Gebrüder Grimm: Märchen, Wissenschaft und Revolution

Sie wurden durch ihre Märchen berühmt: Die Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1586-1859) haben die alten Geschichten gesammelt, analysiert, überarbeitet und aufgeschrieben. Einige Grausamkeiten mussten sie abschwächen, damit ihr Werk für Kinder lesbar war. Darüber hinaus forschten sie und engagierten sich politisch.

Am 20. Dezember 1812 erschienen in Kassel erstmals die Kinder- und Hausmärchen, heute nur noch Grimms Märchen. Nach der Bibel und dem Koran sind sie das meistverkaufte Buch der Welt. Schon zu Lebzeiten der Brüder wurden die Geschichten ins Englische übersetzt und reisten so um den gesamten Erdball. Mal weniger, mal mehr – schließlich jedoch sehr erfolgreich: Fairytales Made in Germany. Insgesamt sind es über 200 Geschichten: Viel Stoff, an dem sich die Macher der Walt-Disney-Zeichentrickfilme noch abarbeiten können. Vor allem in europäischen Kinderzimmern und -gärten stehen nach wie vor die Sammlungen der Brüder.

 

Mehr als nur Märchen

Aber weder die Märchenbücher, noch das in Göttingen geschriebene Buch zu deutschen Mythologien waren reine Unterhaltungswerke. Sie basieren auf der wissenschaftlichen Forschung der Geschwister. Um die Gegenwart zu verstehen und zu verändern, studierten sie Geschichte und Vergangenheit der Sprache und schufen ein riesiges Lebenswerk. Außerdem engagierten sie sich in der deutschen Revolution, formulierten mit an den Menschenrechten in Deutschland, trieben die Vereinigung der damaligen deutschen Kleinstaaten an, provozierten um zu verändern, waren sich nicht zu schade für die Erforschung der Alltagssprachwelt, veröffentlichten zig erfolgreiche Bücher und steckten zugunsten ihrer Überzeugungen viele Rückschläge ein. Der Begriff Made in Germany passt hier sinngemäß, weniger sprachlich – vielleicht passender: Wissenschaft im deutschen Stil.

 

Deutscher Sprache und Kultur auf der Spur

Ursprünglich hatten sich die Grimms für ein Jurastudium an der Uni Marburg eingeschrieben, um die Familie finanziell zu unterstützen. Aber schon bald verloren sie sich in altdeutscher Literatur und entdeckten ihre Liebe für die Sprachwissenschaft. Sie verfassten eine deutsche Grammatik und ein deutsches Wörterbuch. Und setzten damit auch den Grundstock für die Vereinigung der deutschen Kleinstaaten: Die Sprache war die Gemeinsamkeit, die als Klebstoff diente. In ihrer Forschung entdeckten sie ebenso die Vermischung der Sprachen und damit der Völker und formulierten den europäischen Grundgedanken. Denn obwohl sie die deutsche Sprache und Geschichte pflegten und studierten, waren sie offen für internationale Einflüsse. Das ausgedehnte Wissen zeigte ihnen auf, dass es nicht die eine starre Kultur oder Sprache gibt, sondern dass diese sich fortwährend wandeln. Damit waren die Brüder auch nach heutigen Maßstäben ihrer Zeit voraus. Die geografische Grenze der Gemeinsamkeiten werde, so Grimm, „bezeichnet durch den großen Volksstamm, den man den indogermanischen zu nennen pflegt“. 

 

Deutsch und doch international

Die Bezeichnung Indogermanisch war damals neu. Letztendlich hing die Faszination der Grimms um die Gemeinsamkeiten der Sprachen und der Märchen in der Welt mit der sprachwissenschaftlichen Entdeckung ihrer Zeit zusammen: Ende des 18. Jahrhunderts hatten Wissenschaftler bemerkt, dass Sanskrit, die uralte heilige Sprache Indiens, verwandt ist mit Griechisch, Lateinisch und anderen europäischen Sprachen. Der Terminus Indogermanisch geht auf 1823 zurück, zu diesem gehören auch die germanischen, slawischen und iranischen Sprachen. Das heißt, wie so vieles sind das Deutsche und deutsche Märchen nicht ausschließlich Made in Germany, sondern ein Gemeinschaftswerk der Kulturen. Was wiederum eine Entdeckung aus Deutschland ist, von Friedrich Schlegel und den Grimm-Brüdern, die dieses Wissen auch verbreiteten: freie Denker in Germany.

 

Für immer in deutschen Geschichtsbüchern

Ob Museen, Schulen, Festivals, Plätze oder die Deutsche Märchenstraße: Unser Land erinnert mit zahlreichen Ehrungen an die beiden Sprachwissenschaftler. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur ihre Geschichten und Bücher zur deutschen Sprache weitergereicht werden, sondern auch ihre Erkenntnisse um die lebendige dauerhafte Entwicklung und Vermischung von Sprache und Kultur. Schließlich hatten sie aufgrund der Verbreitung ihrer Erkenntnisse und Überzeugungen Kündigungen sowie zeitweise ein Leben im Exil hingenommen. Der Name Grimm steht für mehr als Märchengeschichten.

Foto: Pixabay

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