Zentraler Paketshop entschärft Verkehrschaos

In den ländlichen Regionen können Privatpersonen mangels öffentlicher Verkehrsanbindungen  wenig bis gar nichts gegen ihren jährlichen Kilometerstand tun. Selbst, wenn sie wollten, kämen sie ohne einen, oft auch zwei  viel genutzte Pkw pro Haushalt  kaum vom Fleck. 

Das größere Problem verursachen zwar indirekt auch die privaten Haushalte, direkt sind es jedoch die für sie auf den Straßen fahrenden Paketdienste, die so manchen Verkehrsweg verstopfen. Dem will man in Hamburg entgegenwirken.

Kurierfahrer verstopfen die Straßen

Am Boom des Online-Shoppings lässt sich nichts mehr ändern, an der Art, wie die Pakete zu uns nach Hause kommen, schon. Der erste Paketshop für unterschiedliche Kurierdienste hat vor Kurzem seine Pforten geöffnet, und das wirft wie so vieles die Frage auf: Warum erst jetzt? Sinnvoll ist der Shop allemal. 

Jeder Autofahrer hat schließlich schon das ein oder andere Mal hinter einem DHL-Lkw oder einem Hermes-Bus gestanden und gewartet. Oft führt die minutenlange Fahrpause zu nicht unerheblichen Staus, zu wilden Flüchen, Hupkonzerten, gegenseitiger Beschuldigung und schließlich einer handfesten Verstopfung, die niemand als Erster auflösen will. Jeder drängelt in seine angestrebte Richtung und schimpft dabei auf den Kurierdienst, der auch nur seinen Job macht. 

Vier Zusteller, eine Zentrale

Um die Lage etwas zu entspannen, gibt es nun den bundesweit ersten Multi-Label-Paketshop. Er soll in der Großstadt Hamburg den Verkehr ein wenig entlasten. Die zentrale Stelle für Kuriere nimmt in Hamburg-Bergedorf Pakte von GPS, Hermes, UPS oder DPD entgegen und gibt sie heraus. Vor der Eröffnung durchlief das Projekt eine einjährige Pilotphase. 

Der bundesweit erste Paketshop für mehrere konkurrierende Anbieter von Kurierdienstleistungen hat nun offiziell eröffnet. Neben den vier konkurrierenden Paketdiensten, deren Sendungen der Shop annimmt, sollte auch DHL Pakete dort abliefern und einsammeln können, hat sich aber noch nicht dazu bereit erklärt. 

Der sogenannte Multi-Label-Paketshop bietet Kunden einen zentralen Anlaufpunkt. Bereits in der Pilotphase zeigte sich, wie erfolgreich das Konzept ist: Die Kundenfrequenz erhöhte sich von anfangs 230 auf satte 1.500 Pakete im Monat. Der Shop bietet aber noch für weit mehr Pakete Kapazitäten.

Täglich klingelt der Paketzusteller

Das Projekt tritt an, die Fahrten der Kuriere zu verringern. Grundsätzlich klingt es logisch, hier mit einer Sammelstelle für mehrere Paketzusteller anzusetzen. Zumindest die Kunden brauchen so nur noch an einen Ort zu fahren, um ihre Pakete zu versenden oder abzuholen. Besonders in der Weihnachtszeit dürfte sich das bemerkbar machen. 

Auch die Schadstoffbilanz soll sich, so wünschen es die Shopbetreiber, durch das  Nutzen der zentralen Sammelstelle verringern. Denn besonders schadstoffbelastet und logistisch aufwendig für die Kurierdienste ist oft die sogenannte letzte Meile, also der direkte Weg von einer Verbindungsstraße zur Haustür des Sendungsempfängers. Diese fällt aber in den letzten Jahren immer häufiger an, da Privathaushalte, vom Internethandel befeuert, immer öfter und immer mehr  bestellen. 

Deutsche führen im Online-Shopping

Der Paketversand in Deutschland ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Im Europavergleich verschicken die Deutschen die meisten Pakete. Die Erhebung des amerikanischen Dienstleistungsunternehmens Pitney Bowes ergab, dass bereits im Jahr 2016 insgesamt 65 Milliarden Pakete versendet wurden. Die Statistik erfasst allerdings nur Sendungen mit einem Maximalgewicht von 31,5 Kilogramm. Großsendungen kommen rechnerisch noch einmal hinzu. 

Dass die Lieferungen von Tür zu Tür seither nicht abgenommen haben, sieht man täglich vor dem eigenen Fenster: Dort stehen einmal täglich der Hermesbote, der DHL-Kurier und manchmal auch ein Bus des Universal Parcel Service (UPS). 

Lösungen gegen verstopfte Straßen müssen her

Die Boten schaffen es kaum noch, die zahlreichen Zustellungen pünktlich auszuliefern. In Großstädten stehen sie täglich mehrfach im Stau, manch einer ist um 20 Uhr noch nicht am Ende seiner Route angelangt. Dabei verteilen die Paketzusteller oft nicht einmal ihre eigentliche Ladung, sondern Abholscheine, mit denen der Kunde dann am Folgewerktag zu einem der Paketzentren fahren muss, um seine Sendung abzuholen. 

Die Kurierfahrt wird damit rechnerisch in Kilometerzahlen gedoppelt, das Verkehrsproblem größer und größer. Zudem sucht die Branche händeringend nach Fahrern, damit diese nicht mehr bis in den späten Abend hinein herumkurven. 

Es fehlt an Fahrern, Lagerflächen und Umweltschutz

Besonders in der Weihnachtszeit stellen die Versandunternehmen vermehrt Zeitarbeiter ein. Anders kommen sie dem Ansturm der Bestellungen nicht hinterher. Auch an Lagerfläche fehlt es den Anbietern in den Großstädten zunehmend. Immer öfter bieten darum auch Kioske die Annahme und Lagerung von Paketen an. Darüber hinaus sind automatisierte Packstationen seit einiger Zeit dafür da, zumindest Logistik und Lagerung zu entlasten. 

Gegen Schadstoffemissionen geht die Post mit einem eigens entwickelten Elektrofahrzeug vor, das sie inzwischen sogar erfolgreich verkauft. Am drohenden Verkehrskollaps ändert das nichts. Dennoch ist erkennbar, dass die Paketdienste nach Lösungen suchen. Vielleicht regt ein zentraler, übergreifender Paketshop dazu an, gemeinsam und einheitlich das Paketzustellerchaos zu stemmen. Denn die kleinen Einzellösungen sind nur Tropfen auf einen heißen Stein.

Foto: Pixabay

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