So schadet die Agrarwirtschaft der Umwelt

Die Fläche Deutschlands wird zu mehr als der Hälfte landwirtschaftlich genutzt. Auf insgesamt 18,3 Millionen Hektar wird Ackerbau betrieben oder Dauergrünland, also Weidefläche, bewirtschaftet. In geringem Maße kommen Dauerkulturen und sonstige Nutzflächen der Landwirtschaft hinzu. In Deutschland hängt jeder neunte Arbeitsplatz mit dieser Branche zusammen. Zunehmend drängt die Frage, wie die Umweltschäden der Agrarwirtschaft eingedämmt werden können.  

Wegzudenken ist das sogenannte Agribusiness aus der Volkswirtschaft nicht; rund 4,5 Millionen Arbeitnehmer(innen) arbeiten deutschlandweit direkt oder indirekt in diesem Bereich.

Mehr Produktion auf Kosten der Umwelt

Ein Landwirt allein versorgt heute durchschnittlich 130 Menschen mit seinen Erträgen. Zum Vergleich: Im Jahr 1950 waren es lediglich zehn Menschen, die ein Landwirt versorgen konnte. Dieser Produktionsboom ist nicht nur dem technischen Fortschritt zu verdanken, sondern auch dem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Eingriffen und Fortschritten in der Züchtung. Bekanntlich sind diese Entwicklungen nicht ohne Konsequenzen für die Umwelt. Boden, Wasser, Luft und Biosphäre müssen sich in unverhältnismäßig kurzer Zeit auf gravierende Veränderungen einstellen und gegen Belastungen ankommen.

Die Schwierigkeiten der Agrarwirtschaft: Sie arbeitet in offenen Systemen. Jede Handlung erfolgt in Kontakt mit Umwelt und Natur und wirkt sich direkt und mit oft unkalkulierbaren Langzeitfolgen auf sie aus. Laborversuche und Landwirtschaft in geschlossenen Räumen existieren nicht. Oftmals wird reaktionsschnell gehandelt, etwa wenn Wetterverhältnisse, wie Trockenheit und Dürre, schnelle Maßnahmen erfordern oder im Fall plötzlich auftauchender Schädlingsplagen.

Nahrungssicherung vs. Umweltverträglichkeit

Die Intensivlandwirtschaft verursacht nicht nur erschöpfte Agrarlandschaften, deren Böden eintönig und nährstoffarm brachliegen; die Verwendung schwerer Maschinen führt auch zu Bodenverdichtung. Dadurch steigt die Gefahr für Wasser- und Winderosion. Auch die Fruchtbarkeit der Flächen nimmt ab. Um die Probleme zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, beteiligte sich das deutsche Umweltbundesamt in diesem Jahr erstmals mit einem Stand an den DLG-Feldtagen, Deutschlands größter Pflanzenbaumesse. Schwerpunktthemen bildeten dabei die Zukunft nachhaltiger Landwirtschaft mit ihren Bereichen Pflanzenbau, Nährstoffmanagement, Pflanzenschutz sowie Umweltauswirkungen von Landwirtschaft.

Nicht neu ist, dass Teile der grünen Branche, etwa die Massentierhaltung, die Umwelt belasten. So leiden deutsche Gewässer unter Schadstoffen, z. B. Arzneimitteln aus der intensiven Tierhaltung, und Treibhausgase schaden der Luft. Das Problem: Es mangelt an konsequenten Gesetzen und Kontrollen. Im Gegensatz zu anderen Industrien kommt die Landwirtschaft bei der Verringerung von schädlichen Emissionen nur langsam voran, wie eine Studie des Umweltbundesamtes vor wenigen Jahren zeigt. Zudem hat die Konsumgesellschaft sich auf die Fülle der produzierten Güter eingestellt. Allein der Fleischverbrauch pro Kopf hat sich in den letzten 50 Jahren vervierfacht.

Stickstoffbelastung seit Jahrzehnten zu hoch

Eine der größten Belastungen verursacht Stickstoff in der Massentierhaltung und als Düngemittel. Zwar sind Stickstoffverbindungen für jedes Leben auf der Erde essenziell. Doch in mancher Hinsicht schaden sie der Umwelt. Dabei lassen sich die meisten Stickstoffverbindungen, die in schädlicher Menge in Flüssen und Seen auftreten, dort nachweisen, wo maßlos konsumiert wird.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rät daher zu nachhaltigem Konsum, besonders von tierischen Produkten, wie Fleisch, Wurst, Milchprodukten und Eiern. Tatsächlich liegt der Fokus der Stickstoffverringerung in der Landwirtschaft auf der Fleischerzeugung, wie ein Diskussionskreis der DUH mit Experten aus  Wissenschaft, Politik und Wirtschaft im März 2018 ergab. Eine  einheitliche Verordnung zum Umgang mit dem schädlichen Stickstoff begrüßten die Teilnehmer. Denn bereits jetzt sind aufgrund hoher Nitritgehalte aus der Landwirtschaft ein Viertel der Grundwasservorkommen in Deutschland in einem schlechten Zustand. Grund dafür sind Massentierhaltung und viel zu viel Gülle auf deutschen Äckern.

Selbst die EU-Kommission verklagte Deutschland aufgrund anhaltender Missachtung der Nitratrichtlinie. Die Anklage vor dem EUGH erfolgte im Jahr 2016; in der Klageschrift heißt es, Deutschland hätte bereits im Jahr 2012 die Vorschriften zum Schutz der Gewässer verschärfen müssen. Doch noch immer gelten zu schwache und inkonsequent kontrollierte Regeln für den Umgang mit Gülle und Kunstdünger.

Artensterben und Gesundheitsbelastungen bekannt und doch strittig

Auch das inzwischen durch die Medien bekannte Glyphosat als Beispiel für umweltschädliche Pestizide trägt zur Umweltbelastung, Gesundheitsschädigung und zum Artensterben bei. Viele der schädlingsbekämpfenden Chemikalien gelangen aufgrund ihrer Wirksamkeit auf den Markt, bevor bekannt wird, dass sie auf lange Sicht die Umwelt und die menschliche Gesundheit schädigen. Das Problem: Einmal zugelassen, lässt sich ein Mittel – gleich ob Pestizid, Farbstoff oder Medikament – nur mit Beweisen seiner Bedrohlichkeit wieder vom Markt nehmen. Zudem stehen sich kontroverse Meinungen und Studien zur Schädlichkeit, etwa von Glyphosat, gegenüber, wie sich zu Beginn dieses Jahres in verschiedenen Debatten zeigte.

Auch über die Bedeutung des Wildbienensterbens streiten Experten. Doch ob die Imker mit ihren Honigbienen die Pflanzenwelt zu retten vermögen, wie manche Quellen behaupten, oder nicht: Insekten sterben durch Einsatz von Herbiziden ebenso wie durch Monokultur und intensive Landwirtschaft. Das lässt sich auch am Rückgang der insektenfressenden Vogelpopulation erkennen.

Eher wenig werden Geldstrafen des EUGH, Statistiken und Protestbriefe von Umweltorganisationen ändern. Notwendig ist, sich langfristig der ökologischen Landwirtschaft durch Gesetzesänderungen auf Bundesebene und eine lückenlose Aufklärung der Bevölkerung zuzuwenden. Dabei sind der verringerte Konsum von Fleisch und der Mehrkauf von Biolebensmitteln ebenso zu überdenken wie weniger Pestizide im eigenen Garten zu verwenden. Im Bier wurde Glyphosat bereits nachgewiesen, weit entfernt ist das Risiko für den einzelnen Verbraucher also nicht, doch offenbar nicht deutlich genug benannt.


Bildnachweis: Shutterstock.com

Kostenlos eintragen

Tragen Sie sich als Anbieter Made in Germany oder B2B-Einkäufer ein und nutzen Sie viele Funktionen für Ihren persönlichen Erfolg.

Kostenlos eintragen als

Sitzung abgelaufen

Ihre Sitzung ist abgelaufen. Möchten Sie fortfahren? Dann aktualisieren Sie bitte Ihren Browser.

Seite aktualisieren

Bestätigen

Klicken Sie auf Bestätigen, um die Aktion durchzuführen.