Alles gut bei „Made in Germany“?

Produktion und Arbeit 2017

Qualität, Ressourcen, Arbeitsbedingungen – diese drei Bereiche sind zentral, betrachtet man Produktion und Arbeit in Deutschland. Wie entwickelt sich die Lage? Alles gut bei Made in Germany? Hier einige Aspekte.

Eins scheint sicher: „Made in Germany“ steht weiter hoch im Kurs – die Exportzahlen sprechen für sich. Insbesondere mittelständische Unternehmen mischen bei der Ausfuhr von Waren mit. Viele von ihnen produzieren zum großen Teil hierzulande. Zwar könnten die Firmen im Ausland Kosten sparen, doch die Qualitätsstandards liegen außerhalb der EU nahezu überall auf niedrigerem Niveau als bei uns – bis auf die USA, Kanada, Großbritannien und Japan. Hierzulande zu fertigen, zahlt sich aus, denn Kunden bleiben „Made in Germany“ auch in Zeiten des starken globalen Trends treu – ein Bonus, den die deutsche Wirtschaft insbesondere ihren hohen Qualitätsstandards verdankt.

Ressourcen herunterfahren

Heute gilt für alle Unternehmen, möglichst ressourcenschonend zu produzieren. Im deutschen verarbeitenden Gewerbe machen die Materialkosten immerhin über 40 Prozent der gesamten Kosten aus. Außerdem verbraucht die Industrie über 25 Prozent der insgesamt benötigten Energie in Deutschland.

Um Ressourcen einzusparen, bauen viele mittlere und kleinere Unternehmen in erster Linie auf technische Lösungen, wie Experten des Fraunhofer Instituts feststellten. Sie raten diesen Firmen, mehr Instrumente des Managements zu nutzen, z. B. TCO (Total Cost of Ownership), Energiemanagement, Umweltkennzahlensysteme und Qualitätsmanagementkonzepte. Denn Managementlösungen erlauben es, die eigenen Prozesse zu durchleuchten, das Einsparpotenzial zu erkennen und daran orientiert ressourceneffizienter herzustellen. Diese Lösungen sind laut Experten für mittlere und kleinere Unternehmen vergleichsweise günstig und bieten einen guten Ansatz, Ressourcen einzusparen.

Ausgezeichnet umweltbewusst

Apropos Ressourcen: Viele Unternehmen schauen zunehmend auf ihre Umweltbilanz. Wirtschaft, Regierung, Institutionen – gemeinsam arbeiten sie daran, umweltbewusste Projekte nach vorne zu bringen. Beispielsweise verleiht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt jedes Jahr den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis. 2016 erhielten die Professorin Angelika Mettke und der Unternehmer Walter Feeß diese Auszeichnung für Lösungen zum umweltfreundlicheren Betoneinsatz in der Baubranche. Angelika Mettke ist unter anderem zu verdanken, dass der Berliner Senat 2013 entschied, bei öffentlichen Projekten im Hochbau anteilig Recycling-Beton einzusetzen. Walter Feeß erfand schon vor zwanzig Jahren das Verfahren, Altbeton zu schreddern und in dieser Form wiederzuverwenden.

Arbeit hierzulande

Wie sieht es für Arbeitnehmer aus? Auf den ersten Blick positiv, denn im Jahr 2016 lag die Zahl der arbeitenden Menschen in Deutschland bei 43 Millionen und damit höher denn je. Allerdings sind die Beschäftigten nicht mehr unbedingt abgesichert, denn sogar in den Konzernen sind viele nur Leiharbeiter. Geht es abwärts mit der Konjunktur, verlieren sie als Erste ihre Stellen. Zudem übernehmen immer mehr Zulieferfirmen Produktionsschritte und halten Löhne und Sozialleitungen vergleichsweise niedrig. Darüber hinaus bezogen 2016 vier Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt aus Minijobs.

Wie lange arbeiten die Deutschen?

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte Ende 2015: „Der starre Acht-Stunden-Tag passt nicht mehr ins digitale Zeitalter, wir wollen mehr Beweglichkeit.“ So könne eine Person an einem Tag z. B. zwölf Stunden arbeiten und am folgenden nur vier. Kramer fügte hinzu: „Wir wollen ja die Wochenarbeitszeit nicht ausweiten.“

Ohnehin ist die Arbeitszeit nicht mehr „starr“. Viele Experten, Kreative oder Projektteams sind inzwischen so tätig, wie die Arbeit es vorgibt. Darin liegt eine Schwachstelle vieler Statistiken: Sie zeigen nicht die schwankende Realität in der Arbeitswelt.

Selbst im Hinblick auf alle Vollzeitbeschäftigten arbeiten die Deutschen durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Doch der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, warnt: „Es gibt Belastungsgrenzen, und eine liegt definitiv bei acht Stunden Arbeitszeit. Das ist wissenschaftlich längst erwiesen.“ Die Arbeitgeber dürften die Folgen der digitalisierten Arbeitswelt nicht „missbrauchen“, „um eine Rolle rückwärts bei den Arbeitszeiten einzuleiten“.


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