Antarktis – unter Eis und doch entdeckt

Als der Deutsch-Balte Fabian Gottlieb Thaddeus von Bellingshausen und der Brite Edward Bransfield unabhängig voneinander und beinahe zeitgleich auf die Antarktis trafen, sahen sie zuerst einmal nur Weiß. Heute erfreut die Antarktis Mensch beziehungsweise Tier als Wissenschafts- und Naturparadies.

Bellingshausen war mit zwei Schiffen der russischen Marine unterwegs, Bransfeld mit der Royal Navy.Man nimmt an, es war der 27. Januar 1820, als Bellingshausen wahrscheinlich als Erster den kalten Kontinent erblickte. Und vermutlich hielt sich seine Begeisterung zunächst in Grenzen. Betreten hat er dieses Land auch nicht als Erster. Das Festland im Osten, die Inseln im Westen und die Meere: Der größte Teil der Antarktis ist von kilometerdickem Eis bedeckt. Was sollte man dort? Aber die deutsch-baltische Entdeckung entpuppte sich als wahrer Schatz für die Wissenschaft, als Naturparadies und als das Hauptsüßwasserreservoir der Erde.

Brutales Wetter und eisige Temperaturen

Besonders einladend wirkt die Antarktis nicht. Die Temperaturen steigen selten über 0 Grad. Damit ist sie das kälteste Gebiet der Erde, mit Minimalwerten bis 88 Grad. Dazu fallen 30 bis 600 Millimeter Niederschläge jährlich, meist als Schnee – und das im Sommer. Außerdem toben häufig Stürme mit bis zu 90 Metern pro Sekunde. Und satte 98 Prozent der Antarktis sind von Eis und Schnee bedeckt. Auf den kalten trockenen zwei Prozent, die nicht zugefroren sind, wachsen nur Moose und Flechten. Jeder anderen Vegetation ist es dort einfach zu kalt. Landtiere halten sich deshalb fern. Dafür schauen Robben, Pinguine, Albatrosse, Wale und so weiter vorbei. Kaiserpinguine brüten in Scharen auf dem Packeis vor der Küste. Und das Meer ist so sauerstoffreich, dass es von Leben nur so wimmelt. Weshalb in der Antarktis die größten Meeresschutzgebiete der Welt liegen und weitere gegründet werden sollen.

Die eigentliche Erforschung des Kontinents begann aufgrund der Witterung erst mit dem Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 und der Gründung zahlreicher permanenter Forschungsstationen. Bis heute sind die Wissenschaftler die einzigen menschlichen Bewohner der Antarktis. Und obwohl es ein Deutsch-Balte war, der die weiße Masse wohl als Erster erblickte, baute Deutschland 1981 recht spät seine erste Forschungsstation im ewigen Eis: die Neumayer-Station. Dank des Alfred-Wegener-Instituts kann man sich per Webcam heute in der Antarktis umschauen.

Wissenschaftsparadies und Winterwunderland Antarktis

Tatsächlich gibt es Wirtschaftszweige, die an der Antarktis verdienten und verdienen. Der Walfang wurde zum Glück eingestellt. Die Tourismusbranche schifft allerdings Besucher in die weiße Glitzerwelt, beispielsweise die Hapag-Lloyd mit ihren Kreuzfahrten in die Antarktis. Die Bodenschätze werden nach einem Abkommen vieler Länder in Ruhe gelassen.

Es ist hauptsächlich die Wissenschaft, die profitiert: Eisbohrungen haben Erstaunliches über die Erde enthüllt, Meteoriten sind auf dem weißen Boden weithin sichtbar und werden für Untersuchungen konserviert, und selbst eventuelle Restgravitationswellen des Urknalls sollen dort zu messen sein. Die Bohrungen zeigen in bisher nicht erreichter Qualität die letzten 34 Millionen Jahre geologischer Geschichte und Vereisung der Antarktis. Auch Deutschland war beispielsweise am internationalen Cape Roberts Project (CRP) in den Jahren 1997 bis 1999 beteiligt. Vertreten durch das Alfred-Wegener-Institut, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und das Institut für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig. Den größten Nutzen aber zieht die Natur selbst aus der Antarktis. Dank des menschenunfreundlichen Wetters kann sie sich dort fast unangetastet entfalten.

Verträge zum Schutz: der Südpol als Friedensstifter
Viele Nationen erheben Ansprüche auf den Kontinent am Südpol. Dennoch sind sich die Länder der Welt in Bezug auf die Antarktis einig und schonen sie. Ohne die UNO oder andere Organisationen zu bemühen, schlossen sie ein Vertragsnetzwerk. Wirtschaftliche und militärische Interessen sollen von dem Gebiet am Südpol ferngehalten werden. So schuf man auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges ein Vertragswerk, das noch heute eine Schlüsselstellung in der Umweltpolitik innehat. Eine internationale Zusammenarbeit, die so besonders ist, wie die deutsch-baltisch-britische Entdeckung Antarktis selbst.

Fotos: Pixabay

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