Dürre in Deutschland trocknet Existenzen aus

In diesem Jahr sitzt Deutschland buchstäblich auf dem Trockenen. Noch nie hat es hierzulande von April bis Juli so wenig geregnet wie 2018, nicht einmal im Hitzerekordjahr 2003. Und es ist fraglich, wann das rettende Nass wieder ausreichend und regelmäßig fällt. Meteorologen machen noch keine sicheren Angaben, wann uns der Regen wieder im gewohnten Ausmaß „beglücken“ wird. Selbst die Gewitter, die im Spätsommer übers Land kommen, vermögen die Böden nicht aufzuweichen. Der derzeitige Wetterzustand birgt Gefahren für Wald, Kraftwerke, Flüsse und insbesondere für die Landwirtschaft. Außerdem können sich ohnehin vorhandene Umweltbelastungen aufgrund der Dürre verschlimmern. 

Dürre, so weit das Auge reicht und weiter
Nicht nur mit dem bloßen Auge Sichtbares, wie braune Rasenflächen, sondern auch zunächst Verborgenes, wie Landsenkungen des ausgetrockneten Bodens, kann diese Wetterlage verursachen. So sind Wasserrohrbrüche und Schäden an Häusern möglich. Falls es weiter so trocken bleibt, können sogar Wälder – die wir als Garanten für Luftreinigung kennen – dem Klima schaden. „Wenn den Bäumen Wasser fehlt, findet tagsüber kaum Fotosynthese statt, bei der ja Kohlenstoffdioxid verbraucht wird“, so Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). In einem solchen Szenario geben Bäume das Treibhausgas ab. „2003 haben die Wälder netto so viel CO2 ausgestoßen, wie sie sonst in drei Jahren speichern“, erläutert Marx.

Zur Unterscheidung sprechen Experten von vier Arten von Dürre: Mit meteorologischer Dürre meinen sie, dass gegenüber den Durchschnittswerten weniger Niederschlag fällt. Die agrarische Dürre bezeichnet den Zustand, wenn der Regenmangel in den Böden nachweisbar ist. Sinkt auch in den Flüssen das Wasser immer mehr, ist die hydrologische Dürre festzustellen. Aus all diesen Szenarien resultiert die sozioökonomische Dürre, welche die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgeschäden zusammenfasst, die sich aufgrund des Wassermangels einstellen. 

Landwirtschaft leidet
Wie sich die Dürre auf die deutsche Wirtschaft auswirkt, zeigt augenfällig die Landwirtschaft, etwa in Brandenburg. Dort hätten die Maispflanzen wie üblich 2,50 Meter hochwachsen sollen. Doch die Wetterlage lässt die Pflanzen verkümmern – statt satte 2,50 Meter werden sie nur rund 30 Zentimeter hoch und verdursten. 

Längst gefährdet die Hitzeperiode laut dem Deutschen Bauernverband Existenzen – daher fordert der Verband von der Bundesregierung Hilfen in Milliardenhöhe. Einen Rückgang von 18 Prozent bei Wintergerste sagt er voraus, ebenso sei mit einer verminderten Ernte bei anderen Feldfrüchten zu rechnen. Des Weiteren belasten die Ausfälle beim Mais Halter von Rindern und Schweinen – die Bauern müssen deswegen zusätzlich Futter kaufen. „Es gibt einige Regionen, wo es seit April nicht mehr richtig geregnet hat“, äußerte Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Dort haben wir zum Teil Ernteausfälle bis zu 70 Prozent.“ Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) geht bei Kartoffeln bundesweit von Ertragsausfällen von bis zu 40 Prozent aus.

Wie antwortet Berlin?
Als eine Maßnahme hat Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) eine Verordnung initiiert, um Viehhaltern die Futtergewinnung zu erleichtern. Diese soll eine intensivere Nutzung von Flächen erlauben, für die eigentlich Anbaubeschränkungen in puncto Umweltschutz bestehen. Der Auslöser für diese Verordnung ist, dass gemähtes Gras aufgrund der Trockenheit an vielen Orten nicht für den sonst normalen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen ist. Daher reicht das Futter nicht.

In Bezug auf die Ernteausfälle hat Klöckner darauf hingewiesen, dass über mögliche Bundeshilfen erst Ende August entschieden wird, wenn die amtliche Erntebilanz veröffentlicht wird. Die Angaben des Bauernverbands über milliardenhohe Verluste sind nach Ansicht des Bundes noch nicht vergleichbar.

Was stoppt die Dürre?
Um die gewaltigen Auswirkungen der Dürre zu lindern und das Blatt zu wenden, sind regelmäßige, heftige Niederschläge notwendig. Nur so kann das Wasser in tiefere Schichten sickern. Falls es nur kurz und stark regnet, wie bei Gewittern, fließt das Nass ab, bevor es den Boden durchdringen kann. Trotz alledem ist Endzeitstimmung nicht angebracht, wie Experten betonen, denn Grundwasservorräte seien genügend vorhanden und gut befüllt. Denkbar wäre auch, dass die deutsche GreenTech-Branche Lösungen liefert. 

Gleichwohl ist die Dürre dieses Jahres mehr als ein Warnschuss in puncto Klimawandel. Auch 2019 könnten Trockenheit und Hitze Deutschland heimsuchen. Klimamodellen zufolge sollen diese wasserlosen Wetterlagen einerseits zunehmen, andererseits drohen Starkregen und große Stürme. 

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