Wie sicher ist „Made in Germany“?

Das Herkunftsland auf Produkten auszuweisen, ist für deutsche Unternehmen keine Pflicht. Daher rührt eine gewisse Unsicherheit bei „Made in Germany“ und bewegt Anbieter ebenso wie Verbraucher. Wie deutsch muss ein Produkt sein, damit es den hiesigen Herkunftsnachweis tragen darf und wie können Hersteller sich absichern?  Wie sicher ist Made in Germany?

Erster Platz Deutschland: Laut „Made in Country Index 2017” des Dienstes Statista, beruhend auf einer Studie mit mehr als 43.000 Konsumenten aus 52 Ländern, steht die Bezeichnung „Made in Germany“ an erster Stelle im globalen Ranking der Herkunftsgütezeichen.

Einmal mehr bestätigt sich die Beliebtheit hiesiger Produkte. Porsche, Miele, Haribo –  sie und viele mehr sind bekannte deutsche Marken, die der Verbraucher schätzt. Doch inwieweit muss ein Hersteller nachweisen, dass ein Gut wirklich deutsch ist, das er so nennt? Die Antwort ist: zunächst einmal gar nicht.

Da hierzulande keine gesetzliche Pflicht existiert, die eigenen Produkte mit dem Herkunftsland zu bezeichnen, kann jedes Unternehmen seine Güter mit der sogenannten Warenmarkierung „Made in Germany“ ausweisen. Ein Hersteller muss sich also nicht bei einer Zertifizierstelle um den Erhalt dieses Herkunftsnachweises bewerben. Und die Konsumenten können der vorgeblich deutschen Wertarbeit nur vertrauen, oder eben nicht.

Keine Mogelpackung, bitte!

Allerdings unterliegen Anbieter, die ihre Waren als deutsch markieren, dem „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) und dem Markengesetz. Ergo darf die Herkunftsbezeichnung den Konsumenten in puncto Qualität und Beständigkeit nicht hinters Licht führen. Einem Unternehmen, das hier mit Mogelpackungen agiert, drohen rechtliche Schritte.

Wann ist ein Produkt nun zurecht „Made in Germany“? Zumindest ist es schwierig, in Zeiten internationaler Arbeitsteilung die gesamte Wertschöpfungstiefe von Waren als zu hundert Prozent deutsch zu garantieren. Daher muss es eine entsprechende Regelung doch geben?

Was sagt die Justiz?

Immer wieder befassen sich deutsche Gerichte mit dem Thema „Made in Germany“ – so der Bundesgerichtshof als höchstes deutsches Zivilgericht im Jahr 2014. Die Auslöser sind Fälle, in denen Anbieter mit der Herkunft Deutschland werben, auch wenn die Waren zu großem Anteil im Ausland produziert werden.

Der Bundesgerichtshof lehnt die Bedingung ab, dass 45 Prozent der Gesamtwertschöpfung in Deutschland zu erbringen sind, um ein Produkt „Made in Germany“ nennen zu dürfen. Im Sinne dieses Gerichts gilt es vielmehr, aus Konsumentensicht zu fragen, welches die maßgeblichen Eigenschaften eines Produkts sind, welcher Produktionsschritt diese Merkmale erzeugt und ob dieser Produktionsschritt hierzulande abläuft. Die Frage, welche Produktmerkmale für den Verbraucher entscheidend sind, ist für jeden Fall einzeln zu prüfen.

Des Weiteren hat der Bundesgerichtshof klargestellt, dass er „Made in Germany" im Wortsinn auffasst und dieses Zeichen auf den Herstellungsort bezieht. Somit ist die deutsche Warenmarkierung nicht deswegen gleich unzulässig, weil einige Rohstoffe eines Produkts aus dem Ausland stammen. Andererseits bewirken deutsche Rohstoffe nicht automatisch, dass eine Ware mit dem deutschen Siegel versehen werden darf.

So gesehen bleibt es rund um „Made in Germany“ spannend. Für Unternehmen ist es ratsam, gründlich zu überlegen, bevor sie ihren Produkten diese Warenmarkierung mitgeben. Denn sowohl Wettbewerber als auch Verbraucherschützer stehen schnell auf dem Plan, deutsche Waren unter die Lupe zu nehmen. So kann es geschehen, dass sich ein Anbieter deutscher Güter vor Gericht wiederfindet.

Wie absichern?

Ein gangbarer Weg für Hersteller ist, Waren von einer Zertifizierstelle in puncto „Made in Germany“ prüfen und nach erfolgter Untersuchung beispielsweise mit dem „Zertifizierten Herkunftsnachweis“ (TÜV) versehen zu lassen. Daraufhin kann der Produzent ruhigen Gewissens im Markt agieren. Denn das Prüfsiegel belegt, dass er dem Standort Deutschland verpflichtet ist und entsprechend hochwertig produziert. Des Weiteren erwerben seine Kunden und Partner mit sicherem Gefühl Waren und Dienstleistungen, die in puncto deutsche Wertarbeit sozusagen auf Herz und Nieren durchleuchtet wurden.


Bildnachweis: Fotolia 

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden. Hier können Sie einen neuen Kommentar verfassen.

Kostenlos eintragen

Tragen Sie sich als Anbieter Made in Germany oder B2B-Einkäufer ein und nutzen Sie viele Funktionen für Ihren persönlichen Erfolg.

Kostenlos eintragen als

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.