Dieselgate-Affäre

Die Automobilbranche ist mit mehr als 400 Milliarden Euro Umsatz die stärkste Industrie Deutschlands. Doch im Zuge der Dieselgate-Affäre scheint diese Größe unsere Wirtschaft zu belasten. Brechen schwere Zeiten für „Made in Germany“ an oder glänzt dieser Markenname weiter?

Verursacht durch Dieselgate stellt sich die bange Frage: Bringt die Krise in der Automobilindustrie das positive Image von „Made in Germany“ ins Wanken? Kommentare aus Ökonomie und Politik schüren diese Befürchtung. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher sagte im Juli 2017: „Deutschland hat den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erreicht und vielleicht schon überschritten.“ Zu lange habe der Automobilsektor an alten Technologien festgehalten. Die Krise dieser Branche belaste auch „Made in Germany“ und die gesamte deutsche Volkswirtschaft.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte, das Gütezeichen könne unter der düsteren Lage der Autobauer leiden. „Ich bin wirklich erstaunt und empört darüber, wie leichtfertig ein Teil der Unternehmensführer den Ruf des Industriestandortes Deutschland im Ganzen gefährdet", sagte er. „Made in Germany" ist ein Markenname, und darf nicht verbunden werden mit Betrug und Täuschung."

Unkenrufe aus dem Ausland

Des Weiteren kommentiert Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein, dass die deutschen Autohersteller Umsätze einbüßen würden, falls Beweise und Sammelklagen anfielen. Die negative Situation beträfe dann auch die Zulieferer und den Mittelstand allgemein.

Im letzten August bewertete Philippe Houchois, Analyst der amerikanischen Investmentbank Jefferies, die deutsche Autobranche als unter Druck stehend und senkte ihre langfristigen Wachstumsraten von 2,5 Prozent auf 1 Prozent. „Die deutschen PS-Konzerne sind durch ihren starken Fokus auf den Diesel und mögliche Kartellzahlungen Risiken ausgesetzt. Ganz zu schweigen vom Image-Schaden für Cars made in Germany“, so der Analyst.

Sympathie und erster Platz

Neben Pessimismus und Kritik kommen wohlwollende Stimmen aus anderen Ländern. So meinte Leonid Bershidsky, Bloomberg-Kolumnist aus Moskau, die Menschen hierzulande sollten nicht über den Makel klagen, sondern auf die gut kooperierenden Autobauer schauen. „Die Deutschen können unbarmherzig sein, wenn sie sich selbst verprügeln. Wenn es um ihre Autoindustrie geht, läuft diese Neigung aus dem Ruder“, so Bershidsky. Nach Meinung des Wall Street Journals ist die Debatte übertrieben, der jüngste Abverkauf an den Aktienmärkten sei unverhältnismäßig.

Insbesondere beruhigt es, dass Deutschlands führende Position sozusagen amtlich ist. Denn im Made-In-Country-Index (MICI) 2017 von Statista belegt „Made in Germany“ den ersten Platz vor „Made in Swiss“ und „Made in EU“. Die USA rangieren gemeinsam mit Frankreich und Japan an achter Stelle.

Licht und Schatten – beides umgibt „Made in Germany“. Doch wie wird sich Dieselgate weiter auswirken? Denn dieser Skandal wird voraussichtlich noch einige Zeit im öffentlichen Raum stehen.

Krisenmanagement von Automobilhersteller erforderlich

Entscheidend ist, wie die Automobilhersteller in der nächsten Zeit zum Thema Abgasskandal auftreten und handeln. Längst helfen bedauernde Worte nicht mehr; ein effektives Krisenmanagement ist vonnöten. Gelingen diese Anstrengungen, spricht vieles dafür, dass „Made in Germany“ keinen langfristigen Schaden nehmen wird. Schließlich ist das deutsche Gütezeichen stark und seit Langem etabliert. Außerdem tauchen weltweit immer wieder Skandale auf – bleibt zu hoffen, dass sie nicht aus unserem Land kommen.

Weiterhin werden deutsche Unternehmen zu Recht und mit Stolz für ihre Produkte und Dienstleistungen „Made in Germany“ werben. Dabei gilt es, mit Bedacht und Kontrolle zu agieren, denn einen neuen Skandal würden die deutsche Wirtschaft und somit auch unser Markenlabel nicht so einfach wegstecken.

Bild: nexusseven - Fotolia.com

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