Tecnaro - Revolution im Recycling?

Häufig klagen wir über Plastikmassen in Meeren und Wäldern. Wir spenden an Umweltorganisationen oder räumen Parks und Strände mit auf. Doch danach kaufen wir ein und schleppen Kilos an Kunststoffverpackungen nach Hause. Es ist möglich, beim Shoppen Plastik zu vermeiden, aber nur bedingt. Im Großen und Ganzen sind wir recht abhängig von den Herstellern des robusten Materials. Tecnaro setzt hier an.

Es wird recycelt. Aber das ist im Grunde das falsche Wort für Kunststoff, denn tatsächlich wird downcycelt: Nach einer Kette der Wiederverwendung ist der Plastikmüll abgeschrappt, sodass er nur noch zu verbrennen ist. Oder er schwimmt im Meer und wird nach und nach klein gerieben, damit wir ihn als winzige Teilchen in Fischen zu uns nehmen können – lecker.

Nun kommt Tecnaro. Wenn wir schon Müll produzieren, dann doch bitte biologisch abbaubaren, aus Material, das nur noch für die Tonne taugt und nachwachsen kann. So überlegte die schwäbische Firma, ein Spin-off des Fraunhofer-Institutes, und entwickelte einen Kunststoff aus Holzabfällen. Tecnaro ersetzt erdölbasierte Kunststoffe, wie der Firmenname sagt, dank Technologien mit nachwachsenden Rohstoffen. Umwelt- und Ressourcenschutz Made in Germany.

Wie Plastik und doch aus Holz?

Die Krux der Kunststoffvermeidung ist doch die: Es gibt angeblich kein vergleichbares Material. Hersteller können es in jede Form gießen, es kostet nicht viel und ist ein Leichtgewicht. Doch das muss doch ohne Erdöl zu machen sein. In einer Form, die sich nach Gebrauch problemlos wieder in die Umwelt einfügt. Gedacht, getan: Die Tecnaro-Gründer Dipl.-Ing Helmut Nägele und Jürgen Pfitzer nahmen die Holzabfälle der Zellstoffindustrie und kreierten daraus flüssiges Holz. Lignin heißt die Basis. „Daraus können wir weiches Material herstellen oder festes. Wie es gebraucht wird“, sagt Tecnaro. „Arboform“ nennen sie den Wunderstoff. Die Innenverkleidungen in Autos, Damenschuhe, Spielzeug, Kämme, Schüsseln, Verpackungen... alles Dinge, die bereits aus dem schwäbischen Bioplastik entstehen. Landen sie nicht im Recycling, sondern in der Umwelt, verhalten sie sich wie Holz und verrotten langsam.

Biokunststoff ist nicht gleich Biokunststoff.

 Jetzt gibt es Produkte, von denen Hersteller gar nicht möchten, dass sie zerfallen, sondern die unbedingt haltbar sein müssen. Tecnaro entschied daher, das Material sollte zumindest aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Entweder greift die Firma zu ihrem eigens entwickelten Material „Arboblend“ aus Biopolymeren – aus den erwähnten nachwachsenden Rohstoffen so bearbeitet, dass es entweder verrottet oder beständig ist. Oder „Arbofill“ – eine Mischung aus Naturmaterialien und Kunststoffen, ebenfalls aus jenen nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. So deckt die Firma mit über 3.500 Rezepturen in den drei Materialkategorien große Sparten der Kunststoffindustrie ab. Und das nur minimal teurer als herkömmliches Plastik. Es geht eben auch ohne Erdöl, das irgendwann doch mal ausgeschöpft ist. Erfindungen Made in Germany.

Suchen Sie für ihre Firma Verpackungsalternativen oder Plastikersatz? Tecnaro sucht mit seinen Mitarbeitern auf Wunsch für Sie mit – mit Erfolg. Die Auszeichnungen für das Unternehmen häufen sich, etwa die des Frankfurter Senckenbergmuseums, der „Green Brand Germany 2015/2016 mit Stern“, die „Dieselmedaille 2011“, der „Deutsche Industriepreis 2009“, der „European Inventor Award 2010“,  der „German Innovation AWARD 2018“ und einige mehr.

Bioplastik und Tecnaro in Zahlen

Bevor die extrem haltbare Variante erfunden wurde, war längst Bioplastik auf dem Markt. Schon 1869 entstanden Puppen oder Schüsseln aus pflanzlich basierten Kunststoffen. Anfang der 1920er Jahre verdrängte sie die moderne Erdölvariante. So nahm die Müllwelle ihren Lauf. Allein in Deutschland fallen jährlich über fünf Millionen Tonnen Kunststoffabfälle auf Rohölbasis an. Das meiste sind Produktabfälle laut Umweltbundesamt – 4,75 Millionen Tonnen. Der Verpackungsmüll bringt dabei 1,4 Millionen Tonnen auf die Waage. Zurzeit arbeiten über 400.000 Menschen in der betreffenden Kunststoffindustrie. Viele Arbeitsplätze, die zur Herstellung von Alternativen eingerichtet werden könnten.

Um die 18 Millionen Tonnen Kunststoff produziert Deutschland jährlich. Das sind 25 Milliarden Euro Umsatz. Damit ist unser Land größter Kunststoffhersteller Europas. Jeder Deutsche verursacht im Jahr um die 72 Kilo Kunststoffmüll, davon um die 37 Kilo reiner Verpackungsmüll. Es ist höchste Zeit umzudenken. Tecnaro stellt dazu die Weichen. „Gewinn machen, um der Umwelt zu helfen“, ist das Motto des Unternehmens. Sein Umsatz steigt und damit sein Engagement. 

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