Wenn Arbeit zu Elend wird

Wie hilft die Welt?

Arbeit soll ein gutes Leben sichern. Doch in manchen Teilen der Welt wird aus dem Streben, sich das tägliche Brot zu verdienen, nur Not. Die schlechten Zustände in einigen Ländern rufen nach Hilfe – wo setzen die wohlhabenden Nationen an?

Am 12. Juni 2017 fand wieder der Welttag gegen Kinderarbeit statt. Seit 2002 mahnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) jährlich an diesem Datum, dass viele Kinder arbeiten müssen. Immer noch sind es unfassbar viele: Mindestens 168 Millionen Kinder schuften weltweit, davon 99 Millionen in der Landwirtschaft, ferner im Bergbau, im verarbeitenden Gewerbe und im Tourismus. 

Dunkle Seite der Wirtschaft

Darüber hinaus leiden viele Erwachsene weltweit unter schlechte Arbeitsbedingungen. Durch die Nachrichten gingen Katastrophen wie der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch und die Suizide von Mitarbeitern einer Technologiegruppe in China aus Protest gegen miserable Zustände.

Zudem waren in Shanghai/China, zumindest noch im August 2016, laut der US-Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch Menschen unter unwürdigen Bedingungen für den Zulieferer eines US-Technologiekonzerns tätig. In 23 Fällen verletzte das Unternehmen Arbeitsschutzvorschriften. Ferner bekamen die Arbeiter ein weit unter dem örtlichen Mindestlohn liegendes Entgelt. Über 60 Prozent von ihnen leisteten um die 80 Überstunden im Monat, teils mehr. In der Fabrik kamen laut Bericht giftige Stoffe wie Quecksilber und Arsen zum Einsatz, ohne dass die dort tätigen Menschen wussten, wo die Stoffe in die Fertigung gelangten und wie sie sich davor schützen sollten. Dennoch äußerte sich der US-Konzern bisher nicht zu dieser Lage.

Lösungen müssen her

Es ist bedauerlich, dass hier viele Beispiele zu miserablen Arbeitssituationen in verschiedenen Teilen der Welt folgen könnten. Wie helfen vor allem die wohlhabenden Länder bei diesen menschenunwürdigen Zuständen?

In puncto Kinderarbeit brachte die ILO bereits 1973 ein Übereinkommen über das Mindestalter zur Zulassung zur Beschäftigung auf den Weg und 1999 folgte das Übereinkommen über die Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Mit Stand heute haben 168 Mitgliedsstaaten das Mindestalter-Übereinkommen ratifiziert; das Übereinkommen zur Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit ratifizierten bislang 180 Mitgliedsländer.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt z. B. in Burkina Faso an, um gegen Kinderarbeit, Kinderhandel und geschlechtsspezifische Gewalt anzugehen. Die Deutschen unterstützen Fortbildung und Aufklärung für Sicherheitskräfte, Sozialarbeiter, Gemeindeverantwortliche sowie die Bevölkerung, inklusive der Kinder. In Bangladesch hat das Ministerium ein Programm gegen Kinderarbeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie begründet. Es leitet Unternehmen an, Arbeits- und Umweltgesetzen Folge zu leisten. Ferner soll der weltweite Auf- und Ausbau von Kinderschutznetzwerken Kindern helfen, menschenwürdig aufzuwachsen und sich ihre Zukunft sichern zu können.

Arbeitsbedingungen – ein Thema für G 20

Zum Thema Globalisierung und ihren Auswirkungen meldete sich kürzlich Holger Görg, Leiter des Kiel Centre for Globalization am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Professor für Außenwirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, in der Süddeutschen Zeitung zu Wort. Er empfiehlt, Arbeitsbedingungen grundsätzlich zu überwachen und ihre Verbesserung zum Ziel der Entwicklungspolitik zu machen. Zudem sei es wichtig, allgemein ein Bewusstsein zu schaffen, dass nicht jedes global agierende Unternehmen ein Ausbeuter ist, aber dass auch nicht jeder Global Player fair in puncto Technologietransfer und Arbeitsbedingungen handelt.

Zahlreiche Schwellen- und Entwicklungsländer (sowie Industrieländer) sind laut Görg bestrebt, sich Investitionen von ausländischen multinationalen Unternehmen zu sichern, um Arbeitsplätze und Technologie zu gewinnen. Der Experte rät der Wirtschaftspolitik, genau darauf zu achten, mit welchen Investoren man sich verbündet. Die Politik sollte auf die Firmen setzen, die sich beim Technologietransfer und bei den Arbeitsbedingungen am besten darstellen. In vielen Ländern suchen Investitionsförderungsagenturen diese Unternehmen aus. Entwicklungs- und Schwellenländern beim Gründen solcher Agenturen zu helfen, schlägt Görg als Thema für den bevorstehenden G-20-Gipfel in Hamburg vor.


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