Wie Indoor Farming grüne Ernährung ins Herz von Berlin bringt

Eine Innovation für gesündere Ernährung „blüht uns“ in unserer Hauptstadt. Die Berliner lieben es frisch und selbst angebaut. Grüne Dächer und Balkongärten beleben das Stadtbild. Auf Flachdächern gedeihen dank Gemeinschaften, Vereinen oder in Eigenregie Kräuter, Tomaten, Salate und alles andere, was sich in Hochbeeten und auf wenig Raum anbauen lässt. Neu ist Indoor Farming, städtisch angepasstes Gärtnern.

In Berlin hat die Firma Infarm eine Gärtnereivariante ins grüne Leben gerufen, die Altes und Neues beim Anbau von Nutzpflanzen verbindet.

Städtische Landwirtschaft – geht das?

„Unsere Felder liegen im Herzen der Stadt“, verkündet die Website der Indoor Urban Farming GmbH. Die Aussage trifft es auf den Punkt, denn Infarm, das ist Indoor Farming, Gärtnern direkt in der Stadt, dort, wo Obst und Gemüse am Ende ohnehin verkauft werden. Die Idee dahinter ist simpel: Ohne lange Anfahrtswege spart Infarm Energie, Kraftstoff und somit Umweltemissionen. Zusätzlich fallen die langen Transportzeiten weg, die den Nachteil haben, dass die geernteten Pflanzen ihre Nährstoffe Stück für Stück abbauen.

Beim Indoor Farming sind die Wege kurz: Die Ernte landet direkt vom Anbauort auf dem Teller, und zwar nicht, weil der Konsument sich aufs Land begibt, sondern weil die Landwirtschaft zu ihm in die Stadt kommt. Frischer als vom Wochenmarkt sind die Ernten vom Indoor Farming, so scheint es. Alle Pflanzen bieten beim Verzehr noch die vollen Nähr- und Geschmacksstoffe.

So funktioniert Indoor Farming

Die Farmen sind intelligent und modular aufgebaut, angelehnt an die Strukturen der Natur. Im Freien wachsen Pflanzen am besten dort, wo sie die richtige Mischung an Licht, Temperatur und Nährstoffen erhalten. Wo dies nicht der Fall ist, entfalten sie sich entweder nicht so gut oder gehen ein. Nach diesem Prinzip arbeiten auch die Farmen von Infarm. Denn sie liefern jeder Pflanze Temperatur, Lichtspektrum und Nährstoffe gemäß ihren Bedürfnissen. Das ermöglicht maximales, natürliches Wachstum und gehaltvollen Geschmack.

Darüber hinaus klappt das Ganze ohne Pestizide. Die dürfen sowieso nicht zum Einsatz kommen, denn die Farming-Stationen von Infarm stehen in Restaurants, Lagerhallen und anderen städtischen, von Menschen besuchten Orten. Luftverschmutzende Pestizide weit draußen auf dem Land sind eine Sache, direkt in der Stadt sind sie indiskutabel. Da versteht auch der letzte Vollblutstädter, warum ökologischer, umweltfreundlicher Anbau unerlässlich für eine bessere Zukunft ist.

Vertikales Gärtnern spart Platz

Meist sucht der Gartenfreund Platz für große Anbauflächen in Großstädten wie Berlin vergeblich. Wie schaffen es die Farmer von Infarm also, große Mengen an Nutzpflanzen mitten in der Hauptstadt anzubauen? Ganz einfach: vertikal. Die Salat- und Kräuterpflanzen gedeihen in transparenten Hochregalen unter LED-Licht. Hochsensible, moderne Sensoren fragen dabei permanent zahlreiche Daten ab und messen Temperatur, ph-Wert und Nährstoffdichte der Böden.

Zudem ist das dahintersteckende Computersystem lernfähig. Es passt die Wachstumsvoraussetzungen den gesammelten Daten an und optimiert die Umgebung für die Pflanzen so rund um die Uhr. Um eine möglichst keimfreie Umgebung zu schaffen und Schimmelsporen in der Luft zu vermeiden, läuft das Farming hydroponisch ab, das heißt, die Sprösslinge werden ohne Erde groß.

Was als Winterexperiment im Wohnzimmer begann, entwickelte sich in Eigendynamik zu einem kleinen Wohnwagenprojekt in den Berliner Prinzessinnengärten. Dort stießen die Gründer bei den urbanen Gärtnern der Anlage nicht nur auf Interesse. Selbst konservative Landwirte waren neugierig und unterstützen das Gründerteam mit Tipps und Erfahrungswerten. Am Ende „erblühten“ die Ideen von Stadtentwicklern, Architekten, Gärtnern und Köchen zu einem Konzept, auf dessen Basis die drei Erfinder Infarm gründeten.

Dort ernten, wo man isst: überall, jederzeit und preiswert

Weil das System sich quasi selbst betreibt und nur überwacht werden muss, stehen die Regale mit den frischen Vertikalgärten inzwischen sogar in Restaurantküchen, wo die geernteten Salate und Kräuter direkt aus dem Beet auf den Teller der Gäste wandern. Frischer geht es wirklich nicht. In der Stadt ist das Konzept darum eine Revolution. Auch Edeka- und Metro-Filialen haben die Regale des urbanen Farmings bereits angeschafft.

Infarm betrachtet die Landwirtschaft als Dienstleistung. Das heißt, dass Kunden wie Restaurantketten und Einzelhändler die Farmeinheiten auf Wunsch erhalten und diese aufstellen können, wo sie diese brauchen. Im Supermarkt ist das die Gemüseabteilung, im Restaurant die Küche, und weitere Abnehmer sollen Schulen und Krankenhäuser werden. Der Endverbraucher bekommt frische Produkte ohne Nährstoffverlust. Am Ende kosten beispielsweise die Infarm-Kräuter lediglich 1,29 Euro, nicht mehr also, als abgepackte Kräuter in der Plastikhülle, Topqualität zum Low-Price. An immer weiteren Optimierungen tüftelt man im Forschungszentrum in Berlin Spandau. Die drei aus Israel stammenden Gründer von Infarm haben noch viel vor und möchten im Jahr 2019 die Grenze von europaweit 1.000 Farmen knacken.


Bildnachweis: Shutterstock.com

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