Humus Made in Germany statt Plastikmüllberge

Fast 10 Prozent des deutschen Mülls besteht aus Plastikwindeln. Das sind 500.000 Tonnen im Jahr. Frankreich, die USA und England werfen gemeinsam jährlich 53,5 Milliarden Windeln in den Abfall. Dort liegen sie bis zu 500 Jahre oder werden verbrannt – ein Müllirrsinn. Doch die umweltfreundliche Alternative ist da.

Sicherlich ist diese Müllsituation nicht im Sinne der Windelträger, denen wir diese Berge hinterlassen. Umweltbewusst greifen einige Eltern wieder zur Stoffwindel. Die Umweltbilanz soll aufgrund des Wasserverbrauchs aber nicht viel besser sein. Was tun?

Benutzte Windeln zu recyceln, klingt erst einmal unappetitlich. Dabei ist der Inhalt pures Düngergold. Das Plastik verhindert jedoch die Nutzung. Die Lösung: Natürlich biologisch abbaubare Windeln, dachte sich die Japanerin und Wahlberlinerin Ayumi Matsuzaka und gründete Dycle. Dieses Firmenkonzept umfasst einen in sich geschlossenen Windelkreislauf, der wertvollen Humus produziert und Obstbäume wachsen lässt, um mit den Früchten Babybrei herzustellen. 

Dabei war die Idee ursprünglich ein Kunstprojekt: Matsuzaka nutzte ihren eigenen Urin, um damit den Salat zu düngen, den sie später verspeiste  Kreislauf Erde. Und so wird aus Kunst realer Alltag: Recycling-Wissenschaft Made in Germany.

 

Neuartige Windeln mit Mitdenkbitte an Konsumenten

Die Idee steht und heimst bereits Preise ein. Das Konzept Diapers Cycle erhielt den ZERI Award 2015, wurde ausgezeichnet von der Initiative Deutschland, Land der Ideen, dem Next Organic Startup Award und wird gefördert vom Social Impact Startup Programme, unterstützt von SAP. Um ihr Konzept umzusetzen, hat Matsuzaka eine Windeleinlage erfunden, deren Material erstens ohne jegliche Schadstoffe für das Baby auskommt, zweitens aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und drittens zu 100 Prozent kompostierbar ist – und zwar ohne Hitzezufuhr, somit ohne Energieverlust. Die Einlage wird in eine wiederverwendbare Windelhose gelegt, welche die Dycle-Mitarbeiter nach Nutzung abholen. Der Probelauf mit interessierten Familien fand 2017 in Berlin statt: Die ersten Windeln wurden zu Humus, erste Obstbäume wurden in den wertvollen Boden gepflanzt.

Jetzt sind die Konsumenten an der Reihe. Denn Dycle funktioniert nur, wenn Familien sich bei der Firma anmelden, um sich mit den Einlagen einzudecken und sie abholen zu lassen, damit der Anbieter sie kompostieren kann. Je mehr sich dafür interessieren und mitmachen, umso schneller kann sich die Kreislaufidee aus ihrer Heimatstadt Berlin auf ganz Deutschland und schließlich in alle Welt ausweiten. Das Ziel: Millionen von Tonnen Plastikmüll weniger, dafür nährstoffreicher Boden für Nahrung spendende Pflanzen.

Über gutes Timing verfügt diese Lösung, nachdem die EU beschlossen hat,  angesichts des Müllwahnsinns in unseren Meeren und Wäldern Wegwerfplastik zu verbieten. Und angesichts der Tatsache, dass in menschlichen Stuhlproben bereits Plastik steckt, wie österreichische Forscher jüngst entdeckt haben. Es ist allerhöchste Zeit zu handeln.

Umweltbewusst, gewinnbringend und familienfreundlich

Aus Windeln fruchtbare Erde herzustellen, ist nicht nur ökologisch , sondern auch ökonomisch einwandfrei. Ungefähr 3.000 Liter Ausscheidungen werden zu einer Tonne Humus. Das ist fruchtbare Erde für 1.000 Obstbäume, die jeweils 50 Kilo Früchte pro Jahr liefern. Die können für 5 Euro pro Kilo verkauft werden.

Die Erde ist aber auch für Pflanzen nutzbar, aus denen Windeln entstehen. Die Idee besagt , kompostierbare Gratiswindeln an Eltern zu verteilen. Noch steckt die Umsetzung in den Kinderschuhen. Aber das Projekt Windelkreislauf ist schon in vollem Gange.

 

Was können Eltern tun?

Wer Interesse an dem Windelsystem hat, trägt sich einfach im Verteiler von Dycle ein. Je mehr Familien sich anmelden, umso eher kann das Unternehmen aus Berlin heraus expandieren. Bis die Firma auch in ihrer Stadt ein Netzwerk aufbauen kann, besteht für Eltern die Option, zu herkömmlichen kompostierbaren Windeln zu greifen. Die werden zwar mit reichlich Energiezufuhr verwertet, sind aber vermutlich umweltfreundlicher als riesige Plastikberge. Bis Dycle in der Lage ist, großflächig Verbraucher mit ihrer Windeleinlage zu versorgen und fruchtbaren Boden daraus herzustellen. Weltweit nutzbar für essbare Pflanzen – Made in Germany und Japan.


Fotos: Pixabay.com

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