Deutsches Segelschulschiff auf ökologischem Kurs gegen Luftverschmutzung

Bereits 2016 sorgte die Einfahrt des Frachtseglers Avontuur für Aufsehen nicht nur im Bremer Hafen. Der 44 Meter lange Gaffelschoner kam bei bestmöglichem Segelwetter nach Hause. An Bord: Kaffee. Doch auch Rum, Tee und andere Produkte schippert der bis zu 114 Tonnen fassende Frachtraum des emissionsfreien Seglers über den Atlantik.

Nicht nur auf See, auch vor und nach den jeweiligen Frachtfahrten agieren die Betreiber des Segelschiffes ökologisch. So gelangten die 280 Säcke Kaffeebohnen in Bremen mit dem Fahrrad ins Lager, in Kooperation mit der Initiative „Bremen? BIKE IT!“. Kapitän Cornelius Bockermann stach von Anfang an ökologisch motiviert mit dem alten Schiff für Frachtfahrten in See. Der im Jahr 1920 gebaute leichte Frachter stammt aus der Werft Otto Smith und gehört seit 2014 der Timbercoast Pty Ltd. An deren Standort in Elsfleth wurde er für 1,4 Millionen Euro generalüberholt. Seither fährt die Avontuur unter deutscher Flagge als Ausflugsschiff, Segelschulschiff und eben auch als Frachter. Die Crew an Bord besteht auch bei Warentransportfahrten zum Teil aus eingebuchten Interessierten und Hobbyseglern aus aller Welt.

Frachtsegeln in Zukunft wieder denkbar?

Richtig lukrativ ist die Frachtseglerei für die Firma noch nicht, gibt der Kapitän zu. Doch er möchte mit seinen Fahrten ein Zeichen setzen. Denn einer der Hauptverursacher von Luftverschmutzung ist die Schifffahrt in den Bereichen Container, Fracht und Kreuzfahrt. Sie wird Schätzungen zufolge in weniger als fünf Jahren mit ihren klima- und gesundheitsschädlichen Abgasen die Emissionen aller anderen Quellen übertreffen. Als sogenannter Auxiliarsegler verfügt die Avontuur nur über einen Hilfsmotor, der lediglich der Navigation im Hafenbereich oder bei Flaute dient.

Der Transport von Kaffeebohnen und anderen weniger verderblichen Nahrungsmitteln erfolgt umweltverträglich ausschließlich per Windkraft. Allerdings ist der Segler für knappe 300 Säcke Kaffee von den Azoren nach Deutschland auch mehr als zwei Monate unterwegs. Ursprünglich hatte sich der Initiator Bockermann aufgrund der kürzeren Strecken die australische Küste als Liefergebiet ausgesucht. Doch der Zufall wollte es anders. Finanziell, sagt er, rentieren sich die Frachtfahrten per Segelschiff leider noch nicht. Doch darum geht es auch gar nicht. Er möchte eine Ideologie unter die Menschen bringen: „Sozial verträgliche Arbeit statt Gewinnmaximierung, weniger Konsum und vor allem mehr Umweltschutz.“

Alle Waren auf schwerölbetriebenen Containerschiffen

Im Allgemeinen kommen mehr als 90 Prozent unserer Waren per Seeschiff zu uns. „Alles – also 90 Prozent. Nur 10 Prozent fahren nicht mit dem Seeschiff“, sagt Bockermann. Nur ist das kaum jemandem bewusst, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Lebensmittel und andere Produkte auf schwerölbetriebenen Containerschiffen über die Meere schippern. Diese Seevehikel stoßen Luftschadstoffe aus, wie Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickoxid, schädigen massiv unsere Ökosysteme und sind dennoch seltener ein Thema in öffentlichen Verhandlungen und Debatten über Umweltbelastungen als der Pkw. Denn die Schiffe sieht man nicht, nur selten beim Urlaub am Meer oder wenn man eine Schleuse besichtigt. Aber an Umweltbelastung denkt da keiner.

Grün motiviert?

Sozusagen grün motiviert liefert die Crew des Frachtenseglers Avontuur emissionsfrei transportierten Kaffee nach Bremen. Und das Projekt geht noch weiter. Bockermann sagt: „Also wir transportieren nichts, was nicht nachhaltig produziert wurde. Wir sehen uns ja als eine Möglichkeit, tatsächlich nachhaltig produzierte Waren in Europa auf den Markt zu bringen, ohne dabei die Umwelt zu zerstören.“ Das klingt sinnvoll und  vorbildlich.

Wegweiser für ökologische Schifffahrt

Der Segler weiß, dass er keine Konkurrenz zur Containerschifffahrt darstellt, und dass man grundsätzlich nicht zur Frachtseglerei zurückkehren kann. Zu viele Exporte und Importe laufen weltweit ab. Doch er möchte mit seinem Projekt eine Richtung weisen und zum Nachdenken anregen. Technisch, sagt der Kapitän, gäbe es bereits die Möglichkeiten, deutlich emissionsärmere Schiffe zu bauen, nur fehle der Anreiz. Eine Variante wäre eine neue Gesetzgebung, die Grenzwerte vorgibt oder Unternehmen mit Subventionen anspornt. Bis dahin fährt Bockermann mit seiner Avontuur weiter als Botschafter durch die Welt und nimmt gerne immer wiederinteressierte Crew-Mitglieder an Bord, die dann die Botschaft weiterverbreiten und sich für eine klimafreundliche


Bildnachweis: Shutterstock.com

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