Beseitigt bald ein „Meeresmüllschlucker“ Plastikmüll?

Bei einem Urlaubsaufenthalt am Meer ärgerte sich die Architektin Marcella Hansch über die Strand- und Meeresverschmutzung durch Plastikmüll. So kam sie auf die Idee, selbst anzupacken. Sie ging das Übel an und entwarf unter dem Namen „Pacific Garbage Screening“ eine Plattform ähnlich einem „Meeresmüllschlucker“, der künftig Plastik aus dem Meer fischen soll.

So geht Meeresschutz Made in Germany: Marcella Hansch aus Aachen tritt gegen das Abfallproblem der Ozeane an. Gründe dafür gibt es genug: Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gelangen mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr ins Meer. Und wie das Umweltbundesamt bekanntgab, dauert es 450 Jahre, bis eine PET-Flasche sich völlig zersetzt hat. Mittlerweiletreiben riesige Massen mit Kunststoffabfall in den Weltmeeren – und das auf einer Fläche, die insgesamt viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist. 

Plattform soll Plastikmüll auffischen

Unter „Pacific Garbage Screening“ (PGS) – „firmiert“ die Plattform der Initiatorin, die sie im Rahmen ihrer Masterarbeit an der RWTH Aachen entwickelte. Das Konzept, auf Deutsch in etwa „Müllüberwachung des Pazifiks“, bedient sich des Prinzips des Auftriebs: Da Plastik eine geringere Dichte als Wasser hat, schwämme es normalerweise an der Oberfläche. Die Meeresströmung lässt den Plastikmüll jedoch bis zu 30 Meter tief absinken. 

Die Erfindung der jungen Frau ist eine 400 Meter lange und ebenso breite Plattform, die wie ein gigantischer Kamm aussieht – diese Konstruktion ragt mit ihren Zacken 35 Meter ins Meer hinein. Nur 15 Meter davon erblickt man oberhalb der Wasseroberfläche. Dank dieser Bauweise ist es möglich, die Strömung zu beruhigen, sodass Plastikmüll durch den eigenen Auftrieb an die Wasseroberfläche gerate und abgeschöpft werden könne, wie Online-Informationen das Projekt erklären. Zudem sind Netze bei der Erfindung nicht erforderlich. Deshalb würde die Plattform Fischen und Meerestieren nichts ausmachen – sie schwämmen ungehindert hindurch. 

Wie Hansch und ihr Team erläutern, wird der gesammelte Plastikmüll nicht einem Recycling zuzuführen sein, da er durch das Salzwasser stark beschädigt ist. Deshalb sollen im Rahmen des Vorhabens Plastikpartikel in ihre Grundmoleküle zerlegt werden: Der daraus gewonnene Wasserstoff soll den Energieträger für die Brennstoffzellen liefern, die wiederum die Plattform betreiben. Mit dem freigesetzten Kohlenstoffdioxid werden dem Konzept zufolge Algenkulturen gezüchtet, aus denen letztendlich Biokunststoff werden soll.

Crowdfunding-Plattform fuhr Spenden ein

Um das ehrgeizige Konzept zu realisieren, haben Hansch und ihre Mitstreiter einen gemeinnützigen Verein auf die Beine gestellt. Das Team, zu dem Ingenieure und Meeresbiologen gehören, arbeitet nebenberuflich und ehrenamtlich an dem Vorhaben. Als nächsten Schritt planen die Wissenschaftler, einen Prototyp für Flussmündungen zu entwickeln, damit Plastikmüll gar nicht erst ins Meer driften kann. Mut macht dem Team, dass ihre Crowdfunding-Plattform bereits 231.205 Euro an Spenden in die Kasse gespült hat, damit „Pacific Garbage Screening" in Zukunft das Meer von Plastikmüll befreien kann. 

„Für den Bau eines Prototyps reicht die jetzt vorhandene Summe leider nicht“, so Marcella Hansch – doch das Geld „wirkt“, denn es fließt laut der Initiatorin in Forschung, PR-Arbeit, Berechnungen und andere Aufgaben. „Super, dass es geklappt hat“, bedankt sich die junge Frau bei allen Spendern. Doch jeder Mensch kann auch ohne finanzielle Mittel viel gegen Plastikmüll und Umweltzerstörung tun: weniger Produkte mit oder aus Plastik kaufen und das eigene Bewusstsein für die Umwelt schärfen. Außerdem bekämpfen weitere wissenschaftlich fundierte Projekte die Vermüllung der Ozeane – Vorhaben, die es zu unterstützen gilt.

Fotos: Pixabay.com

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