Zurück zu den Wurzeln – Adidas fertigt wieder „Made in Germany“

Der Laufschuh „Futurecraft M.F.G." von Adidas ist ein Vorreiter, besser ein Vorläufer der Produktion per Robotertechnik. Mit diesem Artikel kehrt der Hersteller zu „Made in Germany“ zurück und freut sich über einige Vorteile.

Unter dem Namen „Futurecraft M.F.G." fertigt Adidas seit Herbst 2016 Laufschuhe per Robotertechnik in seiner „Speedfactory“ in Ansbach, Bayern. „MFG“ bedeutet „Made for Germany“. Das neue Produkt steht dafür, dass es die renommierte Sportartikelmarke wieder nach Deutschland zieht. Und das über zwanzig Jahre nach Schließung beinahe all ihrer deutschen Produktionsstätten.

Jan Runau, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Adidas, dazu: „Das ist, denke ich, auch ein Bekenntnis zum Standort Deutschland. Wir arbeiten ja mit vielen renommierten Maschinenbauern aus Deutschland zusammen und auch mit unserem langjährigen Partner Oechsler aus Ansbach. Und da werden jetzt circa 160 Arbeitsplätze entstehen, in dieser neuen Fabrik in Ansbach-Brodswinden."

Vorteile für Kunden

Es geht also zurück zu „Made in Germany“. Für Gerd Manz, Leiter der Technologieinnovation bei Adidas und Projektleiter der Speedfactory, hat der Einsatz der Robotertechnik am Standort Deutschland nur Vorteile. So hat der Kunde laut Manz „ganz schnell, was er haben will. Einfach, weil wir vor Ort produzieren und nicht lange Lieferketten, lange Lieferzeiten der Lieferantenkette, wie sie heute in der Industrie üblich ist, abdecken müssen."

Nach wie vor fertigt Adidas Sportschuhe in Asien. Doch es braucht rund drei Monate, bis das Produkt hierzulande ankommt – um einiges zu lang, bedenkt man die schnelllebige Modebranche. Daher steht der Produzent in den Startlöchern, den „Futurecraft M.F.G." am bayrischen Standort bald in Serie herzustellen.

„Revolution“ bei Adidas!

Darüber hinaus baut das Unternehmen eine weitere Produktionsstätte mit Robotertechnik in den USA. Dort und in Ansbach sollen demnächst insgesamt eine Million Paar Schuhe jährlich vom Band laufen. Auch wenn dies ein kleiner Teil des derzeitigen Absatzes ist – 2015 verkaufte das Sportartikelhaus um die 300 Millionen Paar – sieht Adidas darin eine „Revolution”. Daher sind weitere Fabriken in Planung und zudem visiert das Unternehmen an, hierzulande auch wieder Textilien herzustellen. Dennoch soll die Grundmenge der Sportartikel weiter aus Asien kommen, z. B. die Modelle für den Massenmarkt.

Bei der Robotertechnik liegt der Gedanke an eine „Revolution“ nahe: Durch diese Technologie erübrigen sich die Lager größtenteils, denn sie produziert Schuhe sozusagen nach Bedarf. Adidas visiert an, dass die großen Handelsunternehmen das Sportartikelhaus in Zukunft automatisiert auf dem Laufenden halten, welche Stückzahlen welcher Produkte sie abgesetzt haben. Der Hersteller ist dann in der Lage, Neuware genau nach diesen Zahlen zu liefern.

Außerdem bekommen Sportschuhfans durch die Robotertechnik auf eine personalisierte Bestellung hin nach kürzester Zeit ihre Wunschtreter. So hält „Mass Customization" – Maßanfertigung in Serienproduktion – Einzug in den Handel.

„Made in Germany“ im Trend

Übrigens liegt Adidas mit seiner partiellen Rückkehr zur hiesigen Produktion im Trend. Laut Steffen Kinkel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Karlsruhe, gehen immer mehr deutsche Unternehmen dazu über, ihrer Herstellung in großen Anteilen wieder hierzulande oder in Europa anzusiedeln. Dies belegen er und Kollegen mit Umfragen bei Organisationen – schon seit 2003 stellen sie eine Rückkehr zu Fertigungsstätten in Deutschland fest. 2012 gaben nur noch acht Prozent der Unternehmen die Auskunft, dass sie im Ausland produzieren. Kinkel findet diesen Trend „faszinierend“, „da er doch Beleg für möglicherweise höhere Qualität und Wertschätzung des Produktionsstandortes Deutschland ist."

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