GreenTech Made in Germany floriert

Menschen und Industrien überall auf der Welt verschmutzen die Luft und zerstören die Natur. Der Raubbau an unserer Umwelt ist ein schleichender, aber leider stetiger Prozess. Immer wieder kommt es zu Umweltskandalen, die ganze Regionen unbewohnbar machen. Doch die GreenTech-Branche lässt für die Zukunft hoffen.

In den Ökosystemen der Welt zeichnen sich seit Langem gravierende Änderungen ab. Etwa in der Arktis: Dort sind die durchschnittlichen Temperaturen in den vergangenen 100 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Während US-Präsident Trump in seinen Tweets im Winter verkündete, das Eiswetter in den USA „could use a little bit of that good old global warming“, nehmen GreenTech-Unternehmen unter dem Label Made in Germany den Klimawandel als Herausforderung an, indem sie Technologien entwickeln, um Umwelt und Klima zu schützen.

Weltweit steigt die Nachfrage in puncto grüner Technologien. Für die deutsche GreenTech-Branche soll dies bis zum Jahr 2025 ein Wachstum von rund 8,8 Prozent jährlich mit sich bringen. Diese Prognose stammt aus dem GreenTech-Atlas der Strategieberatungsfirma Roland Berger Strategy Consultants, erstellt für das Bundesumweltministerium. Der Atlas beleuchtet die nationale und internationale Entwicklung der sechs GreenTech-Leitmärkte, zu denen auch Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz sowie Rohstoff- und Materialeffizienz zählen. Besonders in den Bereichen Rohstoff- und Materialeffizienz liegen den Experten zufolge enorme Wachstumspotenziale. Bereits 2016 erwirtschafteten die GreenTech-Unternehmen mit Produkten aus Deutschland rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Tendenz weiter steigend: Im Jahr 2025 soll der Anteil am BIP bei 19 Prozent liegen. Auch international sieht es für GreenTech Made in Germany gut aus. Roland Berger beziffert den deutschen Beitrag am Weltmarkt für grüne Technologien auf 14 Prozent (bei Kreislaufwirtschaft sogar auf 16 Prozent) – deutlich über dem gesamtdeutschen Weltmarktanteil von 4,6 Prozent.

Was bedeutet GreenTech?

GreenTech ist nach Investopedia kein spezifisches Technologiesegment, sondern eher ein Leitbild, eine Denkweise, die in technologische Produkte umgesetzt wird. „GreenTech kann ein erklärtes Ziel eines Geschäftsfeldes innerhalb eines großen Unternehmens oder das fokussierte Leitbild eines kleineren Start-up-Unternehmens sein. Es kann alles abdecken, von recycelten Produktverpackungen bis hin zu langlebigen Glühbirnen und alternativer Energieerzeugung.“ Soweit die Definition.

Investement- und Anlagefonds für GreenTech

Spezialisierte Investmentfonds, als grüne Fonds bekannt, suchen für ihre Anlagedollars und Euros börsennotierte Führer in der GreenTech-Bewegung. Darüber hinaus sind sozial engagierte Anleger aufgerufen, nur in Unternehmen zu investieren, die Made in Germany produzieren und dabei umweltfreundlich agieren oder sich verpflichtet haben, umweltfreundlich herzustellen. Auch große Unternehmen, wie Starbucks und Whole Foods, setzen neben vielen kleinen Start-ups auf grüne Technologien Made in Germany.

Klimaschutz verstärkt die Nachfrage bei Unternehmen

Mit dem Klimaschutzübereinkommen von Paris und der UN-Agenda 2030 sollen nun erstmals verbindliche Klimaschutz- und Umweltziele weltweit festgeschrieben werden. Umwelttechnologien helfen, die Natur und ihre Ökosysteme zu erhalten. Sie werden mittlerweile verstärkt nachgefragt und avancieren zu einem Markt für innovative Unternehmen. Wie in vielen Technologie und Know-how getriebenen Branchen ist die Bundesrepublik mit ihrem Label Made in Germany führend und einer der Vorreiter in Sachen GreenTech. Doch die Konkurrenz aus anderen Ländern schläft nicht und holt den Vorsprung langsam auf.

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) prägen die Umweltwirtschaft in der Bundesrepublik. Plakativ könnte man sagen: Der Mittelstand liefert GreenTech. Oft in Familienbetrieben organisiert, ist es für die kleinen Unternehmen schwierig, auf den ausländischen Märkten Fuß zu fassen. Auf für KMU relevanten Absatzmärkten bestehen Hürden, gesicherte Kenntnisse von örtlichen Umweltvorschriften und Ausschreibungsmodalitäten anzufordern. Häufig fehlt es an der fachlichen Beratung, am Wissenstransfer und an nachhaltigen, innovativen und kulturell angepassten Konzepten, die Voraussetzung für nachhaltige Investitionen sind.

Um in diesem Bereich Fortschritte zu erzielen, können sich Unternehmer an die Exportinitiative Umwelttechnologien des BMU wenden. Diese Initiative, sozusagen Made in Germany, fördert Projekte deutscher Unternehmen und Institutionen mit dem Ziel, Umweltwissen, Umweltbewusstsein und technisches Know-how in anderen Ländern zu verbreiten. Sie trägt außerdem dazu bei, die Vermittlung und Anwendung global einheitlicher Umweltstandards zu fördern. Im Kern geht es darum, in anderen Ländern die notwendigen Rahmenbedingungen und nachhaltige Marktstrukturen für den Export von Umwelttechnologie, hergestellt in Deutschland, zu schaffen.

Innovationen Made in Germany

Abluftfilter: Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung für Räuchereien

Die KMA Umwelttechnik GmbH aus Königswinter ist nach eigenen Angaben einer der führenden Komplettlösungsanbieter rund um das Thema Abluftreinigung in der Lebensmittelverarbeitung. Wie viele erfolgreiche Unternehmen hat KMA sein Lieferprogramm auf zusätzliche Anwendungsbereiche erweitert, wie die Metallindustrie, Gießereien, die Textilindustrie und weitere industrielle Einsatzgebiete. Eines der Anwendungsfelder der KMA-Industrielösungen ist die Wärmerückgewinnung für Räuchereien.

Die Ausgangslage: Räuchereien liegen als Versorgungsbetriebe oft in Kundennähe – sprich in Wohngebieten oder Stadtzentren in Hafennähe. Den Rauch und den aromatischen Geruch empfinden Anwohner häufig als belästigend. Daher ersetzt manch eine Räucherei inzwischen das traditionelle Räuchern zunehmend durch die industrielle Anwendung von standardisierten Flüssigraucharomen. Zusätzlich wird die entstehende Abluft mit speziellen Filtern gereinigt. Solche Filter entstehen Made in Germany in den Produktionsanlagen der KMS Umwelttechnik.

Neueste Technologien Made in Germany

Das weltweite Volumen der Umweltmärkte wird bis zum Jahr 2025 voraussichtlich weit mehr als fünf Milliarden Euro erreichen. Deutschland ist aktuell mit einem Weltmarktanteil von 13,5 Prozent der zweitwichtigste Anbieter, hinter der als Umweltsünder verrufenen Volksrepublik China. Das Label Made in Germany steht weltweit für hohe Standards, Qualität und Verlässlichkeit. Dennoch kommen in Ausschreibungen häufig internationale Konkurrenten des Umweltbereichs zum Zuge. 

Skandale und Umwelttechnik: US Umweltminister Scott Pruitt

Ein Blick in die USA: Amerikas Umweltminister Scott Pruitt ist für engagierte Umweltschützer geradezu ein Albtraum. Zumindest scheint er eine Fehlbesetzung zu sein, denn der Chef der Environment Protection Agency (EPA) glaubt nicht an die von Menschen verursachte Erderwärmung. Eine solche Haltung ist gefährlich – hemmt sie doch internationale Absprachen zur Bekämpfung des Klimawandels. Wie anzunehmen ist, war Scott Pruitt daran beteiligt, dass die US-Regierung im vergangenen Jahr das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt hat. Über die Wirkung dieser Emissionen gäbe es „enorme Meinungsunterschiede“, so Pruitt. Deswegen glaube er auch nicht, dass der Mensch und sein Wirken ein „primärer Faktor“ bei der globalen Erwärmung sei.

Der Dieselskandal – ebenfalls Made in Germany

In den Nachrichten kocht er regelmäßig wieder hoch: der Dieselskandal um VW. Vereinfachen wir die technischen Zusammenhänge: Den Ingenieuren des Konzerns wird vorgeworfen, die Motorsteuerung von VW-Modellen mit einer Software bespielt zu haben, die die Leistung des Motors herunterfährt und reduziert. Im Auspuff wurde zusätzlich eine weitere Reinigungsstufe (NOx-Katalysator genannt) zugeschaltet. Zudem sind im ABS, im Getriebe, im ESP System und in der Lenkung Sensoren verbaut, die VW zusammengeschaltet hat, sodass ein Fahrzeug erkennt, wenn es auf einem Prüfstand steht. Sobald das Vehikel registriert wird, greift eine Software und die Steuerung des Motors aktiviert einen besonders schadstoffarmen Sparmodus.

Das Fahrzeug wirkt so im Testverfahren schadstoffärmer als es auf der Straße tatsächlich ist. Auf diese Weise manipulierte Werte führten zur Zulassung von umweltschädlichen Fahrzeugen und somit zu entsprechenden Schäden für die menschliche Gesundheit und die Natur. Der VW-Skandal blieb nicht der einzige seiner Art Made in Germany.

Der BMW Vorfall – ein Skandal Made in Germany, der keiner war

Wie der Focus berichtete, kamen auch bei Daimler Beschwerden im Rahmen des Abgasskandals auf. Der Besitzer einer Mercedes V-Klasse klagte gegen den Hersteller und wollte den Wagen zurückgeben, weil das Kraftfahrt-Bundesamt bei seinem Diesel-Van eine erhebliche Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes im Realverkehr gemessen hatte.

Der Fokus kommentierte: „Erklärbar und erlaubt wäre zum Beispiel eine reduzierte Abgasrückführung zum Schutz des Abgas-Rückführungsventils vor Ablagerungen. Solche Funktionen gibt es etwa bei BMW. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte mit manipulierten Messungen versucht, BMW beim 3er eine illegale Abschalteinrichtung zu unterstellen, tatsächlich aber waren die Vorwürfe falsch, denn es handelte sich um eine technisch notwendige Abgasrückführung.“ Wohl doch kein Skandal um diesen Automobilhersteller Made in Germany.

Fazit für den Mittelstand

Kleine und mittlere Unternehmen brauchen Unterstützung von staatlicher Seite, denn die Eintrittsbarrieren in internationale Märkte sind nach wie vor hoch. Hier leisten Förderprogramme einen wichtigen Beitrag: Sie helfen, in den Zielmärkten Netzwerke und Partnerschaften aufzubauen, Umweltwissen und -bewusstsein zu fördern, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, Märkte zu kreieren und so GreenTech, hergestellt in Deutschland, weiter voranzubringen.

Mittelbaden und der PFC-Skandal 

Was war passiert? Rund 470 Hektar Ackerland rund um Rastatt und Baden-Baden wurden mit giftigen Fluorverbindungen verseucht. Die äußerst schwer abbaubaren Substanzen waren bis ins Grundwasser vorgedrungen. Bei den verwendeten Stoffen handelte es sich um Chemikalien, die in der Industrie zum Einsatz kommen. Nachgewiesen wurden sogenannte poly- und perfluorierte Substanzen, kurz PFC.

Auf der Website des Bundesumweltamtes ist diese Definition von PFC zu lesen: „PFC ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien – auch bekannt als PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) oder PFT (perfluorierte Tenside). Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 3000 verschiedene Stoffe. PFC kommen nicht natürlich vor. Chemisch gesehen bestehen die organischen Verbindungen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Am häufigsten werden perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren sowie deren Vorläuferverbindungen verwendet. Als Vorläuferverbindungen werden Stoffe bezeichnet, die zu diesen persistenten perfluorierten Stoffen abgebaut werden können.“

Augenfällig sind die Auswirkungen dieser Substanzen weitaus relevanter als die chemische Erklärung. Als Verunreinigung in Kompostdünger wurde PFC wohl auf Äcker aufgebracht. Der Regen schwemmte einen Teil davon aus und leitete diesen ins Grundwasser, bis zu zehn Meter tief in den Boden. Brunnen, die aus der Tiefe Trinkwasser nach oben befördern, holten die Substanzen wieder herauf, wo sie Jahre später im Rohwasser der Versorger entdeckt wurden. Das Ausmaß der Umweltbelastung durch den Chemikalienaustritt ist beispiellos, denn riesige Flächen sind betroffen. Das Gift baut sich nicht von allein ab, daher wird Mittelbaden die Industriegifte also so bald nicht wieder los.


Staatlicher Eingriff am fossilen Brennstoffmarkt

Staatlicher Eingriff am fossilen Brennstoffmarkt

Maßnahmen für die Zukunft?

Staatliche Markteingriffe können die Preise für fossile Brennstoffe und Energie erhöhen. Denkbar wären beispielsweise Emissionsobergrenzen oder Kohlenstoffsteuern. Bewirken könnten solche Maßnahmen zum Beispiel, dass die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen wirtschaftlich attraktiver wird oder das Energieeffizienz Anforderungen an bestehenden Gebäuden zu Sanierung und damit zu mehr ökologisch unbedenklichem Gebäudebetrieb und damit zu einem verantwortlicheren Umgang mit der Umwelt im Infrastruktur- und Bausektor führen. 

Technosan-Skandal

Technosan – dieser Firmenname dürfte seit dem Jahr 2013 vielen ein Begriff sein. Und das nicht wegen guter PR, sondern aufgrund eines der größten Umweltskandale Made in Germany. Mitte November hatte das zuständige Landratsamt Neuötting der Recycling-Firma Technosan die Betriebserlaubnis entzogen. Messungen in einer Kiesgrube bei Mühldorf hatten ergeben, dass das Unternehmen dort hochgiftigen Bauschutt illegal eingelagert hatte. Die Grenzwerte für Krebs erregende Kohlenwasserstoffe sollen um das 50-Fache überschritten worden sein. Da sich der Verdacht erhärtete, dass kontaminierte und in den Analysepapieren falsch benannte Materialien offenbar auch auf anderen mit Technosan verbundenen Deponien verfüllt worden waren, wurde eine Sonderkommission eingerichtet. Bedauerlicherweise „erlaubt“ illegale Müllentsorgung, Gewinne in Millionenhöhe einzufahren, doch dieser Fall hatte ein erhebliches juristisches Nachspiel.

Der Unternehmer Alexander Czetsch wurde im Februar 2013 wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr festgenommen und saß bis vor kurzem in Untersuchungshaft. Er muss sich mit drei weiteren Angeklagten seit dem 30. April vor dem Landgericht München II wegen illegaler Entsorgung von Industriemüll in mehr als 400 Fällen verantworten. Verurteilt wurde der Unternehmer wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs. Er hatte mit Technosan 435 000 Tonnen Gleisschotter, Bauschutt und verseuchtes Erdreich meist unbehandelt in ungeeigneten Gruben und Deponien entsorgt, etwa in den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Laut Anklage beträgt der Schaden knapp 13 Millionen Euro. Nach Anschuldigungen der Anklage begann die unsachgemäße Aufarbeitung des Giftmülls aufgrund einer Finanzkrise. Um wieder gewinnbringend arbeiten zu können, habe die Firma mit Giften belastetes und krebserregendes Material in Mengen angenommen, die von der Verwertungsanlage nicht zu bewältigen waren. Den Kunden sei eine ordnungsgemäße Entsorgung vorgespiegelt und berechnet worden.

Schon 2013 hatte das Bayerische Umweltministerium in einem Bericht zu Technosan das bis dato verwendete Überwachungssystem als „unzureichend beziehungsweise manipulationsanfällig“ bezeichnet. Der Skandal zeigt, dass diese Einschätzung weit untertrieben war. Die Kontrollen haben komplett versagt. Nicht zuletzt dieser Riesenskandal begründete die strengeren Gesetze, die für die Entsorgungsbranche mittlerweile verabschiedet wurden.

Heute ist Technosan insolvent und sieht sich mit Forderungen von ehemaligen Auftraggebern, mutmaßlich in Millionenhöhe, konfrontiert. Die rund 40 Angestellten waren bereits 2013 nach Entzug der Betriebserlaubnis für die Baustoff-Recyclinganlage der Firma entlassen worden. Auch die Besitzgesellschaft wurde abgewickelt.

Doch auch 2018 ist der Umweltskandal Technosan noch nicht beendet. So werden die betroffene Deponie und die Verfüllgruben mit einer qualifizierten Deponieoberflächenabdichtung versehen, wie es auf Anfrage seitens des Landratsamtes hieß. Vorgesehen sei eine Kunststoffdichtungsbahn, also eine Art dicke und widerstandsfähige Kunststofffolie, um die Altlasten vor eindringendem Regenwasser abzuschirmen. Zudem soll so ein weiteres Ausschwemmen der Giftstoffe verhindert werden. Der Effekt dieser Maßnahme wird dem Konzept zufolge mittels eines dauerhaften Grundwassermonitorings kontrolliert.


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