auf, auch im Umfeld seiner Spieler ist er sich der großen Belastungen, die diese stemmen müssen, durchaus im Klaren: „Ich denke schon, dass einige darunter so leiden können, dass sie mit der Situation nicht umgehen können. Es gibt mehrere Beispiele von hoffnungsvollen Talenten, die dann einen anderen Weg einschlagen, statt Karriere zu machen. Nicht alle haben psychische Probleme, aber viele junge Spieler brauchen Unterstützung, brauchen ein gutes Umfeld, um aufgefangen zu werden. Familie und Freunde haben da eine große Bedeutung.“

Foto: imago images / Ulmer

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