Gewinnt der Ökolandbau in Deutschland weiter an Boden?

Gewinnt der Ökolandbau in Deutschland weiter an Boden?

Bis 2030 soll der Ökolandbau 25 Prozent der Agrarfläche einnehmen, so plant es die Europäische Union mit dem Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie. Wie das in Deutschland zu schaffen ist, wird heiß diskutiert. Bio ist stark im Trend, doch damit noch mehr Ökobewusstsein in Landwirtschaft und im Leben aller möglich wird, ist ein breiteres Umdenken erforderlich.

Für das Ziel 25 Prozent Biofläche bis 2030 müsste Deutschland dann 4,15 Mio. Hektar davon aufweisen. Aktuell sind es rund 1,7 Mio. Hektar, von 2010 bis 2020 stieg der Anteil um 0,7 Mio. Hektar. Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat sich 2020 der Biotrend bei Bauernhöfen und Lebensmittelunternehmen merklich fortgesetzt: Es handelt sich um 35.413 Höfe mit 1.698.764 Hektar Ökolandbau und somit um 10,2 Prozent der Agrarflächen hierzulande. Die Flächenzunahme von 5,3 Prozent macht ein Plus von 84.930 biologisch genutzten Hektar aus. In den letzten fünf Jahren haben mehr als 8.000 Höfe auf Biolandwirtschaft umgestellt. Und bisher haben die Deutschen während der Coronapandemie immer mehr Appetit auf eine gesunde, umweltbewusste Ernährungsweise bekommen. So stieg der Verkauf von Biowaren im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) 2020 um 22 Prozent, ein Anteil von 6,4 Prozent am gesamten Lebensmittelumsatz.

Ökologische Herausforderungen rufen nach mehr Biolandwirtschaft

Der Geschäftsführer des BÖLW, Peter Röhrig, wertet die von der EU angepeilten 25 Prozent Bio für machbar. Hierzulande bestehe das entsprechende Potenzial, „[…] dazu kommt ein nach wie vor hohes Umstellungsinteresse. Daran sehen wir, dass 25 % Bio möglich sind. Mehr Bio ist auch nötig, um die großen ökologischen Herausforderungen vor der die Landwirtschaft steht, zu lösen“. https://www.topagrar.com/oekolandbau/news/biobetriebe-anteil-steigt-auf-13-3-12481870.html?utm_campaign=related&utm_source=topagrar&utm_medium=referral

Auch für den Vorsitzenden des BÖLW, Prinz Felix zu Löwenstein, ist die EU-Vorgabe erreichbar. Dazu fordert er, dass Verbände sowie die Politik die Biolandwirtschaft stärken und Landwirte zu neuen Wegen ermutigen. Mindestens 70 Prozent der EU-Finanzmittel sollten laut Löwenstein in freiwillige umweltbezogene Bestrebungen der Agrarwirtschaft fließen. Dabei sei zu vermeiden, dass der Ökolandbau mit Umweltprogrammen konkurriert.

Nach Meinung des Grünen-Parteichefs Robert Habeck muss Deutschlands Landwirtschaft noch mehr Ökolandbau als das anvisierte EU-Ziel wagen können. Landwirte müssten davon profitieren können, Nutztiere artgerecht zu halten und umweltschonend zu arbeiten. Derzeit lohne es sich für sie jedoch nur, zunehmend mehr Land immer stärker zu nutzen und dabei Pestizide zu verwenden. Hier müsse man umdenken. „[…] Allerdings hält die unionsgeführte Bundesregierung mit aller Macht am alten System fest. Agrarministerin Julia Klöckner plant in Deutschland gerade mal mit einem Ökolandbau von 20 Prozent – also noch mal weniger als die EU. Das ist mutlos und weit von dem entfernt, was angezeigt wäre“, so Habeck. https://www.stimme.de/deutschland-welt/politik/dw/robert-habeck-die-strukturelle-logik-des-agrarsystems-aendern;art295,4449390

Alle sollten ökologisch bewusster leben

Die Wochenzeitung Die Zeit gibt zum Wachstumsziel der EU zu bedenken, dass Deutschlands Gemüse- und Weinanbau dann dreimal mehr Biofläche und die hiesige Ackerwirtschaft fünfmal so viel Land bräuchten. Und als ein Manko der Biolandwirtschaft führt ein im Juni 2020 herausgegebenes Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) der Bundesregierung u. a. an: „Biobauern, die auf Kunstdünger und Spritzmittel verzichten, haben im weltweiten Durchschnitt zwischen 19 und 25 Prozent weniger Ernte als ihre konventionell arbeitenden Kollegen.“ https://www.zeit.de/2021/08/oekologische-landwirtschaft-biobranche-oekolandbau-umweltschutz-corona/seite-2

Weiter stellt das WBAE fest: „Sollte die weltweite Landwirtschaft nur zu 60 Prozent auf Bioproduktion umgestellt werden, müsste all die Ackerfläche, auf der derzeit Viehfutter angebaut wird, halbiert werden.“ https://www.zeit.de/2021/08/oekologische-landwirtschaft-biobranche-oekolandbau-umweltschutz-corona/seite-2 Das wäre nur möglich, wenn ein Drittel weniger Nutztiere benötigt würden. Zudem müsste die Weltbevölkerung viel mehr als bisher dazu übergehen, verwendbare Lebensmittel nicht mehr zu entsorgen. Nur diese Entwicklungen können der Zeit zufolge einen höheren Verbrauch an Agrarfläche stoppen.

Der WBAE konstatiert in seinem Gutachten auch, dass Ökolandbau allein nicht alles verbessern kann. Auch wenn Biobauern Böden und Grundwasser pfleglicher behandeln und den Artenreichtum fördern, wirtschaften sie angesichts der geringeren Erträge nicht generell klimaschonender als konventionell arbeitende Landwirte.

Letztendlich empfiehlt sich, dass alle – Agrarbetriebe allgemein, Unternehmen und Verbraucher – mehr tun, damit ein ökologisch hochwertigeres Leben und Wirtschaften möglich ist. So könnte man schließlich mehr ausrichten, „[…] als wenn die große Mehrheit weitermacht wie bisher – und die Einhaltung höchster Standards ein Nischenphänomen bleibt“. https://www.zeit.de/2021/08/oekologische-landwirtschaft-biobranche-oekolandbau-umweltschutz-corona/seite-2



Quellen

https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/bio-waechst-kraeftig-corona-jahr-2020-578321

https://www.zeit.de/2021/08/oekologische-landwirtschaft-biobranche-oekolandbau-umweltschutz-corona/seite-2

https://www.stimme.de/deutschland-welt/politik/dw/robert-habeck-die-strukturelle-logik-des-agrarsystems-aendern;art295,4449390

https://www.topagrar.com/oekolandbau/news/biobetriebe-anteil-steigt-auf-13-3-12481870.html?utm_campaign=related&utm_source=topagrar&utm_medium=referral

Bildnachweise: 

Shutterstock/Eldar Nurkovic/Landwirtschafterin, die im landwirtschaftlichen Feld

Shutterstock/janstarik/ Moderner Fahrstuhl in Granary.

Shutterstock/David Jancik/Lufttrockner-Sicht auf die Ernte. 

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