E-mobil in die Zukunft

Den Markt für elektrisch betriebene Fahrzeuge beherrschen die bekannten Größen Tesla, Renault und BMW. Die großen Player sind jedoch bisher  an einer Aufgabe gescheitert: ein erschwingliches Elektroauto, komfortabel im Gebrauch und einfach zu laden. Die Innovation von e.Go macht es ihnen vor.

Deutschland strebt danach, in der Elektromobilität eine Vorreiterrolle als Leitmarkt einzunehmen, doch China dominiert hier. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres verkauften sich dort 412.000 Elektroautos. Dies entspricht einem Plus von über 110 Prozent und einem Anteil von 2 Prozent bei den Neuzulassungen. In Peking fahren 14.000 Elektrobusse, innerhalb von zwei Jahren wurde der gesamte Fuhrpark ausgetauscht. In Hongkong gehören E-Taxis mittlerweile zum normalen Straßenbild. Die Verbreitung verdankt sich unter anderem der eingeführten Elektroquote. Alle Autohersteller mit einer jährlichen Produktion von mehr als 30.000 Stück sind verpflichtet, 10 Prozent davon als Elektroversion herzustellen. 2020 erhöht sich die Quote auf 12 Prozent.

In Norwegen sind sogar mehr als 46 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch. Der Anteil in Deutschland liegt bei geringen 1,8 Prozent. Im ersten Halbjahr 2018 stieg die Anzahl der Neuzulassungen um mehr als die Hälfte auf knapp 34.000. (1) Gemessen am weltweiten Bestand von E-Autos liegt die Bundesrepublik dennoch auf Platz sieben, hinter England, Frankreich und den Niederlanden. (2) Laut dem Index für Elektromobilität 2017 führt die Republik dennoch bei der Entwicklung der benötigten Technologien, zusammen mit Nachbar Frankreich. Verantwortlich dafür sind das gestiegene Angebot mit derzeit rund 30 deutschen Modellen und der gesteigerten Reichweite von teilweise bis zu 500 Kilometern.

E-Mobilität einfach gedacht

Das Unternehmen e.Go sorgt nun für eine kleine Revolution in der E-Mobilität. Mit dem 3 Meter langen Elektroflitzer will das in Aachen ansässige Start-up sauberes Fahren für jedermann ermöglichen. Das Fahrzeug vereint wichtige Vorteile, angefangen bei der Finanzierung. Die Version Life kostet weniger als 16.000 Euro, abzüglich der staatlichen Umweltprämie verbleiben 11.900 Euro. Damit ist es das günstigste Elektroauto der Welt. Dies ist ein wichtiger Faktor, denn für knapp 90 Prozent der Deutschen ist ein zu hoher Preis der negativste Aspekt bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen.3  

Der niedrige Preis ergibt sich unter anderem aus den verwendeten Materialien bei der Produktion. Anstelle von Stahl besteht die Verkleidung aus Thermoplast. Der Kunststoff ist keine Neuheit, er wurde bereits im legendären Trabant verbaut. Durch die Optimierung der Verarbeitungsweise und die Weiterentwicklung von Stabilitätseigenschaften dient der erschwingliche Werkstoff heute als ideale Alternative. Eine Lackierung oder sonstige weitere Veredelung entfällt, denn Thermoplast hat einen natürlichen Glanz. Die Bearbeitung von Stahl ist 20-malkostenintensiver. Einziger Nachteil ist die Ausdehnung bei Wärme, eingearbeitete Fugen bieten dafür den nötigen Raum. Trotz des kleinen Makels und der günstigen Produktion kommt das E-Auto ansprechend zeitgemäß gestaltet daher. 

Erster Erfolg im Lieferverkehr

Gründer von e.Go ist Professor Günther Schuh, der zusammen mit seinen Studenten bereits an der Entwicklung des StreetScooters für die Deutsche Post beteiligt war. Der Elektrolieferwagen wird neben dem Produktionsstandort in Aachen seit Ende Mai letzten Jahres auch in Düren hergestellt. Auf diese Weise entspricht der Anbieter der hohen Nachfrage, denn die Post mausert sich zu einem der führenden Hersteller von E-Autos. 

Schon jetzt kann das Unternehmen durch die Tochtergesellschaft mehr als 7 Prozent der Marktanteile für sich beanspruchen. 8.000 der elektrischen Lieferwagen von StreetScooter sind bereits auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das erste Modell wurde noch passgenau für die Bedürfnisse der Postzusteller konstruiert, mittlerweile wurde das Sortiment um Elektronutzfahrzeuge mit spezifischen Eigenschaften für zahlreiche Branchen erweitert. Auch Lasten-Pedelecs produziert die Tochter der Deutschen Post mit moderner Fertigungstechnik am hiesigen Standort. 

Kundennahe Entwicklung

Mit diesen Vorkenntnissen und idealen Bedingungen auf dem Campus der Universität Aachen, wo Schuh als Professor tätig ist, hat er mit seinem Team bisher drei verschiedene e.Go-Modelle ertüftelt. Die Nähe zur Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Forschungsabteilungen, was bisher einzigartig ist in Europa. Die Entwicklung des e.Go hat sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. 

Dabei berücksichtigten die Entwickler auch mögliche Ängste bezüglich Kleinwagen, denn die Anschaffung überschatten häufig Sicherheitsbedenken. Um keinen Nachteil gegenüber Limousinen entstehen zu lassen, verfügen alle e.Gos über eine besonders große Quetschzone von 47 Zentimetern. Unter den kleinen Fahrzeugen ist dies einzigartig. So kommt ein ähnliches Aufprallverhalten wie bei einem SUV zustande. Bei dem Dachgestell musste das Thermoplast weichen, es ist aus massivem Stahl gefertigt und schützt die Insassen bei einem Überschlag. 

Ein kritischer Punkt sind die Lademöglichkeiten für E-Autos, denn eine entsprechende Infrastruktur ist mit rund 10.000 Ladesäulen in Deutschland nicht vorhanden. Zudem ist die Kompatibilität mit vielen Steckern nicht gegeben, und auch die Abrechnung ist zum Teil umständlich. Es sind also Alternativen mit einfacher Handhabung gefragt. Die Steckdose zu Hause eignet sich mit 2,3 Kilowatt für gewöhnliche Modelle nicht als Ladestation, die Gefahr von Überhitzung ist zu groß. Das e.Go hingegen kann der Nutzer bedenkenlos anschließen ; es ist innerhalb von 5,5 Stunden vollgeladen. An Schnellladestationen halbiert sich die Zeit. 

Mit vollem Akku schafft das Spitzenmodell eine Reichweite von 158 Kilometern. Angesichts der Tatsache, dass 91 Prozent aller Pkw in Deutschland täglich weniger als 100 Kilometer fahren, ist das Vehikel für den normalen Stadtverkehr ideal geeignet. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 Kilometern pro Stunde mit einer Dauerleistung von 60 Kilowatt. Bei umgelegter Rückbank bietet das innovative Elektrofahrzeug satte 680 Liter Stauraum. 

E-Autos für jedermann

Seit seiner Gründung ist das Start-up zu einer Aktiengesellschaft mit mehr als 300 Mitarbeitern herangewachsen. Bald geht es in die Serienproduktion Made in Germany. Der e.Go erfreut sich großer Beliebtheit, mehr als 3.000 Vorbestellungen verbucht das Unternehmen bereits. Professor Günther Schuh hat diese enorme Entwicklung vollkommen unabhängig von den etablierten Automobilproduzenten etabliert und schenkt so der Branche neue Anreize. Elektromobilität muss nicht teuer sein, und ist beim Betanken sogar simpler zu handhaben als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Derartige Weiterentwicklungen sind unverzichtbar, damit der ökologisch verträgliche Antrieb sich in der Masse verbreiten kann. Angesichts der Verfehlung sämtlicher Klimaschutzziele kann diese Entwicklung nicht zügig genug vorangetrieben werden.

1) https://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/elektromobilitaet-markt-fuer-e-autos-wird-weiter-von-chinesen-dominiert/22794792.html?ticket=ST-967980-kURd1NnfAfSk39nhKjVp-ap1

2) https://www.energieagentur.rlp.de/fileadmin/user_upload/elektromobilitaet/20180329_Elektromobilitaet.pdf

3) https://de.statista.com/themen/608/elektromobilitaet


Fotos: e.GO Mobile AG

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